17. August 2026, 6:39 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten
Gelegen am Fuß des legendären Berges Schneekoppe, ist der winzige Ort Pec pod Sněžkou, zu Deutsch Petzer, im tschechischen Riesengebirge ein absolutes Paradies für Wanderfreunde und Erholungssuchende gleichermaßen. TRAVELBOOK-Autor Robin Hartmann war für Sie mehrere Tage hier und in der Umgebung wandern und verrät, wo Sie deftig essen können, wo es die besten alkoholfreien Cocktails gibt und warum der Name des Dorfes übersetzt „Ofen“ bedeutet.
Ein wunderschöner Sommertag Ende Juni, die Sonne brüllt geradezu vom beinahe wolkenlosen Himmel, und mein Herz schlägt höher, weil ich mal wieder ein kleines Paradies entdeckt habe. Hinter mir liegt eine sehr entspannte Wanderung durch das Nirgendwo des tschechischen Riesengebirges, und zu meinen Füßen erscheinen jetzt hinter dicht bewaldeten Hügeln die ersten Häuser des Mini-Ortes Pec pod Sněžkou. Die frische, würzige Bergluft empfängt, ja umfängt mich, jetzt noch die letzten Schritte zu meiner Unterkunft in der Berghütte „Koula“, und schon kann eine erste Entdeckungstour durch das kleine Märchendorf beginnen.
Zugegeben, es ist eher ein modernes Märchen, Pec pod Sněžkou ohne Zweifel ein sehr moderner kleiner Bergort, zugeschnitten nicht nur auf Wanderer wie mich mit eher kleinem Budget, sondern auch auf zahlungskräftige Urlauber aus ganz Europa. Viele Glasfassaden an den Restaurants und Hotels, teures Holz, die einmalige Lage des Ortes spült das ganze Jahr über ordentlich Geld in die Kassen der Einheimischen. Als ich einen von ihnen darauf anspreche, ob hier nicht ein altehrwürdiger Bergort in eine Art Vergnügungspark verwandelt werde, antwortet er nur achselzuckend: „Ach was, Tourismus gibt es hier bei uns schon seit über 150 Jahren.“ Denn Petzer kann mit einem wahren Naturtrumpf aufwarten.
Ein eiskaltes Bad
Wahrscheinlich der Hauptgrund, warum so viele Urlauber hierherkommen, ist die Schneekoppe. Mit gut 1600 Metern der höchste Berg Tschechiens, auch wenn die Hälfte des Gipfels im benachbarten Polen liegt. Und von Pec pod Sněžkou aus kann man den sehr gut begehbaren Fels nicht nur zu Fuß erstürmen, sondern auch auf einer spektakulären Fahrt mit der örtlichen Seilbahn befahren. Gute zehn Minuten dauert das Ganze, bombastische Ausblicke auf das weite Land inklusive, dann ist man oben, am höchsten Punkt des Landes, gefühlt on top of the world.
Mich zieht es als Naturfreund jedoch erst einmal an einen anderen Ort, nämlich die Ufer des Gebirgsflusses Aupa. Knapp 80 Kilometer fließt und mäandert dieser durch das tschechische Riesengebirge, und durchzieht Pec pod Sněžkou wie ein blaues, klares Band. An seinen schattigen Ufern haben es sich bereits zahlreiche andere Gäste gemütlich gemacht, viele mit Kind und Hund. Ein Bad in der Aupa verspricht aufgrund der Eiseskälte des Wassers besonders an heißen Tagen eine wunderbare Erfrischung. Einige Mutige springen von der hölzernen Brücke über den Fluss, ich lasse mich lieber sanft hinein gleiten und dümpele dann einige herrliche Minuten lang in dem Nass wie ein zufriedener Karpfen.
Auch interessant: Die schönsten Flüsse und Wasserfälle im Harz
„Ofen unter der Schneekoppe“
Kaum hat die Sonne mich getrocknet, springe ich noch einmal rein, und so geht das eine sorglose Stunde lang, bis ich Hunger bekomme. Beim Thema Kulinarik hat man in Pec pod Sněžkou wirklich eine reichhaltige Auswahl, und ich entscheide mich für das hervorragende „Útulna“, im Netz laut einem Freund das am besten bewertete Restaurant am Ort überhaupt. Mit der tollen Aussicht auf die steilen grünen Hügel, die das Dorf umgeben, schmeckt der hausgemachte Hackbraten noch besser. Danach ein starker Eiskaffee, und schon habe ich Kraft für das nächste Abenteuer, den Gipfelsturm auf die Schneekoppe.
Doch zunächst einmal ein kleiner Ausflug in die Geschichte des Ortes Pec pod Sněžkou. Vor allem eine Frage beschäftigt mich dabei: Warum heißt der Ort, wörtlich übersetzt, „Ofen unter der Schneekoppe“? Nun, der Begriff Pec, also „Ofen“, stammt aus der Historie des Weilers als Bergbau-Ort. Laut der offiziellen Website des Ortes beginnt dessen Geschichte mit der ersten Erwähnung im Jahre 1511, damals noch unter dem Namen „Riesengrund“. Bis ins Jahr 1959 wurden hier Erze gewonnen und in den zahlreichen Öfen geschmolzen. Das heutige Pec pod Sněžkou entstand dann erst am Ende des 16. Jahrhunderts als Wohnort für Holzfäller, die bis aus der Steiermark, Kärnten und Tirol nach Tschechien kamen.
