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Baden mitten in der Wildnis

Der heiße Fluss von Hveragerði – Islands einzigartiges Naturwunder

Hveragerði
Nahe der isländischen Stadt Hveragerði gibt es einen heißen Fluss, in dem man baden kann. Wenig verwunderlich ist er längst eine TouristenattraktionFoto: picture alliance / James Morgan/robertharding | James Morgan

Eine knappe Autostunde von Reykjavík entfernt liegt die kleine Stadt Hveragerði. Von hier aus startet eine der faszinierendsten Wanderungen der Insel. Denn ganz in der Nähe befindet sich ein heißer Fluss, in dem man das ganze Jahr über baden kann. TRAVELBOOK-Autor Robin Hartmann war für Sie da.

Gute 40 Kilometer entfernt von Islands Hauptstadt Reykjavík findet sich eines der außergewöhnlichsten der an außergewöhnlichen Wundern nicht eben armen Insel. Denn in der Nähe der kleinen Stadt Hveragerði liegt das Reykjadalur-Tal, in dem die Natur ihre ganze Macht auf beeindruckende Weise offenbart. Überall blubbern hier heiße Quellen und Schlamm-Tümpel, steigt Wasserdampf wie Rauch direkt aus dem Erdinneren. Was den Ort aber zu einem Touristenmagnet gemacht hat, ist ein warmer Fluss, in dem man baden kann.

Als ich Island das erste Mal in Vor-Corona-Zeiten besuchte, hatte ich wirklich keine Ahnung, was für ein absoluter Outdoor-Rausch mich erwarten würde. Man kann hier quasi überall anhalten und atemlos staunen. Ob nun über rauschende Wasserfälle, mächtige Gletscher oder Strände mit schwarzem Vulkan-Sand, Island ist eines der beeindruckendsten Länder, die ich je gesehen habe. Es sollte eigentlich reichen zu erwähnen, dass ich (mit einem Mietwagen) innerhalb von fünf Tagen vom Flughafen aus keine 150 Kilometer weit gekommen bin. Und glücklicherweise war eines meiner Ziele auch der heiße Fluss nahe Hveragerði.

Der heiße Fluss von Hveragerði

Hveragerði
Der heiße Fluss von Hveragerði ist das ganze Jahr über bei Einheimischen wie auch Touristen sehr beliebtFoto: Getty Images

Zunächst wollte ich eigentlich die Blue Lagoon besuchen, Islands wohl weltweit einmalige Badeanstalt. Diese wird ebenfalls von geothermalen Quellen gespeist und ist für viele Island-Touristen DAS Muss bei einem Besuch auf der Insel. Entsprechend überfüllt war es dann aber auch bei meiner Ankunft, und zudem sind die Eintrittspreise für das durchschnittliche Portemonnaie doch durchaus happig. Hier muss es auch gewesen sein, als ich auf der Suche nach einer ruhigeren, naturnaheren Alternative in meinem Touristenführer auf den heißen Fluss von Hveragerði stieß.

Wer direkt vom Flughafen dorthin will, braucht mit dem Mietwagen vermutlich weniger als eine Stunde nach Hveragerði, von wo aus eine wunderbare Wanderung zu dem heißen Fluss startet. Diese ist laut der Seite „Guide to Iceland“ etwa drei Kilometer pro Strecke lang und dauert je nach Fitnesslevel etwa eine Stunde. Natürlich kann man aber auch länger unterwegs sein, denn die Natur hier zieht mit ihrer rauen Wildheit wohl jeden Besucher in ihren Bann.

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Wanderung der Superlative

Hveragerði
Das nördlich von Hveragerði gelegene Reykjadalur-Tal beeindruckt durch seine raue Natur Foto: picture alliance / R. Goldmann | Ralph Goldmann

Ganz Island ist ein Herd besonders starker geothermaler Aktivität, doch im Reykjadalur-Tal erscheint einem diese noch stärker. Wohin man auch schaut, steigen aus kleinen und großen Kratern in der Erde teils gewaltige Säulen heißen Wasserdampfes auf. Diese weisen auch den ohnehin nicht zu verfehlenden, weil einzigen befestigten Weg zum heißen Fluss von Hveragerði  – eine Genusswanderung der absoluten Superlative.

