7. November 2026, 13:22 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Wo in Deutschland lebt es sich entspannt, wo sind die Menschen besonders gestresst? Das hat jetzt ein Stressindex der Online-Apotheke CanDoc ergeben. Die Stadt, in der die Menschen am gestresstesten sind, dürfte so manchen überraschen.
Stress gehört in Deutschlands in vielen Städten und für viele Städter zum Alltag. Verkehrslärm, Betonwüsten, Feinstaub, ihrerseits gestresste Menschen in der Nähe tun ihren Teil im Außen. Das eigene Arbeitspensum, volle Terminkalender in der Freizeit, Gedankenschleifen und wenig Bewegung addieren einen weiteren im Innern. Das ist nicht neu. Mehr und mehr entsteht ein Bewusstsein dafür, dass Stress ungesund ist, werden Begriffe wie Work-Life-Balance populär, Yoga, Retreats, Kuren und Co. den gestressten Städtern lieb und teuer.
Doch wo in Deutschland sind die Städter besonders gestresst? Und welche Städte sind am entspanntesten? Das hat die Online-Apotheke CanDoc jetzt mittels eines Stressindex herausgefunden. Untersucht wurden dafür 30 deutsche Großstädte auf neun Faktoren: Verfügbarkeit und Erreichbarkeit von Grünflächen, Umweltfaktoren wie Straßenlärm, Feinstaub sowie die Zahl der Tropennächte, also Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt. Außerdem die jährliche Arbeitszeit im Schnitt, lokale Gesundheitsversorgung und Vorsorgeangebote wie Wellnesscenter, Entspannungs- und Stressmanagementkurse sowie die Zahl der Psychotherapeuten.
Düsseldorf ist die Stress-Hauptstadt
Dieses Ergebnis dürfte so manchen überraschen. Doch tatsächlich rangiert die Rheinmetropole auf dem letzten der 30 Plätze des Stress-Städte-Rankings von CanDoc – mit null Punkten. Zum Vergleich: das zweitgestressteste Stuttgart hat immerhin 23 von 100 Punkten. Wieso ist Düsseldorf so stressig? Wie das Ranking zeigt, gibt es dafür nicht einen, sondern gleich diverse Gründe, die der Entspannung im Alltag zuwiderlaufen.
So ist etwa beinahe jeder dritte Düsseldorfer nächtlichem Straßenlärm von mehr als 55 Dezibel ausgesetzt – der mit Abstand höchste Wert im Städtevergleich. In durchschnittlich elf Nächten pro Jahr dürfte sich Wärme zu den Gründen eventueller Schlaflosigkeit gesellen. Hinzu kommt, dass den schlecht oder unterbrochen schlafenden Düsseldorfern überaus wenig Angebote zur Verfügung stehen, um mit ihrem Stress umzugehen. Auf 100.000 Menschen kommen in der Stadt gerade fünf Entspannungs- und Stressmanagement-Kurse. Auch natürliches Stressmanagement durch die Natur kommt in Düsseldorf recht kurz: 32 Prozent der Stadt besteht aus Grünflächen, an die jedoch nur 63 Prozent gut angebunden sind. Nur in Mannheim sind es weniger. Überdurchschnittlich häufig vertreten sind dagegen Wellnesscenter. Pro 100.000 Menschen gibt es in der Stadt 13, das übersteigt nur Köln mit 41 – und auch diese Wellness-Stadt ist nicht allzu weit entfernt.
Ein weiterer Stressfaktor in Düsseldorf sind die Arbeitsstunden: 1357 Stunden verbringt der Düsseldorfer im Schnitt pro Jahr mit Arbeit. Nur eine Stadt arbeitet noch mehr: Frankfurt am Main kommt auf 1395 jährliche Arbeitsstunden.
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Augsburg ist Deutschlands entspannteste Stadt
An der Spitze des Rankings steht Augsburg mit 100 von 100 Punkten. Die bayerische Stadt kommt auf 41 Prozent Grünflächen, zu denen 72 Prozent ihrer Bewohner bequem Zugang haben, sie also innerhalb von 300 Metern erreichen. Das Ende der Fahnenstange ist damit jedoch längst nicht erreicht. In 18 der 30 Städte ist dieser Wert sogar noch höher. Für den ungebrochenen Entspannungsfaktor Augsburgs scheint das allein jedoch nicht ausschlaggebend, brauchen die Augsburger offenbar ohnehin weniger Zusatzentspannung. Nur 15 Prozent werden des Nachts durch Lärm gestört, tropisch warm ist es in gerade einmal sechs Nächten. Und wenn sie doch gestresst sind, stehen pro 100.000 Menschen 14 Entspannungs- und Stressmanagementkurse sowie fünf Wellnesscenter zur Verfügung. Ein Faktor, der mit 25 Prozent in die Wertung fällt, ist die Arbeitszeit – und die ist mit 1275 Jahresarbeitsstunden pro durchschnittlichem Arbeitnehmer ebenfalls vergleichsweise gering. Nur in Aachen und Bochum wird weniger gearbeitet.
Das sind Deutschlands entspannteste und gestressteste Städte laut Can Doc
- Augsburg (100 Punkte)
- Bielefeld (96 Punkte)
- Münster (93 Punkte)
- Kiel (90 Punkte)
- Aachen (90 Punkte)
- Wuppertal (79 Punkte)
- Bochum (76 Punkte)
- Bonn (73 Punkte)
- Bremen (68 Punkte)
- Braunschweig (64 Punkte)
- Wiesbaden (56 Punkte)
- Berlin (55 Punkte)
- Chemnitz (55 Punkte)
- Nürnberg (55 Punkte)
- Köln (53 Punkte)
- Leipzig (52 Punkte)
- Hamburg (51 Punkte)
- Karlsruhe (51 Punkte)
- Hannover (48 Punkte)
- Mönchengladbach (48 Punkte)
- München (47 Punkte)
- Dresden (46 Punkte)
- Mannheim (40 Punkte)
- Dortmund (37 Punkte)
- Essen (35 Punkte)
- Gelsenkirchen (32 Punkte)
- Duisburg (27 Punkte)
- Frankfurt am Main (25 Punkte)
- Stuttgart (23 Punkte)
- Düsseldorf (0 Punkte)
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Kritik am Ranking
Das Ranking von CanDoc kann nur als grobe Richtung verstanden werden, ist die Liste der bewerteten Faktoren, um das Stresslevel einer Stadt einzuschätzen, dürftig. So fehlen zum Beispiel Faktoren wie das durchschnittliche Einkommen, Möglichkeiten der Kinderbetreuung oder auch der Lärmpegel am Tag. Wichtig wäre darüber hinaus eine Selbsteinschätzung. Also eine Befragung der Bewohner zu ihrem gefühlten Stresslevel sowie ihre Einschätzung der Stadt, in der sie leben, gibt es neben Einflüssen wie Lärm, Natur und Co. auch zwischenmenschliche Aspekte, die das Stresslevel beeinflussen, etwa der Umgangston bei der Arbeit oder auch auf der Straße.