Perfekt für die Frühlingswanderung

Die 9 spektakulärsten Schluchten in Deutschland

Jahrtausendelang hat sich das Wasser in Gebirgen den Weg nach unten gebahnt und an manchen Stellen sind spektakuläre Schluchten mit rauschenden Bächen und skurrilen Felsen entstanden, die vor allem jetzt im Frühling zum Wandern einladen. TRAVELBOOK zeigt die neun schönsten Schluchten in Deutschland.

Schluchten und Klammen sind beeindruckend anzusehen, zeigen aber auch wie kraftvoll und gewaltig die Natur sein kann. Schluchten in Gebirgen entstehen, wenn Wasser, also Fluss- und Bachverläufe, kontinuierlich den Berg hinabfließt und sich so stetig seinen Weg durch das Gestein bahnt.

Klammen sind die extremere Variante. Dabei hat sich das Wasser mit solch einer Wucht förmlich durch die Felsen geschnitten, dass enorme Vertiefungen entstehen – teilweise stehen die Felsen an den umgebenden Wänden über. Die Voraussetzung für so eine Formation ist besonders hartes Gestein, das sich zwar von der Kraft des Wasser hat formen lassen, aber dennoch stabil genug ist, damit daraus solch beeindruckende Naturkonstruktionen entstehen können.

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In Deutschland haben sich über die Jahrtausende hinweg etliche Schluchten und Klammen ausgebildet und das nicht nur in der Alpen-Region, sondern häufig auch im Mittelgebirge, der Sächsischen und Fränkischen Schweiz sowie dem Schwarzwald. Naturliebhaber planen ihre Wanderstrecken mit Fokus auf in bestimmten Gebieten vorhandene Klammen und Schluchten. Viele Touristen besuchen auch gezielt nur die schönen Naturphänomene. Ein besonderes Erlebnis ist oft der Weg zur und durch die Schluchten. Teilweise mussten Holzstege und -wege angelegt werden, um die Täler für den Menschen zugänglich zu machen. Die schlängeln sich nicht selten abenteuerlich durch die Schluchten und Klammen. TRAVELBOOK zeigt 9 besonders lohnenswerte Ziele in Deutschland.

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Leutaschklamm

Die Leutaschklamm befindet sich in der süd-östlichsten Spitze von Bayern in Mittenwald, verläuft teilweise auch durch Österreich. Über den Wasserfallsteig, den Koboldpfad oder den Klammgeistweg gelangt man in die Klamm, die von teils 75 Meter hohen Falswänden eingeschlossen ist. Sie wurde bereits 1880 erschlossen – so früh wie keine andere Klamm in den deutschen Alpen. Mit 130 Jahren ist der Wasserfallsteig der älteste Pfad, der die Wanderer 200 Meter tief in die Klamm und schließlich zu einem 23 Meter hohen Wasserfall führt. Der Klammgeistweg führt die Besucher drei Kilometer lang durch die Gebirgswelt. Auf dem Weg durchquert man auch die sogenannte Geisterklamm, ein Teil der Leutaschklamm. Mit 1640 Metern ist die Leutaschklamm die längste erschlossene Klamm in den deutschen Kalkalpen.

Leutaschklamm in Mittenwald, Bayern

Die Wände, die die Leutaschklamm einschließen, werden an manchen Stellen bis zu 75 Meter hoch
Foto: Getty Images

Partnachklamm

Die Partnachklamm nahe Garmisch-Partenkirchen im Süden Bayerns ist 700 Meter lang und äußerst beliebt – 200.000 Besucher kommen im Jahr –, denn die Klamm ist sehr leicht begehbar. Wenig sportliche Menschen, aber auch Kinder können problemlos durch das Tal spazieren. Die Wanderung durch die Klamm ist auch nicht gefährlich und daher ist sie ganzjährig für Besucher geöffnet. Im Winter gefriert das sonst an den Wänden herablaufende Wasser zu langen Eiszapfen und die Schlucht erinnert an eine weiße Eislandschaft wie aus einem Märchen. Die Felswände, die das Wasser der Partnach in ihrem Tal einschließen, sind bis zu 86 Meter hoch.

