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In dieser deutschen Stadt befindet sich die erste „Tankstelle“ der Welt

In der hübschen Stadt Wiesloch befindet sich die erste „Tankstelle“ der Welt
In der hübschen Stadt Wiesloch befindet sich die erste „Tankstelle“ der Welt Foto: picture alliance / imageBROKER | Gerald Abele
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Robin Hartmann Autorenkopf
Freier Autor

14. April 2026, 10:32 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Im Jahr 1888 unternahm die Industriellen-Gattin Bertha Benz in einem dreirädrigen Vorläufer des Automobils die erste Fernfahrt der Geschichte. Dieser Umstand setzte die Schwarzwald-Kleinstadt Wiesloch auf die Landkarte, denn hier erfolgte wiederum Historisches. In der örtlichen Apotheke musste die wackere Pionierin Treibstoff nachtanken, was die Wieslocher Pharmazie zur ersten „Tankstelle“ der Welt macht. TRAVELBOOK kennt die ganze Geschichte um das Abenteuer.

„Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau“. Wer noch einen Beweis für den Wahrheitsgehalt dieses alten Sprichwortes suchte, der fände ihn im Schwarzwald-Städtchen Wiesloch. Denn hier ereignete sich vor fast 140 Jahren eine Geschichte, die Geschichte schrieb, und die eng verbunden ist mit einer deutschen Pionierin. Ihr Name war Bertha Benz, Gattin von Carl Benz, Erfinder des Automobils. Sie wurde 1888 mit einer für damalige Verhältnisse zumindest wagemutig zu nennenden Tat zu einer Vorreiterin, und zwar als erste Frau am Steuer eines Wagens überhaupt. Und ihre Jungfernfahrt führte sie eben, allerdings eher unfreiwillig, auch in besagte Kleinstadt. Seitdem ist Wiesloch als jener Ort bekannt, wo sich die erste Tankstelle der Welt befindet.

Im Jahr 1886 erfindet Carl Benz den Vorläufer des heutigen Autos. Ein dreirädriges Vehikel, dem zunächst einmal wenig Erfolg beschieden zu sein scheint. Selbst Kaiser Wilhelm I. benutzt laut dem Wissenschaftsmagazin „P.M.“ für seine Fortbewegung weiterhin lieber Pferde. Dies ist auch dem Umstand geschuldet, dass es in Deutschland zu dieser Zeit noch keinerlei Straßen im heutigen Sinne gibt. Verkehrsschilder, Navigationssysteme, alles Fehlanzeige. Umso erstaunlicher ist es, dass Bertha Benz sich 1888 gemeinsam mit ihren Söhnen für eine geradezu abenteuerliche Fernfahrt mit dem Gefährt ihres Gatten entscheidet. Über 106 Kilometer soll es von Mannheim nach Pforzheim gehen. Es steht zu vermuten, dass Frau Benz zu diesem Zeitpunkt noch nie etwas von Wiesloch gehört hat. Geschweige denn von einer Tankstelle.

Die erste Fernfahrerin der Welt

Jedoch, das Schicksal führt die Automobil-Pionierin auf ihrer Strecke auch durch den Schwarzwald. Und eben dort geht ihnen der Sprit aus, der ohnehin kleine Tank des Wagens ist leer. Doch woher nun Abhilfe schaffen? Nun, die findige Bertha weiß sich zu helfen, und steuert kurzerhand die Wieslocher Apotheke an. Diese existiert seit 1735, und wird so zur ersten Tankstelle der Welt. Denn beim hiesigen Apotheker Willi Ockel ersteht sie drei Liter Ligroin, auch bekannt als Waschbenzin. Dieses benutzen Menschen ihrer Zeit damals vorrangig, um ihre Kleider oder Wunden zu reinigen. Der Treibstoff genügt, um Frau Benz und ihre Söhne ans Ziel zu bringen, und sie so zur ersten Fernfahrerin überhaupt zu machen. Sicher ist es auch diese aufsehenerregende Leistung, die den baldigen Aufstieg der Erfindung ihres Mannes begünstigt.

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Zu Zeiten von Bertha Benz gab es noch keine Zapfsäulen. So befüllt sie damals ihren Wagen mittels eines Glasgefäßes mit dem Ligroin. Benzin kann man aber bald schon auch in Drogerien, Kolonialwarenläden oder Gaststätten kaufen. In späteren Jahren nutzt man dann auch Fasspumpen, um Kraftstoff in durstige Tanks zu verfüllen. Bereits 1917 entwickelt die US-Firma Standard Oil of Indiana die Tankstelle, wie wir sie heute kennen. Die Apotheke in Wiesloch, die heute als erste Tankstelle der Welt gilt, gibt es immer noch, und man kann sie auf Anfrage auch besichtigen. „Seit 40 Jahren geben sich hier jetzt Gäste und die Medien die Klinke in die Hand“, sagt Dr. Adolf Suchy, der das örtliche Apothekenmuseum gemeinsam mit seiner Frau und seiner Tochter betreibt, auf TRAVELBOOK-Anfrage.

Tankstelle Wiesloch
Die historische Stadt-Apotheke in Wiesloch ist heute auch bekannt als die erste Tankstelle der Welt. 1888 stoppte eine Automobil-Pionierin auf ihrer Fahrt hier zum auftanken. Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Busladungen an Besuchern

„Die eigentliche Apotheke gibt es seit zwei Jahren nicht mehr, aber als erste Tankstelle der Welt ist sie natürlich immer noch stark im Fokus des öffentlichen Interesses. Der Raum ist weitgehend original aus der Zeit um 1900 erhalten, das Mobiliar stammt sogar von 1860.“ Die Apotheken-Tankstelle sei auf jeden Fall ein Aushängeschild von Wiesloch, ein Wahrzeichen. „Mitunter kommen hier auch schon mal Busladungen, meist aber eher kleinere private Gruppen.“ Die bekommen dann einen etwa einstündigen Vortrag über die Geschichte des Ortes und eine anschließende Führung. „Kürzlich war sogar ein US-Kamerateam da, die einen Film über Bertha Benz drehen wollen. Und im Januar 2026 kam Mercedes auf einer Rallye um die Welt vorbei, mittels der sie die neue S-Klasse bewerben.“

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Suchy, selbst gelernter Chemiker, gibt den Gästen seit 40 Jahren gerne Auskunft über „seine“ Tankstelle. Sich selbst möchte er nicht als Museumsleiter bei TRAVELBOOK verewigt wissen, sondern bezeichnet sich scherzhaft als „Tankwart“. Wissenswert sei übrigens ebenfalls, dass in der Wieslocher Apotheke mit Johann Philipp Bronner auch einer der Väter des deutschen Qualitäts-Weinbaus gewirkt habe. Er betrieb das Haus bis 1860. Laut der Seite „Geschichte des Weines“ eröffnete er in seiner Heimatstadt auch eine Rebschule, ein Musterbetrieb mit etwa 400 Sorten. Wer jetzt Interesse hat, einmal eine Führung bei Suchy zu buchen, findet seinen Kontakt unter anderem auf der Seite der „Rhein-Neckar Industriekultur e.V.“ Der Gesamtpreis für eine Kleingruppe beträgt laut dem Betreiber 75 Euro.

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