Unglaubliche Menschenmassen
Überhaupt ist die Geschichte der Besiedlung des Riesengebirges eine der Einwanderer. Denn ebenfalls bereits im 16. Jahrhundert kamen zahlreiche Aussiedler aus Deutschland in diesen Teil des Landes. Maler wie Caspar David Friedrich stellten die Bergwelt durch ihre Werke dann einer breiteren Masse vor, und so kam eben irgendwann auch der Tourismus. Und der, man kann es nicht anders sagen, ist in Pec pod Sněžkou besonders stark vertreten. Geschäfte für Outdoor-Bedarf reihen sich hier an Läden mit Souvenir-Ramsch. Für Gäste, die lieber im Tal bleiben möchten, gibt es eine Sommerrodelbahn.
Auch interessant: Warum das Allgäu die perfekte Wanderregion ist
Mich zieht es aber wie gesagt ja jetzt zum Gipfel, mit einem kurzen Umweg über die Brauerei Pecký. Diese befindet sich quasi direkt neben der Talstation der Seilbahn und ist für ihr Sněžka-Bier, der Schneekoppe gewidmet, bekannt. Ich selbst trinke nur alkoholfrei, lasse mir aber sagen, dass es sehr gut sein soll. Stattdessen nun also die Auffahrt zum höchsten Punkt des Landes, dem Gipfel. Diesen hatte ich 2024 schon einmal zu Fuß erklommen, und leider nicht nur in guter Erinnerung. Das lag aber nicht an dem Berg selbst, sondern an den absolut unglaublichen Massen, die sich dort tummelten. Ich will nicht übertreiben, aber es mögen gut und gerne 5000 Menschen gewesen sein.
Die besten Tipps für einen Urlaub im Riesengebirge
Die 8 schönsten Skigebiete fernab der Alpen
Vornehmes Ambiente
Umso erleichterter bin ich, als ich die Seilbahnstation quasi verwaist vorfinde. Dies liegt nicht nur an den für mein Verständnis recht deftigen Preisen von umgerechnet 28 Euro für eine Berg- und Talfahrt, sondern heute eher an der unbarmherzigen Hitze. Das Thermometer zeigt 38 Grad, und zum Glück sind nicht viele andere Naturfreunde darauf gekommen, dass es ja oben erheblich angenehmer, weil kühler ist. Ein frischer Wind weht mir um die Nase, als ich die wirklich einmalige Rundum-Aussicht von der Schneekoppe auf das weite Land bis zum Horizont genieße. Ein kurzer Blick in die hölzerne Kapelle, die sich auf dem Gipfel befindet, ein obligatorischer Spaziergang über die polnische Grenze. Seelenfrieden.
Auch auf der Abfahrt genieße ich noch einmal die tollen Ausblicke auf die tiefen Wälder und grünen Hügel, dann bin ich wieder auf der Erde, zurück in Pec pod Sněžkou. Und verspüre wiederum Appetit, möchte mir jetzt zur Feier des Tages mal etwas gönnen. So zieht es mich dann in das schicke Ambiente des Restaurants „Pecr Deep“, wo man mit viel Holz und Glas auftrumpft. Auf der Terrasse sitzt es sich bei warmem Wetter sehr gemütlich, natürlich ist dieses Vergnügen etwas hochpreisiger als andere Lokale am Ort. Die Speisekarte auf Englisch, ein eindeutig auf devisenbringende Gäste zugeschnittenes Etablissement. Die Küche gut, aber nicht so sensationell, dass ich mich noch daran erinnern würde, was ich bestellte.
Auch interessant: So schön ist eine Wanderung durch das Ötztal
Barkeeper von Weltklasse
Wer dann noch nach einer Unterhaltung für den Abend sucht, hat in Pec pod Sněžkou eine kleine, aber feine Auswahl. So gibt es ein Bowlingcenter und eine Art Großraumdiskothek mit dem Namen „Klondike“, wo ich bei meinem Besuch allerdings der einzige Gast war. Anders als in der „Sky Bar 18“ des „Horizont Hotels“. Namensgebend gelegen in dessen 18. Stock, findet sich hier eine edle Cocktailbar mit nicht nur einer tollen Aussicht, sondern auch mit einem Barkeeper von echter Weltklasse. František, so sein Name, mixte mir im Laufe des Abends zahlreiche alkoholfreie Cocktails, die mir schlicht die Sprache verschlugen. In der Tat war er so gut, dass ein Freund von mir František vom Fleck weg für sein eigenes Restaurant in Dänemark abzuwerben versuchte.
Ein unglaublich großer, runder Vollmond steht am Himmel, die Nadelwälder in schattiges Schwarz getaucht. Ich genieße die letzten Tropfen meines vierten Cocktails, dann gondele ich mit dem Fahrstuhl zurück nach unten. Ein letzter Spaziergang am nächtlichen Aupa-Fluss. Morgen wird ein Taxi mich zurück in die Zivilisation bringen. Was ich empfinde, sind Dankbarkeit und Neugier. Dafür, dass ich mal wieder das Glück hatte, einen so magisch schönen Ort entdecken zu dürfen. Und darauf, hoffentlich bald einmal wiederzukommen. Um noch mehr Schönes in Pec pod Sněžkou zu entdecken.