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Infos für Reisende

Gefängnisstrafe droht – Großbritannien verschärft Corona-Einreiseregeln

London Großbritannien Einreise
Großbritannien hat seine Reiseregelungen erneut verschärft - Reisende müssen teilweise drei Coronatests vorlegenFoto: Getty Images

Nachdem in Großbritannien eine mutierte Version des Coronavirus aufgetaucht war, gerät die Lage dort immer mehr außer Kontrolle. Die britische Regierung hat jetzt erneut ihre Reiseregeln verschärft. Was das für Urlauber bedeutet, wie die Situation vor Ort ist und was Reisende sonst noch wissen müssen – die Infos im Überblick.

Großbritannien hat erneut seine Reisevorschriften verschärft. Reisende müssen ab Montag, dem 15. Februar 2021, drei Coronatests vorlegen: einen negativen bei der Ankunft, einen an Tag zwei und einen an Tag acht der zehntägigen Quarantäne, die direkt auf die Einreise folgt. Die PCR-Tests müssen vorab online gebucht werden. Für die Tests zahlen die Reisenden selbst. Das teilte nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur dpa der britische Gesundheitsminister Matt Hancock am Dienstag (9. Februar) in London mit. Ähnliche Regelungen sind auch in Schottland, Wales und Nordirland geplant.

Regelbrechern droht Gefängnisstrafe

Doch auch die Quarantäneregeln und Strafen wurden noch einmal verschärft. Schon vorher durften nur britische Staatsangehörige oder Personen mit Wohnsitz im Vereinten Königreich einreisen. Ab Montag müssen diese Einreisenden ihre Quarantänezeit im Hotel verbringen und auch selbst finanzieren. Der Quarantäneaufenthalt kostet pro Person laut dpa 1.750 Pfund (umgerechnet knapp 2.000 Euro).

Noch teurer wird es für diejenigen, die sich nicht an die Regeln halten. Wer die Tests nicht in Anspruch nimmt, riskiert ein Bußgeld von bis zu 2000 Pfund (rund 2280 Euro). Wer sich nicht an die Hotelquarantäne hält, muss mit bis 10.000 Pfund (knapp 11.400 Euro) Strafe rechnen. Und wer einreist und verschweigt, dass er in einem Risikogebiet war, geht mitunter für bis zu zehn Jahre ins Gefängnis.

Lockdown bis März

Der britische Außenminister Dominic Raab hatte am 17. Januar 2021 mitgeteilt, dass der harte Lockdown sich noch den kompletten Februar durchziehen werde. Er hoffe, dass man Anfang März über Lockerungen nachdenken könnte, berichtet unter anderem der „Independent“. „Wir wollen den Lockdown so schnell wie möglich beenden“, sagte Außenminister Dominic Raab demnach dem TV-Sender Sky News. Ab März sollte sich das Land hoffentlich in einer Lage befinden, die Entscheidungen dazu ermöglichten. Es könne natürlich nicht alles auf einmal gelockert werden, sondern müsse schrittweise geschehen, sagt Raab.

Einreiseverbot und Testpflicht für Touristen in Großbritannien

Die Corona-Lage in Großbritannien ist nach wie vor dramatisch, in keinem anderen Land in Europa sind so viele Menschen in Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben. Nachdem das Gesundheitssystem kurz vor dem Kollaps steht, hat das Land bereits Anfang des Jahres Einreisen aus touristischen Gründen in und nach Großbritannien und Nordirland untersagt.

Seit Mitte Januar gilt die Pflicht, bei „zwingend notwendigen Reisen“ einen negativen COVID-19-Test vorzuzeigen, der ab der Testentnahme und bis zur Einreise nicht älter als 72 Stunden sein darf. Ausnahmen von der Testpflicht gelten für Kinder bis zehn Jahren und Passagiere, die aus anderen Teilen des Vereinigten Königreichs einreisen. Grenzbeamte sollen kontrollieren, ob die Regeln eingehalten werden.

Wer eine zwingend notwendige Reise nicht verschieben kann, sollte beachten, dass für Reisende aus Deutschland eine zehntägige Quarantänepflicht gilt sowie die Pflicht, sich elektronisch anzumelden.

Beförderungsverbot von Großbritannien nach Deutschland

Durch die Coronavirus-Schutzverordnung vom 29. Januar 2021 gilt laut dem Auswärtigen Amt ein Beförderungsverbot im grenzüberschreitenden Eisenbahn-, Bus-, Schiffs- und Flugverkehr für Personen aus Virusvarianten-Gebieten nach Deutschland. Flugverbindungen und zum Teil Zug- und Fährverkehr sind stark reduziert.

Wer jedoch bereits in Großbritannien ist, kann auch wieder zurück. Laut Auswärtigem Amt sind deutsche Staatsangehörige sowie Reisende mit festem Wohnsitz in Deutschland von dieser Regelung ausgenommen. Die Flüge müssen die durchführenden Airlines einzeln von der Bundespolizei genehmigen lassen.

Ausgenommen sind außerdem Post- und Frachtverbindungen, Rückführungen von in Deutschland stationierten Flugzeugen und Crewmitgliedern sowie „Flüge mit medizinischem Personal im Interesse der öffentlichen Gesundheit“, heißt es in der entsprechenden Verfügung des Bundesverkehrsministeriums.