Partnachklamm, Garmisch-Partenkirchen, Bayern

Die Partnachklamm im Süden Bayerns gehört zu den beliebsten Zielen in der Region
Foto: Getty Images

Höllentalklamm

Wem die Partnachklamm nicht genug ist, kann seine Wanderung bis zur Höllentalklamm fortsetzen. Auch sie liegt im Süden Bayerns, in der Zugspitzregion. Die Schlucht ist nur zu Fuß zu erreichen, aber der Weg durch die Klamm ist leicht begehbar und auch für Ungeübte geeignet. An manchen Stellen wird es bis zu 150 Meter tief. Als Besucher ist man von zerklüfteten hellen Felsen, vielen kleinen und größeren Wasserfällen und von kühlen Temperaturen, selbst im Sommer, umgeben. In der idyllisch gelegenen Höllentalangerhütte kann man eine kleine Pause genießen. Der Name der Klamm stammt nicht von „Hölle“, sondern eher von dem Bergriff „höhlen“ bzw. „aushöhlen“. Geformt wurde die Schlucht vom Regen- und Schmelzwassers des Hammerbach.

Höllentalklamm in Südbayern bei Garmisch-Partenkrichen

Die Höllentalklamm hat nicht mit „Hölle“ zu tun, sondern der Name stammt vom Begriff „(aus)höhlen“
Foto: Annette Schimanski

Breitachklamm

Johannes Schiebel nannte die Breitachklamm bei Oberstdorf (Bayern) „ein Naturdenkmal von wilder Schönheit“. Er lebte um 1900, war Pfarrer und wollte seiner Gemeinde etwas Gutes tun: Er forcierte die Erschließung der Breitachklamm, damit Einnahmen für das ärmliche Dorf erwirtschaftet werden konnten. Heute kann man zwischen rauschendem Wasser und bizarren Baum- und Felsformationen durch die Klamm wandern, bedenkenlos allerdings nur in den wärmeren Monaten – im Winter ist die Klamm oft gesperrt, da durch die Eisbildung auch immer die Gefahr von Steinschlag gegeben ist. In der kalten Jahreszeit ist sogar eine Fackelwanderung möglich. In der Breitachklamm wird es nie zu steil und wenn doch, kann man auf einen gut ausgebauten Weg ausweichen. Dafür wird sie mit bis zu 100 Meter besonders tief. Die Breitachklamm zählt zu den tiefsten Schluchten in Mitteleuropa. Ein Besuch vor Ort kann ein kleiner Teil einer langen Tour sein oder nur ein kurzer Spaziergang.

Breitachklamm nahe Oberstdorf in Bayern

Die Breitachklamm gehört zu den tiefsten Schluchten Mitteleuropas
Foto: Getty Images

Starzlachklamm

Die Starzlachklamm liegt bei Burgberg/Sonthofen im Allgäu und wurde im Jahr 1932 erschlossen. Sie ist eine sogenannte Nummulitenklamm. Der Begriff geht auf „nummus“, die lateinische Bezeichnung für Münze zurück. Tierreste in Kalkschalen erinnern in ihrer Form oft an Münzen und davon haben Geologen viele in der Klamm gefunden. Vor Millionen von Jahren wurden die Tiere einst im Meeresschlamm begraben. In der Starzlachklamm wurden auch Versteinerungen der seltenen Krabbe „Xanthopsis sonthofenensis“ gefunden. Eine Besonderheit hat die Klamm außerdem noch: Im Hochsommer kann man in die „Gumpen“ springen, kleinere beckenförmige Wasseransammlungen, die vom Bach in den Felsen geformt wurden. Auch diese Schlucht ist im Winter mitunter offiziell gesperrt – das kann bis in den April hinein dauern.

