Zum Inhalt springen
logo Deutschlands größtes Online-Reisemagazin
Welt ohne Sonne

Das verlassene Unterwasserdorf, in dem einst Menschen lebten

Das Unterwassserdorf Habitat Precontinent II zerfällt am Grund des Roten Meeres
Taucher an Unterwasserstation Precontinent II von Jacques-Yves Cousteau Foto: picture alliance / Franco Banfi/WaterFrame
Artikel teilen
TRAVELBOOK Logo
TRAVELBOOK Redaktion

10. August 2025, 8:37 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Eine raumschiffartige Kapsel verfällt unter Algenranken und Korallen, verwitterte Haikäfige haben sich tief in den Meeresboden gegraben. Mitten im Roten Meer liegen die Ruinen eines Unterwasserdorfes, dessen Geschichte völlig in Vergessenheit geraten ist.

1962 wurde Society 35 Kilometer von der sudanesischen Küste entfernt die Menschensiedlung Précontinent I auf dem Grund des Roten Meeres gebautUm dieses Experiment zu finanzieren, überredete der Franzose die nationale Petroleumbehörde Frankreichs, seine Forschungen zu sponsern. Cousteau entwickelte drei verschiedene Unterwasser-Habitate, die an verschiedenen Stellen der Weltmeere installiert wurden. Nur das zweite dieser Projekte ist heute noch sichtbar: Die ein Jahr später installierte Précontinent II.

Habitat Précontinent II
Eine Taucherin erkundet die Überreste der Unterwassersiedlung Foto: picture alliance / Prisma | Dirscherl Reinhard

Platz für mehrere Menschen

Die Siedlung bestand laut dem Bericht der Cousteau Society aus mehreren Gebäudekomplexen. Die Kapsel war einst das sogenannte Seestern-Haus. Es beinhaltete Schlafgelegenheiten, einen Wohn- und Essraum, sanitäre Einrichtungen und einen Raum zur Tauchvorbereitung. Die Konstruktion ruhte auf zwei Meter langen Teleskop-Beinen. Sie konnten dem Untergrund angepasst werden. Hier wohnten mehrere Ozeanografen, Cousteau und seine Frau.

Vom Seestern gingen mehrere Räume ab, in denen noch einmal bis zu acht Taucher wohnen konnten. Der daneben gelegene „Seeigel“ wurde als Garage für ein U-Boot genutzt. Dieses konnte man bis zu einer Tauchtiefe von 300 Metern einsetzen. Nördlich davon lag ein Geräteschuppen, in dem Scooter und Flaschen aufbewahrt waren. Über das gesamte Gelände verteilt waren in den unterschiedlichsten Tiefen Haikäfige aufgestellt.

Mehr zum Thema

Die Forscher nannten sich Aquanauten

Den Aufbau und Alltag im Habitat schilderte Cousteau in seinem 1964 erschienenen Film Le monde sans soleil (franz. für Welt ohne Sonne). Ziel der Forschungen war es, die Crew vier Wochen lang auf einer Tiefe von zehn Metern zu stationieren, wo sie ein Gemisch aus Luft und Helium zum Atmen nutzten. Man wollte beweisen, wie gut Menschen unter Wasser leben konnten und die Funktion verschiedener Unterwasser-Werkzeuge testen. Außerdem sammelten die Forscher Fische und andere Meerestiere, um sie zu untersuchen und später auszustellen. Die Précontinent-Bewohner nannten sich selbst „Aquanauten.“

Auch interessant: Dieses Postamt liegt unter Wasser

Das U-Boot der Précontinent II
Das U-Boot der Précontinent II Besatzung Foto: picture alliance / UPI

60 Mitarbeiter überwachten die Mission an Land. Verpflegung wurde von Kurieren zum Habitat gebracht. Zudem kam ein Arzt regelmäßig zur medizinischen Untersuchung der Besatzung. Ein Teil der Crew blieb einen ganzen Monat lang unter Wasser.

Bau einer weiteren Siedlung – aber ohne Cousteau

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Mission Précontinent II baute das Team 1965 noch eine weitere Siedlung nahe der französischen Hafenstadt Nizza. Dieses Mal jedoch forderte die Petroleumbehörde, dass es bei diesem Projekt mehr um die Erschließung von Erdöl-Förderungsmöglichkeiten als um wissenschaftliche Forschung gehen müsse. Da beschloss der mittlerweile zum Umweltschützer gewordene Cousteau, aus dem Deal auszusteigen, und konzentrierte sich den Rest seines Lebens auf den Schutz der Weltmeere. Seit Cousteaus Ausstieg gerieten die Habitate in Vergessenheit. 

Mapcreator Platzhalter
An dieser Stelle findest du Inhalte von Drittanbietern
Um mit Inhalten von Drittanbietern zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir geschrieben, dass man die Überreste von Précontinent II im Rahmen von Tauchtouren verschiedener Anbieter besuchen könne. Dies ist aktuell nicht mehr der Fall, und das Auswärtige Amt warnt aufgrund militärischer Auseinandersetzungen in dem Land ausdrücklich vor Reisen in den Sudan. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.