Wer aus Großbritannien kommt und nach Deutschland einreist, muss sich vorab online anmelden. Außerdem besteht eine zehntägige Quarantänepflicht sowie die Pflicht, den Nachweis eines negativen Covid-19-Tests mit sich zu führen.

Wie ist die Corona-Lage in Großbritannien?

Trotz des harten Lockdowns bewegen sich die aktuellen Corona-Fallzahlen in Großbritannien weiterhin auf extrem hohen Niveau. Verantwortlich dafür machen Regierung und Mediziner eine neue, wohl noch ansteckendere Virus-Variante. Aktuell gehen die Zahl jedoch etwas zurück. Aktuell hat das Vereinigte Königreich 14.104 neue Corona-Infektionen. Seit Beginn der Pandemie waren es 3,9 Millionen Fälle, 113.131 Menschen sind im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben (Stand: 8. Februar 2021).

„Die Zahl der Neuinfektionen ist nach Regierungsangaben sehr hoch, mit einer Überlastung des Gesundheitssystems muss gerechnet werden (Alert Level 5)“, teilt das Auswärtige Amt mit und erklärt das Land weiterhin zum Risikogebiet. Angesichts der unterschiedlichen Zählmethoden und Testverfahren innerhalb Großbritanniens und Nordirlands sei zudem eine „beträchtliche Dunkelziffer“ möglich.

Die Corona-Warnstufen in England

Seit Anfang Dezember gilt in England erneut ein Stufen-System der Eindämmungsmaßnahmen je nach Situation in der Region. Eine Übersicht über die Maßnahmen in den Regionen Englands finden Sie hier, die geltende Stufe je nach Postleitzahl können Sie auf dieser Seite der britischen Regierung nachschauen.

Stufe 1 („Mittel“):

  • Bis zu sechs Personen dürfen sich im Freien und in geschlossenen Räumen treffen. Ausnahmen gelten für Arbeitsstätten und Schulen. Hochzeiten sind bis maximal 15 Personen und Beerdigungen bis maximal 30 Personen erlaubt.
  • Geschäfte bleiben geöffnet.
  • Restaurants und Pubs schließen um 23 Uhr. Es gibt nur noch Tisch-Service.

Stufe 2 („Hoch“):

  • Bis zu sechs Personen dürfen sich im Freien treffen. Ausnahmen gelten für Arbeitsstätten und Schulen. Hochzeiten sind bis maximal 15 Personen und Beerdigungen bis maximal 30 Personen erlaubt.
  • Geschäfte bleiben geöffnet.
  • Restaurants und Pubs haben geöffnet, man darf sich in den Räumen aber nicht mit Personen treffen, die nicht zum eigenen Haushalt oder zur „support bubble“ gehören. Es gibt nur noch Tisch-Service.

Stufe 3 („Sehr hoch“):

  • Kein Kontakt zu anderen Haushalten in Privaträumen oder Privatgärten.
  • Im Freien (öffentliche Plätze, Parks, Strände etc.) dürfen sich maximal sechs Personen treffen. Ausnahmen gelten für Schulen und Arbeitsstätten. Hochzeiten sind bis maximal 15 Personen und Beerdigungen bis maximal 30 Personen erlaubt.
  • Geschäfte bleiben geöffnet.
  • Restaurants und Pubs dürfen nur noch take away und Lieferdienste anbieten.
  • Hallensport ist verboten.
  • Kinos, Theater, Museen bleiben geschlossen.
  • Hotels bleiben geschlossen.
  • Reisen, auch Tagesreisen, sollten unterbleiben.

Stufe 4 („Stay at home“):

  • In diesen Regionen darf das Haus nicht verlassen werden.
  • Treffen mit Personen innerhalb von Gebäuden sind untersagt, sofern diese nicht zum Haushalt oder zu einer bestehenden Unterstützungsgemeinschaft („support bubble“) gehören.
  • Treffen mit Personen im Außenbereich sind mit maximal einer Person gestattet.
  • Alle nicht essenziellen Geschäfte sind geschlossen.
  • Reisen: National und international sollen Reisen von Personen, die sich in Tier-4-Gebieten aufhalten, grundsätzlich unterbleiben. Urlaubsreisen sind weder innerhalb Großbritanniens noch ins Ausland erlaubt. Ausnahmen vom Reiseverbot gelten für „dringend notwendige“ Reisen. Beruflich zwingend notwendige Reisen sind erlaubt. Reisen zur Aufnahme oder Fortsetzung von Ausbildung, Erfüllung von Fürsorgeverpflichtungen oder medizinischer Versorgung können als „essential“ anerkannt werden.

Unabhängig von der jeweiligen Stufe gilt überall die Vorschrift, einen Mund-Nasen-Schutz in öffentlichen Verkehrsmitteln, Taxis, Supermärkten, Restaurants, Pubs und Geschäften zu tragen.

In Schottland gilt seit Anfang November ein fünfstufiges Maßnahmenpaket, die Restriktionen wurden jetzt ebenfalls verschärft. Details dazu finden Sie auf den Seiten der schottischen Regierung.

Neben der alarmierenden Corona-Situation gibt es für deutsche Reisende auch noch den Brexit zu bedenken. Hier finden Sie Informationen zu den Folgen des Brexits für Urlauber. Das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland ist seit dem 1. Februar 2020 nicht mehr Mitglied der Europäischen Union und Anfang 2021 offiziell ausgetreten.