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TRAVELBOOK-Wanderexperte hat sie getestet

Diese 5 Weitwanderwege im Harz lohnen sich besonders

Harz
Auf einer Fernwanderung durch den Harz entdeckt man die Region und ihre Sehenswürdigkeiten über mehrere Tage, wie hier im Bodetal Foto: Getty Images/imageBROKER RF
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Robin Hartmann Autorenkopf
Freier Autor

25. August 2026, 16:44 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten

Wer den Harz richtig kennenlernen möchte, dem bieten die vielen Fernwanderwege in der Region reichhaltige Möglichkeiten. Dabei wandelt man etwa auf den Spuren von Sagengestalten, erwandert die urigsten Gasthäuser oder folgt den immer noch sichtbaren Spuren eines längst vergangenen Erdzeitalters. TRAVELBOOK-Autor und Wanderexperte Robin Hartmann war für Sie unterwegs und verrät, welche Strecken eine mehrtägige Auszeit lohnen.

Am freiesten fühle ich mich in der Natur immer dann, wenn ich weiß, es geht nicht einfach nur für einen Ausflug nach draußen, sondern gleich für ein paar Tage oder gar Wochen. Vom frühen Morgen bis zum späten Abend laufen, dann unter den Sternen ein Abendessen auf dem Campingkocher zubereiten und in den Schlafsack kriechen, für mich gibt es kaum etwas Schöneres. Seit Jahren unternehme ich solche oft mehr als hundert Kilometer langen Touren auch in meiner mittlerweile weltweit liebsten Wanderregion, dem Harz. Und habe dabei einige sehr schöne und interessante Fernwanderwege entdeckt, die ich Ihnen heute gerne vorstellen möchte.

Harzer-Hexen-Stieg

Der Brocken ist der wortwörtliche Höhepunkt auf einer Wanderung entlang des Hexen-Stieges
Der Brocken ist der wortwörtliche Höhepunkt auf einer Wanderung entlang des Hexen-Stieges Foto: picture alliance/dpa | Matthias Bein

Mit einer Länge von knapp hundert Kilometern ist diese Tour auch für fitte Einsteiger in das Fernwandern zu bewältigen. Von Osterode im Westharz führt sie durch spektakuläre, oft auch im besten Sinne einsame Natur bis nach Thale in den Osten der drei Bundesländer umfassenden Region. Diese durchquert man dann auf der Distanz auch, wandert vorbei an gewaltigen Talsperren, durch tiefe Wälder und Täler. Malerische Orte wie Altenau, Braunlage, Altenbrak und Treseburg säumen den Weg, bieten dem müden Wanderer zahlreiche Möglichkeiten zur Erfrischung und Stärkung in guten, altehrwürdigen Gaststätten. Der sprichwörtliche Höhepunkt der Tour ist die Ersteigung des Sagenberges Brocken, auf dem in Goethes unsterblichem Werk „Faust“ die namensgebenden Hexen zur Walpurgisnacht tanzen.

Wer möchte, kann den Gipfel aber auch auf einer alternativen Strecke umgehen und kommt dabei in die ehemalige Kanarienvogel-Welthauptstadt St. Andreasberg und über Braunlage. Später auf der Strecke teilt sich der Weg dann noch einmal in eine Nord- und eine Südroute, die sich vor Altenbrak wieder vereinen und dann über die bis zu 400 Meter tiefe Bodeschlucht nach Thale führen. Wer unterwegs noch etwas mehr Action will, kann bei der Rappbodetalsperre das Erlebnisareal „Harzdrenalin“ besuchen. Ein paar Kilometer weiter bietet die „Pension Sternschnuppe“ in Treseburg direkt am Bode-Fluss gelegen den vielleicht schönsten Biergarten im gesamten Harz.

Unterwegs hat der müde Wanderer Gelegenheit, auf diversen Campingplätzen oder wie in Torfhaus auch in einer Jugendherberge zu übernachten. Meine persönlichen Tipps wären in Altenau ein Besuch der Sole-Therme „Heißer Brocken“ und ein anschließendes Essen im „Klippengrill“. Hier kann man auch die letzte verbliebene Brauerei im Oberharz besichtigen, die seit mehr als 400 Jahren im Geschäft ist und ausgezeichnete Tropfen produziert, außerdem die absolut sensationelle Kräuterlimonade „Limmo“. Auf dem Weg zum Ziel passiert man Hochmoore, wandert ein Stück durch den Nationalpark Harz und entlang der Gleise der Harzer Schmalspurbahn, deren Nutzung mit ein paar Ausnahmen sogar im Deutschlandticket inbegriffen ist. Der absolute Klassiker der Harzer Fernwanderwege.

