27. Januar 2026, 12:49 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Es muss viel passieren, damit Flugbegleitern das Lächeln vergeht. Freundlichkeit gegenüber Fluggästen gehört für sie zum Beruf, den viele mit Leidenschaft ausüben. Dennoch gibt es Situationen und Verhaltensweisen, die die Geduld des Kabinenpersonals zumindest an die Grenzen bringen, ohne dass es sich dies anmerken lässt. Genau dazu hat TRAVELBOOK eine Flugbegleiterin befragt: Womit erweisen sich Fluggäste als besonders nervig – was wünscht sie sich, dass Passagiere es sich ein für allemal abgewöhnen? Die spannenden Einblicke im Folgenden.
Dinge, mit denen Fluggäste das Kabinenpersonal besonders nerven
Inzwischen sollte bekannt sein, dass die Arbeit von Flugbegleitern weit mehr umfasst als das Servieren von Getränken. Vor allem ist die Kabinencrew für die Sicherheit an Bord verantwortlich. Daneben unterstützt sie Fluggäste bei Fragen und Wünschen und übernimmt auch darüber hinaus zahlreiche Aufgaben bei der Vor- und Nachbereitung eines Fluges. Trotz dieser Vielzahl an Verantwortlichkeiten bleiben Flugbegleiter stets freundlich – was offenbar manche Personen dazu verleitet, sie als eine Art „persönliche Verbindungs-Concierges“ zu betrachten. So jedenfalls das Ergebnis einer Umfrage des Reisemagazins „Travel + Leisure“ unter US-amerikanischen Flugbegleitern.
Doch wie sieht es hierzulande aus? TRAVELBOOK hat eine Flugbegleiterin aus dem eigenen Netzwerk gefragt, welche Verhaltensweisen von Fluggästen sie besonders nerven. Zu ihrem Leidwesen gibt es einige, denen man tatsächlich auf nahezu jedem Flug begegnet – womöglich ohne dass den betreffenden Passagieren bewusst ist, wie problematisch ihr Verhalten wirklich ist. Vielleicht tragen die folgenden Beispiele zu einer Einsicht bei, und die ist bekanntlich der erste Schritt zur Besserung.
Platz 1: Aufspringen, sobald das Flugzeug den Boden berührt hat
„Es ist extrem nervig, jedes Mal aufstehen und ins Mikrofon schreien zu müssen, dass die Passagiere bitte angeschnallt zu bleiben haben“, gesteht unsere Insiderin; sie möchte anonym bleiben. Dieses „Aufspringen, sobald nur eine Rolle den Boden erreicht hat“, sei schließlich extrem gefährlich – es würden sogar Kinder abgeschnallt, so die Flugbegleiterin. Auch fragt sie sich, warum erfahrene Fluggäste nicht verstehen, dass sie ohnehin erst dann aussteigen können, wenn eine Tür geöffnet ist.
Der Appell an Sie: Bleiben Sie bei eingeschaltetem Anschnallzeichen sitzen – auch wenn die Maschine bereits gelandet ist. Denn das Flugzeug rollt noch eine ganze Weile und könnte ruckartig bremsen oder manövrieren müssen. Wer dann nicht angeschnallt ist oder bereits steht, riskiert Verletzungen. Übrigens kann in der Türkei gemäß einer Verordnung aus dem Jahr 2025 für das Aufstehen bei eingeschalteten Anschnallzeichen sogar ein Bußgeld fällig werden, um diesem Risiko zu begegnen.
Platz 2: Sich viel zu früh fürs Boarding anstellen
Immer wieder erlebt die Flugbegleiterin, dass sich Fluggäste fürs Boarding anstellen – teilweise sogar dann, wenn die Maschine noch gar nicht gelandet ist. „Sie können das Flugzeug nicht sehen, stellen sich aber trotzdem schon an“, berichtet sie amüsiert. Ärgerlich sei dieses Verhalten dennoch, denn drängelnde Passagiere erzeugen ansteckenden Stress. Viele geraten unter Druck, möglichst schnell voranzukommen, aus Sorge um Platz für ihr Handgepäck.
