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Norwegen

Pyramiden – die nördlichste Geisterstadt der Welt

Pyramiden, Norwegen
Pyramiden liegt am Fuße des Billefjords auf Spitzbergen und ist nach dem gleichnamigen pyramidenförmigen Berg hinter der Stadt benanntFoto: Getty Images

In der Stadt Pyramiden auf dem norwegischen Archipel Spitzbergen lebten einst mehr als 1000 Menschen. Heute ist die Siedlung verlassen, doch die Gebäude sind so gut erhalten, dass es fast wirkt, als sei die Zeit stehengeblieben. TRAVELBOOK erzählt die Geschichte der nördlichsten Geisterstadt der Welt.

Es waren reichhaltige Kohlevorkommen, die die Menschen einst so weit hoch in den Norden zogen. Die ersten waren die Schweden, sie gründeten im Jahr 1910 am Fuße des Berges Pyramiden die gleichnamige Siedlung. Wie auf „Visit Svalbard“, dem offiziellen Tourismusamt von Spitzbergen, nachzulesen ist, wurden die Kohleabbaurechte 1920 an die Sowjets verkauft.

In den Folgejahren machten die Sowjets aus dem Ort die damals größte Siedlung auf Spitzbergen, errichteten Wohnhäuser, eine Schule, einen Kindergarten, eine Tankstelle, ein Restaurant und sogar ein Hotel. Zeitweise lebten und arbeiteten in Pyramiden mehr als 1000 Menschen.

Sinkende Kohlepreise und ein Flugzeugabsturz

53 Jahre lang war die Mine durchgehend in Betrieb. Doch dann sanken die Kohlepreise und der Abbau in der Bergmine gestaltete sich zunehmend schwierig und teuer. Zu der Entscheidung, die Mine zu schließen, trug außerdem ein tragisches Flugzeugunglück im Jahr 1996 bei: Am 29. August zerschellte ein aus Russland kommendes Charter-Flugzeug beim Landeanflug auf Spitzbergens Hauptstadt Longyearbyen an einem Berg, alle 141 Insassen starben. Bei den Opfern handelte es sich größtenteils um Minenarbeiter aus Russland und der Ukraine, die auf dem Weg zu ihrem Arbeitsplatz in Pyramiden waren.

1998 war das Ende der Mine und damit auch des Ortes Pyramiden endgültig besiegelt. Die letzten Bewohner verließen die Stadt im Jahr 2000, Pyramiden wurde, so schreibt „Spiegel Online“, zur nördlichsten Geisterstadt der Welt. Sechs Jahre lang war die Siedlung Stürmen, Schnee und Kälte ausgesetzt und verfiel zunehmend.

Pyramiden, Spitzbergen
Erst wenige Jahre vor dem Verlassen der Siedlung waren die Gebäude in Pyramiden nochmal saniert worden, was ihren immer noch guten Zustand erklärtFoto: Getty Images

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Wie eine Zeitreise

Doch dann entdeckte man das touristische Potenzial der einstigen Bergbaustadt, die rund 50 Kilometer nördlich von Longyearbyen an einem Fjord nahe dem Nordenskiöld-Gletscher liegt. Inzwischen leben laut „Visit Svalbard“ in den Sommermonaten wieder acht Menschen in Pyramiden, kümmern sich um die Instandhaltung der Häuser und Straßen und bieten geführte Touren für Touristen an. Auch das Hotel hat nach einer Sanierung im Jahr 2014 wieder geöffnet.

Wer Pyramiden heute besuche, fühle sich wie mit einer Zeitmaschine zurückversetzt in die Zeit der Sowjets, schreibt das Tourismusamt auf seiner Webseite. „Als die Mine geschlossen und die Siedlung aufgegeben wurde, scheinen alle überstürzt abgereist zu sein. Auf den Tischen standen Tassen, Zeitungsausschnitte hingen an den Wänden und Skier standen in den Korridoren.“ Und noch immer wacht Lenin in Form einer Büste am zentralen Platz der Stadt über die Gebäude.

Pyramiden, Spitzbergen
Ein Musikzimmer in der Schule der verlassenen Bergarbeitersiedlung. Die Einwohner haben bei ihrer Abreise vieles zurückgelassen.Foto: dpa Picture Alliance

Infos für Besucher der nördlichsten Geisterstadt

Wer Pyramiden besuchen möchte, kann dies im Rahmen von geführten Touren von Longyearbyen aus tun, im Sommer mit dem Boot, im Winter mit dem Schneemobil. Diese Ausflüge beinhalten eine Führung durch die Siedlung und es ist möglich, einige der Gebäude zu betreten. Eine Nacht im Pyramiden-Hotel kostet je Doppelzimmer mit eigenem Bad umgerechnet knapp 180 Euro, das Frühstück ist inbegriffen. Auch ein Restaurant gibt es im Hotel.

Pyramiden auf der Karte

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