Insider packen aus

Die geheimen Codes der Flugzeug-Crew

Amüsierte Stewardess
Das nächste Mal genau bei der Lautsprecher-Durchsage hinhören: Benutzt die Flugbegleiterin einen Code?
Foto: Getty Images

Egal, ob ein Fluggast pöbelt oder man sich über die Attraktivität der Passagiere austauschen will: Flugbegleiter und Piloten haben alle möglichen Codes und Abkürzungen, um auch im Gang der Kabine offen reden zu können. Auch bei echten Gefahrensituationen gibt es bestimmte Wörter oder Zahlenfolgen, die nur die Crew kennt. Ein paar davon haben Insider TRAVELBOOK verraten.

Der Mitteilungsbedarf eines Flugbegleiters muss riesig sein, z.B. wenn sich ein Passagier den zehnten Whiskey bestellt hat oder ein anderer die Kollegin die ganze Zeit anglotzt. Oder auch wenn eine Gefahrensituation eintritt oder jemand gestorben ist – stets gilt: Mund halten und ruhig bleiben! Fluggäste darf man schließlich weder in Panik versetzen, noch darf man unhöflich zu ihnen sein.

Damit sich das Flugpersonal trotzdem austauschen kann, verwendet es Geheimcodes. Besonders wichtig:  Transpondercodes, falls an Board ein Verbrechen stattgefunden hat oder Gefahr herrscht. Berufspilot Patrick Biedenkapp, der momentan einen A300 für eine große deutsche Fluggesellschaft fliegt und über sein Leben als Pilot bloggt, hat uns die makaberen Botschaften verraten:

„Über einen vierstelligen Code, der von der Crew eingestellt wird, weiß der Radarlotse in welcher Situation sich das Flugzeug befindet.“

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„Ein Transponder Code, auch Squak gennant, wird jedem Flugzeug bei der Radarfreigabe zugewiesen.“ Der Pilot könne diesen jederzeit ändern und folgende Nachrichten der Radarstation zukommen zu lassen.

7500: if you feel a knife bedeutet: Flugzeug entführt worden
7600: If you hear nix bedeutet: Kein Funkverkehr möglich
7700: If you go to heaven bedeutet: Emergency“

Die englischen Sätze zu den Zahlen sind dabei eine Eselsbrücke zum Auswendiglernen. „A knife“  reimt sich auf die ersten beiden Ziffern 75, englisch ausgesprochen, „seven-five.“ „Hear nix“ reimt sich auf seven-six und „to heaven“ auf seven-seven. Da die Bedeutung der Codes so wichtig ist, prägen sich insbesondere angehende Piloten die Zahlen auf diese Weise ein.

Tote Passagiere haben einen Codenamen

Wenn ein Passagierflugzeug  dagegen eine Leiche transportiert, sprechen die meisten englischsprachigen Crews von einem „Jim Wilson“ an Board. In Deutschland heißt ein verstorbener Fluggast dagegen „Hugo“. „Hugo stehe hierbei für „human gone“ bzw. eingedeutscht: „Heute unerwartet gestorbenes Objekt“‘.  Außerdem auf der ganzen Welt üblich ist die Bezeichnung „HR“. Die Abkürzung steht für „human remains“, zu Deutsch: sterbliche Überreste.

Auch für Privatgespräche gibt es Signalwörter

Natürlich geht es beim Flugpersonal nicht immer um Tote und Notfälle. In den meisten Fällen ist der größte Gesprächsstoff für die Boardcrew das Verhalten oder das Aussehen der Passagiere.  Ein ehemaliger Flugbegleiter berichtete dem australischen Radiosender Kyle & Jackie O von einem Code, den man benutzt, wenn man sich über die Attraktivität der Fluggäste austauschen will: Dieser bezieht sich auf den Sitzplatz desjenigen oder derjenigen. Wenn man darauf hinweisen will, dass man Passagier auf Platz 7D gut findet, sagt man zu seinem Kollegen: „I might do 7 days in Denmark.“ Wenn es sich um den Passagier auf dem Sitzplatz 5A handelt sagt man: „I might do 5 days in America.“

Achtung: Es gibt auch Codes, um über das Aussehen der Passagiere zu reden
Foto: Getty Images

In Deutschland ist dieser Code anscheinend nicht üblich. Auf TRAVELBOOK-Anfrage sagt die Flugbegleiterin Simone Achternbosch, dass sie „noch nie davon gehört“ habe. „Um über solche Themen zu reden, hatten wir keine Codes. Wir haben uns einfach in die Galley (Flugzeugküche) zurückgezogen und dann darüber gesprochen.“

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„Vieles läuft über Gesichtszüge, wenn man dem Kollegen oder der Kollegin etwas andeuten möchte, wenn jemand sich unfreundlich verhält“, erzählt ein 24-jähriger Flugbegleiter, der anonym bleiben will. „Da zieht man schon mal die Augenbrauen hoch oder verdreht die Augen. So richtig los geht es dann in der Galley. Vorhang zu und dann kann man schon mal den ein oder andere Kommentar über die Passagiere loslassen. Aber auch dort muss man aufpassen, denn der Vorhang ist nicht besonders geräuschdämmend.“

Ein Passagier ist ein PAX

Flugbegleiterin Isabella Bartosch weiß: „Wir haben einige Fachbegriffe, die Außenstehende oft als Codes identifizieren. Zum Beispiel ist die Galley unsere Boardküche, der BIN ist das Gepäckfach über den Köpfen der Passagiere, der Passagier ist für uns ein PAX und so weiter. Wenn wir davon reden, dass Delta defekt ist, dann ist es die Toilette D. Oder wenn die Kollegin mir beim Boarding sagt, dass Passagier 11Alpha Extensions braucht, dann braucht Passagier in der Reihe 11 auf Sitzplatz A einen Verlängerungsgurt.“

Und noch ein Detail, über das Sie sich selbst vielleicht schon gewundert haben, verrät die Flugbegleiterin: „Wenn durch den Lautsprecher beim Boarding HC rauskommt, dann heisst das Headcount. Wir zählen also alle Passagiere bis auf die Babys.“

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