Man kann ihre Verwunderung verstehen. Denn es ist tatsächlich fraglich, warum die Passagiere es so eilig haben, sich die Beine in den Bauch stehen. Zumal das Boarding im Zweifelsfall nach dem WILMA-Prinzip, also in Gruppen, erfolgt. Diese inzwischen etablierte Praxis soll den Einsteigevorgang effizienter, geordneter und letztendlich auch komfortabler gestalten. „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ ist nicht – Sie werden aufgerufen, wenn Ihre Boarding-Gruppe an der Reihe ist.
Platz 3: Bei der Essensausgabe tun, als ginge es um Leben oder Tod
Die Flugbegleiterin beschreibt es als eine der zweifellos nervigsten Situationen auf Langstreckenflügen, wenn Fluggäste nicht das Essen bekommen, das sie sich gewünscht haben. Das kann passieren, wenn ein Gericht von vielen vorher bestellt wurde – die Zahl der Portionen ist begrenzt. „Oft echauffieren sich die Betroffenen dann, als ginge es um Leben oder Tod“, so die Insiderin. Ein solches Verhalten begegne ihr in allen Reiseklassen.
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Man kann sich vorstellen, dass die Realität oft sehr unangenehm werden kann. Denn was für Passagiere eigentlich bloß eine kleinere Unannehmlichkeit sein sollte, wird für Flugbegleiter schnell zur Belastungsprobe. Unmut über falsches Essen oder ausbleibenden Service schlägt gern mal in persönlichen Ärger um. So kann es passieren, dass gestresste Fluggäste den Respekt verlieren. Solche Szenen gab es nicht zuletzt im Nachgang zur Corona-Pandemie, als der Flugverkehr wieder anlief. Eine Flugbegleiterin berichtete TRAVELBOOK damals von katastrophalen Verhältnissen, während sie und ihre überarbeiteten Kollegen den Frust der Fluggäste zu spüren bekamen.
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Platz 4: Zu jeder Zeit Service einfordern
Auch das kommt immer wieder vor: Fluggäste verlangen selbst in den stressigsten Phasen des Fluges einen persönlichen Service. „Man ist voll beladen, balanciert fast schon Müll von Fluggästen auf dem Kopf“, beschreibt die Flugbegleiterin, „und dann möchten sie einem noch etwas mitgeben“. Dieses Verhalten sei sowohl auf Kurz- als auch auf Langstreckenflügen anzutreffen und stelle sie und ihre Kollegen regelmäßig vor ein Rätsel. „Die Passagiere sehen einen ja an“, sagt sie. „Ich denke mir jedes Mal: ‚Es ist doch offensichtlich, dass ich gerade keine Hand frei habe.‘“
Platz 5: Abwertung im Alltag, überzogene Erwartungen in der Krise
Besonders belastend empfindet die Flugbegleiterin jedoch einen grundlegenden Widerspruch im Verhalten mancher Passagiere. Immer wieder begegne es ihr, dass Fluggäste sie und ihre Kollegen im einen Moment als „Saftschubsen“ abwerten, im nächsten jedoch, sobald sich Komplikationen ankündigen, extrem hohe Erwartungen an sie stellen.
„Passagiere sagen ganz platt: ‚Sie sind ja nur eine Flugbegleiterin‘“, schildert sie. „Doch dann sollen wir am besten den gesamten Flugverkehr des Frankfurter Flughafens steuern, dafür sorgen, dass sie ihre Anschlussflüge bekommen, und so weiter.“
Noch mehr nervige Verhaltensweisen von Fluggästen
Doch mit der „Flop 5“ unserer Insiderin ist die Liste von Verhaltensweisen, mit denen Fluggäste extrem nervig sein können, längst nicht vollständig. Vom ungefragten Anfassen über Sonderwünsche außerhalb der Servicezeiten bis hin zum Klingeln wegen jeder Kleinigkeit – eine Übersicht besonders problematischer Angewohnheiten von Passagieren im Flugzeug finden Sie hier.