An Palmas Stadtstränden schwimmt man in Fäkalien

Mallorca bekommt das Abwasserproblem nicht in den Griff

Palma de Mallorca
Der Strand von Palma ist nicht so sauber, wie er aussieht
Foto: Getty Images

Mallorcas Hauptstadt verfügt nur über zwei Kläranlagen: zu wenig für die Abwassermengen, die die ständig wachsende Zahl der Einwohner und Touristen verursacht. Sobald es regnet, kann eine der Anlagen das Schmutzwasser nicht mehr aufnehmen. Über mehrere Ableiter kommen die Fäkalien dann direkt in die Bucht von Palma – nur wenige hundert Meter vom Sandstrand entfernt. Wegen häufiger Wolkenbrüche wird das Baden an den Stränden derzeit ständig verboten.

Touristen zeigten sich mehr als angewidert, als sie dieser Tage in der Bucht von Palma de Mallorca menschliche Fäkalien und Toilettenpapier im Meer treiben sahen. Wie in einem auf dem Internetportal der britischen Boulevardzeitung „The Sun“ veröffentlichten Video zu sehen ist, schwammen die Fäkalien in unmittelbarer Nähe von Palmas größter Touristen-Attraktion, der Kathedrale „La Seu“. Touristen hätten sich außerdem im Kommentar-Bereich des Nachrichtenportals Crónica Balear darüber beschwert, dass das Meer stark nach Urin gerochen habe. Palmas Stadtstrände Can Pere Antoni und Ciutat Jardí seien erneut gesperrt worden, schreibt „The Sun“.

Erst kürzlich musste an den Stränden nach einem heftigen Gewitter dreimal innerhalb einer Woche die Rote Flagge gehisst werden: Baden war aufgrund der großen Menge Abwasser im Ozean nicht möglich. Außerdem riet die Stadtverwaltung auch davon ab, an den Stränden von Son Parera und Molinar zu baden.

Die Ableiter der veralteten Kläranlage EDAR2 bei Coll d’en Rabassa befinden sich laut Berichten des ZDF und der „Mallorca Zeitung“ an den Mündungen der Bäche Na Barbara, Gros und Sa Riera. Die Verschmutzung betrifft damit vor allem häufig die Strände Playa de Can Pere Antoni und Ciutat Jordí. Die spanische Initiative Mallorca Blue zum Schutz des Meeresraums teilt über ihre Facebook-Seite immer wieder Videos, die zeigen, dass mit den Fäkalien auch Kondome, Damenbinden, Medikamente und Müll aus Privathaushalten ungefiltert ins Meer strömen (zu sehen am Ende des Videos):

An den Stadtstränden Can Pere Antoni und Ciutat Jardí von Palma müssen Besucher laut Angaben des „Mallorca Magazins“ in den nächsten fünf Jahren noch mit verunreinigtem Meerwasser rechnen. Das habe die Chefin des kommunalen Reinigungsbetriebes, Neus Truyol, mitgeteilt.

Im Oktober soll der Bau eines lange geplanten Rückhaltebeckens angetrieben werden. Die Arbeiten würden 22 Monate dauern. Sie sollen nach Regenfällen das Fäkalwasser reduzieren, das ins Meer fließt. Völlig verhindern könne man diesen Prozess allerdings nicht.

Kläranlage auch ohne Regen außer Takt

Das Problem liegt den Berichten zufolge nicht nur an der Anlage von Palma, sondern an der gesamten Stadtkanalisation. In vielen Teilen der Stadt gibt es demnach keine getrennten Rohre für Regen- und Abwasser. So komme es zu der permanenten Überlastung der Anlage. Auch ohne Regen scheint die Kläranlage jedoch völlig außer Takt zu sein: Nach der Recherche der „Mallorca Zeitung“ kann sie auch bei normalem Wasserstand nur einen Teil des Wassers in einer biologischen Reinigungsstufe klären, die von der EU vorgeschrieben ist.

Dennoch ist kein permanentes Badeverbot für den Strand von Palma ausgesprochen worden. Nur im Fall stark erhöhter Werte, zum Beispiel von Fäkalien-Bakterien, verordnen die Behörden die Hissung von roten Flaggen, die ein temporäres Badeverbot signalisieren. Die Mallorquinerin Aina Barceló sagt jedoch: „Die wenigsten, wissen, was die roten Flaggen bedeuten.“

Laut der „Mallorca Zeitung“ sind auch an anderen Orten von der Inselküste Kläranlagen in einem desolaten Zustand. Eine positive Ausnahme ist wohl die Wasserqualität bei Arenal, sowie bei der Kläranlage von Alcúdia.

Diese Strände auf Mallorca sind besonders sauber

Zu dem Abwasser kommt die Plastikverschmutzung

Die Lokalregierung steht zu dem Problem. Neus Truyol, die Leiterin der Stadtwerke von Palma gibt zu: „Jedes Mal, wenn es regnet, sind die Klärwerke überlastet. Sie können nicht all das Regenwasser aufnehmen, und so mischt es sich mit dem Abwasser der Haushalte“, erläutert sie. Palma will mit Investitionen in Millionenhöhe die Kläranlagen ausbessern und vergrößern. Außerdem soll laut spanischen Medien der Zeitplan für die Aufwertung der Anlagen gestrafft werden und eine zusätzliche Kläranlage gebaut werden. Bis diese Änderungen jedoch umgesetzt werden, werden mindestens noch drei bis vier Jahre vergehen.

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Die Kanalisation und mangelnde Wasserfilterung sind außerdem nicht das einzige Problem der Stadt: Bereits Anfang dieses Monats verlor der Strand von Palma das Hygienesiegel der blauen Flagge: wegen zu hoher Plastikverschmutzung. Auf einen halben Liter Meereswasser kommen bis zu 1000 kleine Plastikpartikel. WWF-Sprecherin Britta König bestätigte TRAVELBOOK, dass der gesamte Mittelmeerraum von der hohen Plastikbelastung betroffen ist: Ganze sieben Prozent des globalen Mikroplastiks befinden sich trotz seiner vergleichsweise geringen Größe im Mittelmeer. Dagegen will Mallorca nun aber etwas unternehmen: Ein aktueller Gesetzesentwurf will auf der Insel schon 2019 die Verwendung von Kaffeekapseln, Strohhalmen, Einwegbesteck und Pappteller in Restaurants, Hotels und im Einzelhandel verbieten. Das Gesetz muss jedoch noch vom Parlament verabschiedet werden.