Starzlachklamm nahe Sonthofen im Allgäu in Bayern

Die Starzlachklamm lädt zum Wandern und im Sommer auch zum Baden ein
Foto: Getty Images

Wimbachklamm

Die Wimbachklamm im Nationalpark Berchtesgaden in Bayern ist nur 200 Meter lang, gilt bei Wanderern als besonders romantisch. Das Wasser verläuft hier durch sehr enge Felsformationen und gewinnt so an Geschwindigkeit. Es tost und rauscht, während man über die Holzstege und -brücken spaziert. Die Felsen sind steil und mit Moos bewachsen, Wasserfälle fließen daran herab. Am Ende einer Tour kann man noch das Wimbachschloss, das den Wittelsbachern gehörte, besuchen oder in der Wimbachhütte zu Abend essen.

Wimbachklamm in Bayern

Die Wimbachklamm gilt als besonders romantisch unter Wanderern
Foto: Getty Images

Bodetal

Das Bodetal hat sich über Jahrtausende hinweg durch den Harz in Mitteldeutschland gegraben. Das Tal ist insgesamt zehn Kilometer lang, aber genau genommen wird nur die Strecke zwischen Thale und Treseburg Bodetal genannt. Bereits 1820 wurden zwischen den Schluchten entlang der Warmen und Kalten Bode Wanderwege angelegt, 1937 wurde das Bodetal zum Naturschutzgebiet ernannt. Die Felsformationen sehen nicht ganz so zerklüftet aus wie in den Klammen und Schluchten im Süden Deutschlands. Im Bodetal sind die Felsen häufiger von Waldgebiet durchsetzt und es gibt weniger Wasserfälle, dennoch lohnt sich ein Spaziergang durch die Schlucht. Der in der Nähe von Thale gelegene Hexentanzplatz zieht vor allem zur Walpurgisnacht besonders viele Touristen an.

Jungfernbrücke im Bodetal im Harz, Sachsen-Anhalt

Das Bodetal ist eine beliebte Wanderstrecke und Schauplatz der Walpurgisnacht
Foto: Getty Images

Ehrbachklamm

Die Ehrbachklamm im Hunsrück in Rheinland-Pfalz erinnert ein wenig an Beschreibungen aus Märchen. Kein tobendes, rauschendes Gewässer, sondern ein eher sanfter Bach fließt über mit leuchtend grünem Moss bewachsene Gesteine. Besucher wandern über Holzstege und -brücken, aber auch über Wege, die in das Gestein geschlagen wurden. Von der Strecke kann man außerdem einen Abstecher zur ehemaligen Burg Rauschenberg machen, die heute nur noch eine Ruine ist. Wer eine etwas längere Wanderung auf sich nimmt, kann bis zur Ehrenburg wandern, die noch gut erhalten ist – und in der man auch übernachten kann.

DIe Ehrbachklamm in der Nähe von Oppenhausen Rheinland-Pfalz im Hunsrück

Die Ehrbachklamm in Rheinland-Pfalz erinnert ein wenig an ein Märchen
Foto: picture alliance

Kirnitzschklamm

Die Kirnitzsch bildet mitten im Elbsandsteingebirge die Grenze zwischen Sachsen und Böhmen. Besucher können die Kirnitzschklamm über mehrere Kilometer hinweg durchwandern, haben aber auch die Möglichkeit, auf einer Strecke von 800 Metern ein Boot zu nehmen. Ein Teil der Fahrgäste ist damit stets in Deutschland, der andere Teil in Tschechien. Die Kirnitzsch wird an dieser Stelle von steilen Felsen und viel Grün eingerahmt. So schön das Wasser auch schimmert, Baden ist nur etwas für hartgesottene Touristen, denn das Wasser ist ganz schön kalt.

Kirnitzschklamm im Elbsandsteingebirge, Sachsen

Die Kirnitzschklamm kann man bequem mit dem Boot durchqueren
Foto: Dpa picture alliance