30. Juni 2026, 7:08 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Beinahe festgenommen, und das auch noch in Lateinamerika? TRAVELBOOK-Autorin Julia Mähl ist durch Kolumbien gereist und wäre dabei beinahe festgenommen worden. Was hinter dieser Geschichte steckt und für wie gefährlich sie das Land wirklich hält, verrät sie hier.
Wie gefährlich ist eine Reise durch Kolumbien wirklich? Würde mich das heute, nach sechs Wochen Backpacking durch das Land, jemand fragen, müsste ich nicht lange überlegen: Denn wer sich meiner Meinung nach an gewisse Dos and Don’ts hält, hat in Kolumbien keine Schwierigkeiten. Mit einer kleinen Einschränkung. Denn mir und meiner Reisebegleitung ist gleich in der ersten Woche unseres Trips eine Sache passiert, die dem Ganzen etwas widersprüchlich gegenübersteht.
Willkommen in der Kaffeezone Kolumbiens
Es war unser zweiter Stopp auf der Reise. Wir waren gerade mit dem Bus von Bogotá nach Salento gefahren, hatten dort die erste Nacht verbracht und uns von der kleinen Stadt mitten in der Kaffeezone Kolumbiens verzaubern lassen. Bunte Fassaden, kleine Restaurants, Geschäfte und bester Kaffee: Nach der geschäftigen Hauptstadt ein echter Ruhepol. Zumindest kurz. Denn wir kamen mitten in der „Semana Santa“ an, der spanischen Karwoche, die in Kolumbien zu den größten Feiertagen des Jahres gehört. Und während zu Beginn der Woche noch alles seinen normalen Gang geht, finden die Feierlichkeiten zu Karfreitag, Ostersamstag und -sonntag ihren Höhepunkt.
Zu den Hauptattraktionen rund um Salento zählt auch das berühmte „Valle de Cocora“ mit seinen langstieligen Palmen, die bis zu 60 Meter in die Höhe wachsen. Definitiv ein Punkt auf unserer Kolumbien-Bucketlist, weswegen wir uns gleich für den nächsten Tag dazu entschieden, das Tal zu besuchen. Um den Touristenmassen zu entgehen, empfahl uns der Hotelbesitzer, bereits in den frühen Morgenstunden loszuwandern, und schlug uns eine Route vor, die weniger stark besucht war als der Rest der Region. Mit einer Anmerkung: Aufgrund der „Semana Santa“ seien manche Wege im Naturschutzgebiet gesperrt. Sollte das der Fall sein, müssten wir umkehren.
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Grenzkontrollen und Verständigungsprobleme
So weit, so gut. Am nächsten Morgen wanderten wir los, fuhren mit den Jeeps zum „Valle de Cocora“, starteten an der richtigen Stelle, liefen den Weg und passierten all die Stopps, von denen uns auch unser Hotelbesitzer erzählt hatte. Schließlich passierten wir einen Checkpoint, an dem eine kleine Gebühr fällig wurde, um den weiteren Weg gehen zu dürfen. Wir zahlten, passierten und wanderten weiter. Bis wir schließlich, etwa zwei Stunden später, nahezu am Ende unserer Runde und kurz vor den berühmten Palmen, an einem zweiten Checkpoint ankamen, der ebenfalls eine Gebühr verlangte. Auch hiervon hatten wir im Vorhinein gehört. Doch kaum, dass wir bezahlen wollten, hielten uns zwei bewaffnete Polizisten auf. Auf Spanisch fragten sie uns, ob wir eine Genehmigung für die Richtung hätten, aus der wir gekommen waren. Hatten wir natürlich nicht.
Was darauf folgte, war nahezu eine Stunde an Verständigungsproblemen, in der wir versuchten herauszufinden, was wir falsch gemacht hatten und was nun zu tun sei. In dieser Zeit nahmen die Polizisten unsere Personalien auf, erzählten uns von einer Art „Lektion“, die wir lernen mussten, und sprachen davon, dass wir nicht mehr aus Kolumbien ausreisen dürften, bis das Ganze geklärt sei. Außerdem machten sie uns klar, dass wir wohl eben jenen gesperrten Weg gelaufen seien, von dem uns der Hotelbesitzer erzählt hatte. Damit hätten wir ein Gesetz verletzt und uns strafbar gemacht.
Ich habe mir in den sechs Wochen Kolumbien nie Sorgen gemacht – außer in diesem Moment. Und dass es keine dunkle Straßenecke, kein nächtlicher Heimweg, sondern ausgerechnet ein Wanderweg am helllichten Tag war, an dem es dazu kam, das stand nicht auf meiner Bingokarte.
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Wäre hier Bestechung angebracht gewesen?
Im Nachhinein bin ich mir fast sicher, dass wir das Problem mit etwas Bargeld schnell hätten lösen können. Es ist ein richtiges Klischee: das Bild der bestechlichen Polizisten in Lateinamerika, die sich durch eine entsprechende Menge Geld zu einer milderen Strafe überreden lassen. Aber ich hörte im Laufe unserer folgenden Reise immer wieder davon, dass es doch funktionierte. Nur waren wir in diesem Moment, mitten im Valle de Cocora, viel zu perplex und überfordert, um auch nur auf diese Idee zu kommen.
Nachdem die beiden Polizisten uns noch eine Weile aufgehalten, unsere Personalien notiert, Fingerabdrücke genommen und angewiesen hatten, am kommenden Montag nach der „Semana Santa“ zum Rathaus zu kommen, um dort weitere Anweisungen zu erhalten, durften wir schließlich gehen.
Das Problem: Zum Zeitpunkt unserer Wanderung war erst Donnerstag, wir mussten also noch ein ganzes Wochenende überstehen, ohne weiterreisen zu dürfen und ohne die Angst loszuwerden, vielleicht am nächsten Flughafen oder der Passkontrolle festgenommen zu werden.
Am Ende konnten wir das Ganze glücklicherweise klären. Wobei, „klären“ ist eigentlich zu viel gesagt. Denn als wir am Montag im Rathaus erschienen, hatte keiner der dort Arbeitenden je von diesem Vorfall gehört. Auch in der Datenbank für Straftaten tauchten wir nicht auf. Die Polizei hätte an uns wohl ein Exempel statuieren und uns Angst machen wollen, mutmaßten sie – und schickten uns nach Hause.
Das Ganze war wohl ein Vorfall, den wir so schnell nicht vergessen würden – doch glücklicherweise auch einer, der uns nicht die Ausreise verwehrte. Gerade nochmal Glück gehabt.