16. April 2026, 10:12 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Als das Ohio State Reformatory in den 1880er Jahren eröffnete, war es eines der fortschrittlichsten und menschlichsten Gefängnisse der gesamten USA. Mit der Zeit jedoch wandelte es sich von einer Vorzeige-Anstalt zum absoluten Horror-Knast, in dem Gewalt und Mord an der Tagesordnung waren. Die Zustände wurden irgendwann so schlimm, dass die Häftlinge das Gefängnis erfolgreich verklagten. Heute ist der Ort ein Touristenmagnet, weil es hier spuken soll – und auch, weil Hollywood das alte Gemäuer immer wieder für Dreharbeiten nutzt.
Die Kleinstadt Mansfield im US-Bundesstaat Ohio wäre wohl für die Mehrzahl der US-Touristen eine völlige Unbekannte. Dabei befindet sich hier eines der berühmtesten, oder besser, berüchtigtsten Gebäude des gesamten Landes. Die Rede ist vom Ohio State Reformatory, das 1886 als Vorzeige-Gefängnis eröffnete, um sich im Laufe der Jahrzehnte dann zum absoluten Horror-Knast zu entwickeln, in dem Gewalt, Misshandlung und Mord an der Tagesordnung waren. Wenig verwunderlich sollen in dem alten Gemäuer die ruhelosen Seelen vieler Unglücklicher spuken, die hier einst umkamen. Es ist aber auch deshalb ein wahrer Besucher-Magnet, weil hier einer, wenn nicht sogar der beste Gefängnisfilm aller Zeiten gedreht wurde.
Es ist das Jahr 1886, als das Ohio State Reformatory laut der Seite der Mansfield Reformatory Preservation Society, die es heute verwaltet, seine Pforten öffnet. Zehn Jahre Bauzeit sind seitdem vergangen, die Errichtung hat die damals horrende Summe von 1,3 Millionen Dollar verschlungen. Immer wieder waren die Arbeiten ins Stocken geraten, weil den Bauherren das Geld ausging, aber nun ziehen die ersten 150 Häftlinge in das gewaltige Gebäude ein. Architekt Levi Scofield wollte eine ehrfurchterregende Haftanstalt schaffen, und das ist ihm gelungen. Ein wenig erinnert das Gefängnis fast an ein Schloss. Auf insgesamt sechs Stockwerken befinden sich je 100 Zellen für die Insassen. Und denen geht es zunächst einmal vergleichsweise sehr gut.
Tödliche Tragödie
Wer hier einsitzt, hat kleinere Verbrechen begangen, und erhält eine realistische Chance auf Resozialisierung. Der Aufenthalt im Ohio State Reformatory ist geprägt von den drei Eckpfeilern Bildung, Religion und dem Erlernen eines Gewerbes, zum Beispiel Holz- oder Landwirtschaft. Ungeachtet des jeweiligen Delikts bekommt jeder Häftling dieselbe Strafe von 18 Monaten aufgebrummt. Bessert er sich in dieser Zeit, wird er in ein freies Leben entlassen. Ist das nicht der Fall, verlängert sich sein Aufenthalt automatisch um weitere 18 Monate. Ein menschliches System, das schon bald beachtliche Erfolge zeitigt, die Rückfallquote der Insassen ist vergleichsweise gering.
Es ist damals keine Seltenheit, dass ehemalige Sträflinge freiwillig in das Ohio State Reformatory zurückkehren, um dort für Gäste Touren zu führen. Das Leben hier ist aber auch vergleichsweise luxuriös, so haben Insassen hier generell Einzelzellen mit einem Waschbecken und einer eigenen Toilette. Der Ostflügel stellte zur damaligen Zeit einen Weltrekord als größter sich selbst versorgender Gefängnisblock auf der ganzen Welt auf. Doch dann ereignet sich im Jahre 1930 eine Tragödie, die das Schicksal des Vorzeige-Knasts und seiner Insassen für immer verändern soll. Ein verheerendes Feuer bricht aus, bei dem 320 Menschen umkommen. Die Überlebenden steckt man übergangsweise in andere Gefängnisse – und das Drama nimmt seinen Lauf.
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Mord, Folter, Krankheiten
Denn plötzlich sind die eher harmlosen Straftäter aus dem Ohio State Reformatory den richtig harten Jungs ausgesetzt, an Orten, wo Gewalt und Mord an der Tagesordnung sind. Das prägt die Rückkehrer, und schon bald kommt es auch in dem einstigen Elite-Gefängnis zu erschreckenden Gewalttaten. Gefängniswärter werden ermordet, die Verantwortlichen beenden ihr Leben auf dem elektrischen Stuhl. 1948 entführen und ermorden zwei Häftlinge auf Freigang einen leitenden Angestellten und seine gesamte Familie. Doch der wirkliche Todesstoß für die Bemühungen um mehr Menschlichkeit in einer Haftanstalt kommt für das Ohio State Reformatory im Jahre 1960.
