Peters-Projektion zeigt anderen Maßstab

Warum US-Schüler mit einer „neuen“ Weltkarte lernen

Auf der neuen Weltkarte werden die Flächen maßstabsgetreu dargestellt: Auf Kosten der Winkelgenauigkeit. Die Karte wird auch Peters-Projektion genannt, da sie auf den deutschen Historiker Arno Peters zurückzuführen ist.
Auf der neuen Weltkarte werden die Flächen maßstabsgetreu dargestellt: Auf Kosten der Winkelgenauigkeit. Die Karte wird auch Peters-Projektion genannt, da sie auf den deutschen Historiker Arno Peters zurückzuführen ist.
Foto: Getty Images

Wir betrachten die hierzulande für gewöhnlich gezeigte Weltkarte als selbstverständlich, allerdings sieht sie nur deshalb so aus, wie wir sie kennen, weil ihr Maßstab Europa ins Zentrum der Welt stellt. Die Bostoner Schulbehörde zeigt ihren Schülern aber eine andere Weltkarte, auf der Europa auf einmal viel kleiner, Afrika um einiges größer erscheint. Warum das so ist.

Bei vielen Reisesüchtigen hängt die Standardweltkarte im Zimmer: Sie geht auf den Belgier Gerhard Mercator zurück, der 1569 die bis heute gebräuchliche zweidimensionale Projektion des Erdballs entwickelte, die als „Mercator-Projektion“ bekannt wurde.

Denn bei der zweidimensionalen Darstellung einer gekrümmten Fläche kann man immer nur eine unvollständige Version der Wirklichkeit zeigen: Entweder man stellt Flächen und Abstände orginalgetreu dar, oder aber Winkel und Abstände. Alle drei Faktoren zugleich kann man zweidimensional nicht korrekt darstellen.

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Foto: dpa picture alliance

Schweden auf Mercator-Karte fast genauso groß wie Indien

Mercators Erdkarte zeigt somit maßstabsgetreu die Winkel und Abstände unserer Kontinente: Für die damalige Navigation und Schifffahrt ein gewaltiger Durchbruch. Der Preis dieser Darstellung war jedoch die Flächengenauigkeit. Da Mercator Europa als seine Heimat ins Zentrum der Karte rückte, wirkt unser Kontinent auf der üblichen Darstellung viel größer als er tatsächlich ist. Das gilt auch für die USA. Auch Schweden sieht auf der Mercator-Karte fast genauso groß aus wie Indien, dabei ist das skandinavische Land sieben Mal kleiner. Auch Afrika und Lateinamerika wirken auf der Mercatordarstellung viel kleiner, als sie es der Fläche nach wirklich sind.

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Andere Karte soll das Weltbild der Schüler ändern

Aus diesem Grund, so berichtet der britische „Guardian“, hat die Schulbehörde der US-amerikanischen Metropole Boston beschlossen, im Geografie-Unterricht auch mit alternativen Karten zu arbeiten, welche die Flächen der Kontinente richtig darstellen.

In Boston gibt es einen hohen Anteil von Kindern mit afroamerikanischem oder Latino-Hintergrund. Hayden Frederick-Clarke, ein Vertreter der Schulbehörde in Boston, sagte dem US-Radiosender WBUR  „Mehr als 80 Prozent unserer Schüler sind People of Colour. Die Karten, die ihnen gezeigt werden, lassen die Orte, von denen sie stammen, als klein und unwichtig erscheinen. Es scheint nur richtig, dass wir ihnen eine exaktere Darstellung geben.“

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„Neue“ Weltkarte geht auf deutschen Historiker zurück

Die „neue“ Weltkarte, die gar nicht so neu ist, soll in 125 Schulen mit rund 57.000 Schülern in Boston parallel zu der Mercator-Variante im Unterricht angewendet werden. Sie geht auf den 2002 gestorbenen deutschen Historiker Arno Peters zurück, der in den 1970er-Jahren eine nicht-eurozentristische Weltkarte entwickeln wollte. Ihm verdankt sie auch den Namen: Peters-Projektion.

Anders als Mercator ließ er auf Kosten der Winkelgenauigkeit die Abstände zwischen den Breitengraden zum Äquator hin anwachsen. Damit wirken die Kontinente auf seiner Karte zwar verzerrt und in die Länge gezogen, dafür sind die Flächengrößen realistischer als bei der Mercator-Karte.

In Boston sollen die Schüler im Unterricht beide Karten kennenlernen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, dass der Westen nicht das Zentrum der Welt ist, nur weil er auf westlichen Karten so dargestellt wird. Die ersten Reaktionen seien erstaunlich gewesen, zitiert der „Guardian“ eine Lehrerin. „Es war spannend zu sehen, wie die Schüler plötzlich infrage gestellt haben, was sie bisher zu wissen glaubten.“

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