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An nennenswerte Steigungen oder sonstige Hindernisse auf der Strecke kann ich mich nicht erinnern. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich quasi ununterbrochen staunte. Überall entlang des Weges dampfen die heißen Wasser- und Schlammquellen, brodeln teilweise lautstark hörbar mit der Energie aus dem Erdinneren. Aufgrund von anhaltendem Regen war ich allerdings schon nach kurzer Zeit durchnässt, weshalb ich mich besonders auf mein Bad in dem heißen Fluss von Hveragerði freute.

Vorsicht, Gefahr!

Hveragerði
Überall auf der Wanderung blubbern heißet Quellen. Deren Dampf kann mitunter schon mal für Sichteinschränkungen sorgenFoto: picture alliance / All Canada Photos | JP Danko

Wer die Strecke nicht zu Fuß auf sich nehmen möchte, kann sich laut „Guide to Iceland“ auch auf Pferderücken dorthin bringen lassen. Für alle anderen heißt es, treffend wie selten: Der Weg ist (auch) das Ziel. Dieser führt durch eine karge, kaum bewachsene Hügellandschaft und ist relativ breit und daher gut gangbar. Das muss er auch sein, denn besonders bei gutem Wetter strömen die Besucher nur so zu dem heißen Fluss von Hveragerði. Selbst bei dem Mistwetter auf meiner Tour war die Strecke sehr gut besucht.

Im Reykjadalur-Tal dann ändert sich die Szenerie schlagartig, erwarten die fleißigen Wanderer grüne, von Wasserkörpern durchzogene Wiesen. Und wiederum die heißen Quellen, deren Dampfsäulen aus dem Boden aufsteigen. So faszinierend diese natürlichen Pools auch aussehen, sollte man sich ihnen jedoch nicht zu sehr nähern. Das Wasser hier ist mitunter fast kochend heiß  – wer versehentlich hineinfällt, riskiert ernsthafte Verbrennungen. Am besten, man genießt ihre Schönheit mit gebührendem Respekt und Abstand.

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Die coolste Badeanstalt der Welt

Spätestens, wenn man am heißen Fluss von Hveragerði ankommt, sind dann alle eventuellen Anstrengungen der Wanderung vergessen. Denn was hier vor einem liegt, ist wohl die coolste natürliche Badeanstalt der Welt. Wie aus einem Designerkatalog entsprungen ist der Fluss gesäumt von einer Art hölzernem Laufsteg, der einen sicheren Einstieg zum Baden garantiert. Sogar eine (offene) Umkleidekabine gibt es für die Gäste.

Ich bin dann auch sofort in den Fluss gesprungen und habe mich in seinem herrlich lauwarmen Wasser aufgewärmt. „Guide to Iceland“ zufolge wird dieses allerdings heißer, desto höher man am Gewässer entlang das Tal hinauf wandert. An zahlreichen Stellen ist der Fluss durch absichtlich platzierte Steine zu kleinen Pools aufgestaut, in denen es sich besonders komfortabel baden lässt. Bleiben kann man dann, solange man mag oder es eben aushält. Denn der heiße Fluss von Hveragerði hat natürlich keine Öffnungszeiten. Zudem ist der Besuch hier absolut kostenlos.

Junges Naturwunder

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Laut der Seite „Iceland Travel“ ist das Naturwunder noch ziemlich jung. Demnach begann die geothermale Aktivität rund um Hveragerði erst im Jahr 2008, nachdem ein starkes Erdbeben die Region erschüttert hatte. Die Erdwärme benutzen die Bewohner der Stadt aber nicht nur zum Baden, sondern auch zum Backen. Wer Hveragerði besucht, sollte das berühmte schwarze Brot probieren. Ich erinnere mich, mein Mietauto auf dem Parkplatz eines kleinen Einkaufszentrums am Stadteingang abgestellt zu haben, wo sich auch eine Bäckerei befand.

Und nicht nur mich hat der Besuch beim heißen Fluss von Hveragerði beeindruckt. Auch auf dem Portal Tripadvisor zeigen sich die User begeistert. Einer schreibt: „Überwältigend. Eine der schönsten und denkwürdigsten Erfahrungen, die ich auf Island erlebt habe.“ Ein zweiter meint: „Die besten heißen Quellen, die ich auf Island besucht habe.“ Ein dritter ergänzt: „Eine Erfahrung, wie man sie nur einmal im Leben macht.“

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