Anwohner und Hoteliers gehen auf die Barrikaden!

Mallorca bekommt das Abwasserproblem einfach nicht in den Griff

Mallorca Abwasserproblem
Bei Regen sind die Klärwerke von Palma schnell überfordert und ungeklärte Abwässer der Balearenhauptstadt fließen direkt ins Meer (Archivbild von 2018)
Foto: dpa Picture Alliance

Mallorcas Hauptstadt verfügt nur über zwei Kläranlagen, zu wenig für die Abwassermengen, die die ständig wachsende Zahl der Einwohner und Touristen verursacht. Sobald es regnet, kann eine der Anlagen das Schmutzwasser nicht mehr aufnehmen. Über mehrere Ableiter kommen die Fäkalien dann direkt in die Bucht von Palma – nur wenige hundert Meter vom Sandstrand entfernt. Schon 2018 waren Strände mehrfach gesperrt worden – und auch dieses Jahr hat sich nichts an der Situation verbessert.

Wie das örtliche Onlineportal „Mallorca Diario“ schreibt, forderten Hoteliers und Anwohner in Palma eine sofortige Lösung für das Abwasserproblem, nachdem vergangene Woche die Stadtstrände Can Pere Antoni und Ciutat Jardí aufgrund von Verschmutzung erneut hatten gesperrt werden müssen.

Der Präsident der Union der Bezirke der Stadt Palma, Miquel Obrador, erklärte nachdrücklich: Wegen der „Faulheit und Schlamperei“ der Verantwortlichen hätten in Palma Einwohner und Touristen jedes Mal Angst, baden zu gehen, wenn es geregnet hat, weil das Wasser wieder kontaminiert sein könnte. Obrador forderte die Stadtverwaltung auf, „statt Worten Taten folgen zu lassen“.

Auch die Hoteliersvereinigungen in Palma de Mallorca und an der Playa de Palma forderten von der Stadtverwaltung „sofortige Lösungen“ für die „unkontrollierten Abwassereinleitungen“ in der Bucht von Palma, wie die „Mallorca Zeitung“ schreibt. Es habe zahlreiche Beschwerden von Gästen gegeben, und die Badeverbote schadeten dem Image der Inselhauptstadt massiv.

Fäkalien und Uringestank

Bereits 2018 hatten sich Touristen mehr als angewidert gezeigt, als sie nach Regenfällen in der Bucht von Palma de Mallorca menschliche Fäkalien und Toilettenpapier im Meer treiben sahen. In Videos war zu sehen, dass die Fäkalien in unmittelbarer Nähe von Palmas größter Touristen-Attraktion, der Kathedrale „La Seu“, schwammen. Touristen hatten sich außerdem beschwert, dass das Meer stark nach Urin rieche.

Die Ableiter der veralteten Kläranlage EDAR2 bei Coll d’en Rabassa befinden sich laut Berichten des ZDF und der „Mallorca Zeitung“ an den Mündungen der Bäche Na Barbara, Gros und Sa Riera. Die Verschmutzung betrifft damit vor allem häufig die erwähnten Strände Playa de Can Pere Antoni und Ciutat Jordí. Die spanische Initiative Mallorca Blue zum Schutz des Meeresraums teilt über ihre Facebook-Seite immer wieder Videos, die zeigen, dass mit den Fäkalien auch Kondome, Damenbinden, Medikamente und Müll aus Privathaushalten ungefiltert ins Meer strömen.

Der Bürgermeister von Palma wies die Kritiker laut „Mallorca Zeitung“ darauf hin, dass ein lange geplantes Rückhaltebecken bereits im Bau sei. Allerdings sollen die Bauarbeiten ingesamt zwei Jahre dauern. Zudem versprach er, dass man ein Treffen mit dem spanischen Umweltminister beantragen werde, damit die Regierung den Bau einer neuen Kläranlage vorantreibt.

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Kläranlage auch ohne Regen außer Takt

Das Problem liegt den Berichten zufolge nicht nur an der Anlage von Palma, sondern an der gesamten Stadtkanalisation. In vielen Teilen der Stadt gibt es demnach keine getrennten Rohre für Regen- und Abwasser. So komme es zu der permanenten Überlastung der Anlage. Auch ohne Regen scheint die Kläranlage jedoch völlig außer Takt zu sein: Nach der Recherche der „Mallorca Zeitung“ kann sie auch bei normalem Wasserstand nur einen Teil des Wassers in einer biologischen Reinigungsstufe klären, die von der EU vorgeschrieben ist.

Dennoch ist bislang kein permanentes Badeverbot für den Strand von Palma ausgesprochen worden. Nur im Fall stark erhöhter Werte, zum Beispiel von Fäkalien-Bakterien, verordnen die Behörden die Hissung von roten Flaggen, die ein temporäres Badeverbot signalisieren. Die Mallorquinerin Aina Barceló sagt jedoch: „Die wenigsten, wissen, was die roten Flaggen bedeuten.“

Weitere Strände auf Mallorca betroffen

Nicht nur Palma ist von verunreinigtem Wasser betroffen: Untersuchungen der spanischen Umweltorganisation „Ecologistas en acción” hatten vor Kurzem ergeben, dass auch die Wasserqualität an den Stränden der Bucht von Alcúdia schlecht ist. Die Strände von Son Bauló und Can Picafort wurden besonders negativ bewertet und mit der „Schwarzen Flagge“ gekennzeichnet. Auch dort ist eine veraltete Kläranlage ursächlich für das Abwasserproblem.