Promille-Verbot an Bord

Wer kontrolliert eigentlich, ob die Piloten Alkohol getrunken haben?

Bordpersonal, Pilot
Ob das Bordpersonal vor dem Flug auch ganz sicher nicht noch ein Bier getrunken hat – kontrolliert das eigentlich jemand?
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Flugpassagiere wollen sich darauf verlassen können, dass das Personal an Bord nüchtern ist. Doch wann dürfen Kapitän und Crew zuletzt etwas getrunken haben, bevor sie ihren Dienst antreten – und wer kontrolliert das eigentlich? TRAVELBOOK weiß von Insidern, wie ernst das Alkoholverbot in den Stunden vor dem Abflug wirklich genommen wird.

Wer alkoholisiert ist, darf nicht am Straßenverkehr teilnehmen. Nicht minder von Bedeutung ist ein Promille-Verbot im Luftverkehr – immerhin tragen Kapitän und die restliche Crew die Verantwortung für das Leben von Hunderten von Fluggästen.

So viel vorab: An den Flughäfen ist man in dieser Sache nicht zuständig. „Wir haben weder rechtliche noch dienstrechtliche Möglichkeiten, Piloten zu überprüfen“, erklärt ein Sprecher der Fraport-Kommunikationsabteilung auf TRAVELBOOK-Nachfrage. Und: „Diese Verantwortung liegt ausschließlich bei den Fluggesellschaften, beziehungsweise bei den Behörden, bei einem akuten Verdacht.“

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Alkohol-Verbot gilt 12 Stunden vor Abflug

TRAVELBOOK sprach mit Berufspilot Patrick Biedenkapp. Seit vergangenem Jahr fliegt er als Erster Offizier einen A300 für eine große deutsche Fluggesellschaft. Er trinke generell nur sehr selten Alkohol, alleine schon aus Gesundheitsbewusstsein und Fitness-Gründen – was dahintersteckt, kann man auf seinem Instagram-Account und Blog nachvollziehen. Doch natürlich trage die Tatsache, dass er auch nach geringem Alkoholkonsum zwölf Stunden lang kein Flugzeug steuern darf, zu dieser Haltung bei. Entsprechend hatte Biedenkapp nichts zu befürchten, als ihn vor einigen Jahren kurz vor Abflug aus Rotterdam ein Mitarbeiter des Luftfahrt-Bundesamts zum Alkoholtest bat. Das Gleiche ist ihm erst kürzlich noch einmal in Oslo passiert.

Seit einigen Jahren finden Kontrollen häufiger statt, so Biedenkapp. Den Eindruck gewann er vor allem unmittelbar nach dem Germanwings-Vorfall 2015, als Pilot Andreas Lubitz († 27) den Flug 9525 in mutmaßlicher Selbstmordabsicht in einen Berg gesteuert hatte. Seit April 2017 gebe es zudem ein neues, verschärftes Gesetz, „das die Flugverkehrsgesellschaften verpflichtet, ihr Personal auf psychoaktive Substanzen zu überprüfen“.

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Wie laufen die Kontrollen ab?

Neben den stichprobenartigen Kontrollen, die von den Behörden mitunter im Cockpit durchgeführt werden, gibt es das Standardverfahren. Von den Airlines beauftragte Ärzte sind dort platziert, wo sich die Crew zum Dienst anmeldet, und führt direkt dort Alkoholkontrollen durch – per Zufallsprinzip oder auf Verdacht. Der Test gilt als negativ, wenn der Blutalkoholgehalt einen Wert von 0,2 Promille nicht überschreitet. Dann gilt man als nüchtern und ist „fit to fly“, also dienstfähig. Die geringfügige Verschiebung nach dem Komma kann andere, beispielsweise ernährungsbedingte Ursachen haben.

Bei dem Programm handelt es sich um einen sozialen Dienst, den Angestellte von Fluggesellschaften bei Alkohol- oder Drogenproblemen in Anspruch nehmen dürfen, um sich Hilfe zu holen – und im Fall eines positiven Alkoholtests dringend sollten. Denn: Wer das Supportprogramm ablehnt, werde gemeldet und folglich suspendiert.

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Flugbegleiterin

Das Kabinenpersonal muss nicht nur Snacks und Getränke verteilen, sondern ist auch für die Sicherheit an Bord zuständig
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Flugbegleiter werden (noch) nicht kontrolliert

Das Kabinenpersonal ist nicht nur für das leibliche Wohl der Fluggäste, sondern auch für deren Sicherheit zuständig. Die Flugbegleiter müssen jederzeit in der Lage sein, das Flugzeug zu evakuieren und entsprechend schnell und zuverlässig zu reagieren. Dennoch: Außerhalb des Cockpits sind Kontrollen nicht üblich. TRAVELBOOK sprach mit mehreren Flugbegleiterinnen, die selbst noch nie auf Alkohol getestet wurden. So konnte es auch dazu kommen, dass eine von ihnen – Louise T. – mitbekam, wie ein Kollege mit einer Alkoholfahne vom Purser, dem ranghöchsten Flugbegleiter, und dem Kapitän nach Hause geschickt wurde.

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Wer als Passagier ein ungutes Gefühl hat oder einen scharfen Geruch bei einem Mitglied des Kabinenpersonals wahrnimmt, sollte sich an einen Kollegen wenden. Es gibt aber Bestrebungen, stichprobenartige Kontrollen auch für die Flight Crew einzuführen. So hält es Flugbegleiterin Marta F. durchaus für möglich, dass sie bald – ebenso wie die flugführenden Kollegen – auf spontane Aufforderung hin wird pusten müssen. Sie arbeitet bei der Lufthansa, „eine der am strengsten kontrollierenden Airlines der Welt“, wie sie uns versichert. In puncto Sicherheit habe sie ausländischen Fluggesellschaften Einiges voraus.

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Pilot

Man darf getrost davon ausgehen, dass Kapitän und Flight Crew stets nüchtern zur Arbeit kommen
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