11.000 Meter unter dem Meeresspiegel!

Bald kann man zum Marianengraben tauchen – dem tiefsten Punkt der Weltmeere

Karte vom Marianengraben
Der Marianengraben liegt etwa 2000 Kilometer östlich der Philippinen und ist circa 2400 bis 2500 Kilometer lang
Foto: Screenshot Google Earth

Bislang ist es nur vier Menschen gelungen, zum tiefsten Punkt der Ozeane hinabzutauchen, darunter auch „Titanic“-Regisseur James Cameron. Schon bald soll erneut eine Expedition zu der 11.000 Meter unter dem Meeresspiegel gelegenen Tiefseerinne stattfinden. Das Besondere: Neben mehreren Forschern dürfen auch drei Privatpersonen mit an Bord des speziellen Forschungs-U-Bootes.

Der Marianengraben im westlichen Pazifischen Ozean zählt zu den wenigen Orten auf der Erde, die bislang kaum erforscht wurden. Der Grund ist offensichtlich, ist er doch mit etwa 11.000 Kilometern die tiefste bekannte Stelle der Weltmeere. Um so tief zu tauchen, bedarf es spezieller Tauchboote, die dem enormen Druck in der Tiefe standhalten müssen.

Zuletzt war es laut einem Bericht von „Spiegel“ dem Abenteurer Victor Vescovo vor rund einem Jahr gelungen, mit dem U-Boot „Limiting Factor“ 10.928 Meter unter der Wasseroberfläche auf dem Meeresgrund aufzusetzen und damit den bisherigen Tiefenrekord zu toppen. Dieser hatte bei „nur“ 10.912 Metern gelegen und war bereits 1960 von den Ozeanographen Don Walsh und Jacques Piccard aufgestellt worden.

Mit eben jenem U-Boot, mit dem Vescovo seinen Weltrekord aufstellte, soll im kommenden Juni erneut eine Expedition zum Marianengraben stattfinden. Durchgeführt wird sie, wie der „Lonely Planet“ schreibt, von Eyos Expeditions, einem Veranstalter, der Abenteuer-Expeditionen zu den entlegensten Orten der Welt organisiert.

Tiefsee-U-Boot „Limiting Factor“

Das Tiefsee-U-Boot „Limiting Factor“ ist schon mehrfach zum Marianengraben hinabgetaucht
Foto: https://fivedeeps.com

So soll die Expedition zum Marianengraben ablaufen

Wie Eyos in einem Blog-Post ankündigte, soll der Tauchgang zum tiefsten Punkt der Weltmeere im Rahmen einer sechsmonatigen Expedition zum Pazifischen Feuerring stattfinden. Das Forscherteam hat demnach während des Tauchgangs Platz für drei Personen, sogenannte „Missionsspezialisten“, die sich der Gruppe von Wissenschaftlern und Experten auf der Insel Guam (US-amerikanisches Außengebiet in Mikronesien) anschließen werden.

Wie genau die drei Mitreisenden ausgewählt werden, sagte Expeditionsleiter Rob McCallum auf Nachfrage von TRAVELBOOK nicht, allerdings seien potenzielle Kandidaten herzlich eingeladen, sich per E-Mail zu bewerben.

Wie hält das U-Boot dem Druck stand?

Das U-Boot „Limiting Factor“, das von Caladan Oceanic entwickelt wurde, ist bereits fünfmal auf den Grund des Marianengrabens getaucht und wurde laut Eyos in einer Testkammer auf 14.000 Meter Tiefe druckgetestet. „Die Insassen des Tauchboots sind vollständig durch die 90 Millimeter dicke Titankugel geschützt und werden keinerlei Druckveränderungen oder physiologische Belastungen verspüren“, so Eyos. Ein spezielles Training sei für drei Personen, die mit an Bord dürften, nicht notwendig.

Diese Aufnahme entstand im Jahr 2016 und zeigt zwei Tiefsee-Schlote auf dem Grund des Marianengrabens
Foto: Thom Hoffman/ Schmidt Ocean Institute/dpa

Was erwartet die Teilnehmer während des Tauchgangs?

Die „Limiting Factor“ ist dem Veranstalter zufolge mit bequemen Sitzen, mehreren Sichtöffnungen und hochauflösenden Surround-Kameras ausgestattet. Das Innere des U-Bootes sei „ruhig, friedlich und sehr entspannend“. Unterwegs seien die drei Mitreisenden voll integrierte Mitglieder des Teams und hätten die Möglichkeit, mit den Ozeanographen, Tauchtechnikern und der Filmproduktion zusammenzuarbeiten, die unterwegs Messungen durchführen, Proben vom Meeresgrund sammeln und neue Aufnahmen der Umgebung machen sollen.

Und was, wenn die Teilnehmer während des bis zu 14 Stunden dauernden Trips mal müssen? „Eine Toilette gibt es nicht an Bord“, sagt Expeditionsleiter McCallum dazu zu TRAVELBOOK. „Aber dafür haben wir ‚Pipi-Beutel‘“.

 

Wie viel kostet der Spaß?

Wer beim Tauchgang zu tiefsten Punkt der Weltmeere dabei sein will, muss tief in Tasche greifen. 750.000 Dollar, also umgerechnet knapp 690.000 Euro, kostet der Trip pro Person. Aber man dürfe nicht vergessen, so McCallum, dass bislang mehr Menschen auf dem Mond gewesen seien als am Ozeangrund in 11.000 Meter Tiefe.

Was, wenn jemand unterwegs Platzangst bekommt?

Stundenlang unter Wasser in einem engen Gefährt, etliche Kilometer von der Meeresoberfläche entfernt – da könnte einem schon mal mulmig werden. „Wir hatten dieses Problem zum Glück noch nie“, sagt McCallum. „Aber sollte es ein medizinisches Problem geben, würden wir den Tauchgang abbrechen und zur Oberfläche zurückkehren.“ Was, wie wir inzwischen wissen, bis zu vier Stunden dauern kann…