Damals wandelte der Staat es in ein Hochsicherheitsgefängnis um. Dieses ist berüchtigt für seine sadistischen Wärter. Sie traktieren die Häftlinge mit Schläuchen und Elektroschocks. Gang und gäbe ist auch tagelange Einzelhaft in brütend heißen Zellen. Diese sind zudem bald völlig überbelegt. Hatte zuvor ein Mann eine Zelle für sich, sitzen hier nun bald schon zwei oder drei Sträflinge zusammen ein. Infolge der katastrophalen Verschlechterung der Hygiene breiten sich Rattenplagen aus. Das Resultat sind Krankheiten, nicht selten sterben Insassen auch an diesen infolge von Vernachlässigung. Viele, die die Schrecken in dem Horror-Knast nicht mehr aushalten, nehmen sich das Leben.
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Das Geister-Gefängnis
Irgendwann werden die Zustände so dramatisch, dass die Häftlinge 1978 zu einer wahrhaft außergewöhnlichen und verzweifelten Maßnahme greifen. Sie verklagen nämlich mithilfe des Council for Human Dignity (etwa Board für Menschenwürde) das Ohio State Reformatory. Und das erfolgreich, denn es wird eine Anordnung erlassen, laut derer hier nicht mehr als 500 Menschen gleichzeitig einsitzen dürfen. Zuvor hatte die Zahl der Insassen bei bis zu 2200 gelegen. Im Jahr 1990 schließt das Gefängnis für immer. Um es vor dem Verfall zu retten, kauft die Mansfield Reformatory Preservation Society es dem Staat Ohio in der Folge für eine Million Dollar ab. Und macht es zu einem wahren Besuchermagneten.
120.000 Menschen besuchen heute in etwa pro Jahr das Ohio State Reformatory. Nicht wenige von ihnen sind vermutlich Fans des Paranormalen, denn in dem ehemaligen Horror-Knast sollen so einige Geister ihr Unwesen treiben. Touren bietet zum Beispiel die Seite „US Ghost Adventures“ an. Laut dieser berichteten schon zu Zeiten, als das Gefängnis noch in Betrieb war, immer wieder Häftlinge von ungewöhnlichen Phänomenen. So soll des Nachts eine geisterhafte Frau hier umgegangen sein, die den Insassen die Laken aus dem Bett zog. Es soll sich dabei um eine hier ermordete Krankenschwester handeln. Auch höre man auf den Gängen immer wieder Schreie und Flüstern, oder sogar Schnarchen. Der Geist einer Frau, die hier durch einen Unfall zu Tode kam, rede mitunter sogar mit Besuchern.
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Der Knast als Hollywood-Drehort
Manchmal höre man ein Piano aus dem leeren Wärterraum, und tatsächlich soll es auch eine Geister-Katze im Ohio State Reformatory geben. Bei einer Tour sehen Gäste aber garantiert die Kapelle, die Einzelhaft-Zellen, den Keller und den Friedhof, auf dem über 200 ehemalige Sträflinge bestattet liegen. Doch es gibt noch einen anderen Grund, warum das einstige Gefängnis bei Besuchern so beliebt ist. Denn Hollywood drehte in der Vergangenheit regelmäßig hier, unter anderem den Klassiker „Die Verurteilten“ mit Morgan Freeman und Tim Robbins. Er gilt für viele Fans des Genres als der beste Gefängnis-Film aller Zeiten. Der Action-Streifen „Tango und Cash“ mit Kurt Russell wurde sogar gedreht, als die Anstalt noch in vollem Betrieb war.Wer jetzt das Ohio State Reformatory gerne einmal besuchen möchte, der hat dazu das ganze Jahr über Gelegenheit. Es gibt mehrere geführte Touren, unter anderem „Hollywood meets History“ und auch ein Escape Game. Diese sind je nach Inhalt unterschiedlich lang und dauern bis zu drei Stunden. Eine Teilnahme an der Führung „Hollywood meets History“ beispielsweise kostet pro Erwachsenem 40 Dollar. Selbstverständlich gibt es auch zahlreiche Geister-Touren zu buchen, die bis zu 135 Dollar pro Person kosten können. Das entsprechende Angebot finden Sie hier.