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Karstwanderweg

Ein ambitioniertes Projekt auch gerne für mehrere Wochen: Der Karstwanderweg verläuft von Sachsen-Anhalt über Thüringen bis ins westliche Niedersachsen. Zertifiziert als Qualitätsweg „Wanderbares Deutschland“, führt die Strecke auf bis zu 260 Kilometern durch den nahezu unbekannten Südharz. Statt dramatischer Landschaften erwarten den Wanderer hier sanfte Hügel, endlose Weitblicke und gesunde Laubmischwälder. Von Pölsfeld bei Sangerhausen bis nach Bad Grund läuft man dabei durch ein geologisches Welterbe: die von Wind und Wasser über Jahrmillionen geformte, auch heute noch im Wandel befindliche Karstgesteins-Natur. Da tun sich mitten im Wald vielleicht tiefe Höhleneinbrüche, sogenannte Dolinen, auf. Munter gluckernde Rinnsale versickern in Bachschwinden scheinbar spurlos im Fels.

Da erheben sich Gesteinsformationen, die vor Äonen einmal die Riffe eines Ur-Meeres waren, archaisch in die Landschaft. Da biegen sich die Obstbäume im Herbst geradezu vor Pflaumen, Äpfeln und Birnen, bescheren dem Wanderer immer wieder eine rasche Stärkung. Unterwegs durchquert man kleine Märchenorte wie Hainrode, wo seit dem 14. Jahrhundert auch heute noch Reisig-Besen per Hand gebunden werden. Man entdeckt die Heimkehle, die größte Schauhöhle Deutschlands, genauso wie die Einhornhöhle, wo einst die Fabeltiere gehaust haben sollen. Man staunt auf der Burg Scharzfels über den Weitblick und die Geschichte einer Frau, die hier nach etlichen Jahren Haft auf spektakuläre Weise flüchtete.

Ich habe mich auf meiner Tour entlang des gesamten Karstwanderwegs sogar verliebt, und zwar in die kleine Stadt Bad Sachsa. Unter den zahlreichen Orten, die den Weg säumen, ist sie eine wahre Perle. Ein Luftkurort mit drei Fleischern auf nur einer Straße und einem Brunnen im Wald, an dem der ganze Ort sein Wasser holt. Wo man in klaren Nächten einen gigantischen Sternenhimmel bewundern und in Teichen baden kann, die Mönche vor hunderten von Jahren angelegt haben. Der Karstwanderweg ist das ganz große Draußen für fitte Wanderer, die wie ich auch gerne einmal länger unterwegs sind.

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Harzer Baudensteig

Harz
Der Blick vom Ravensberg ist nur eines der Highlights entlang des Baudensteiges Foto: Getty Images/imageBROKER RF

Was für eine Idee: Wandern und dabei die schönsten Waldgaststätten und Bergasthöfe besuchen. Auf knapp hundert Kilometern und bis zu sechs Etappen führt der Harzer Baudensteig von Bad Grund bis zum Kloster Walkenried. Unterwegs gibt es wirklich einiges zu verkosten. Bei insgesamt neun Bauden kann man auf der Strecke einkehren. Am Iberger Albertturm, einer der Stationen, erlebte ich etwas für mich Einmaliges. Wegen meiner späten Ankunft war das Lokal bereits geschlossen. Dennoch konnte ich mir gegen Zahlung in eine Vertrauenskasse ein paar Bier zur Erfrischung aus dem Kühlschrank nehmen. Viele der Häuser liegen bei markanten Aussichtspunkten, von denen man teils kilometerweit ins Land staunen kann.

So zum Beispiel vom „Berghof“ auf dem Ravensberg über Bad Sachsa, einem erloschenen Vulkan. Eine herrlich deftige Erbsensuppe bekommt man vom gut gelaunten Team genauso wie einen schönen Kaffee und Kuchen. Die Strecke über oft schmale, nicht selten steile Pfade aber ist es, die vor allem den Charme dieses Wanderweges ausmacht. Vielerorts läuft man im Harz über kilometerlange und wenig reizvolle breite Forststraßen. Nicht so aber hier. Unterwegs lohnt ein Besuch beim Höhlenerlebniszentrum in Bad Grund. Genauso wie ein Besuch der Zorger Whisky-Destille oder bei den beeindruckenden Ruinen des Klostermuseums Walkenried.

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Südharzer Dampfloksteig

Harz
Wandern zum Rattern der Schienen: Auf dem Dampfloksteig geht das Foto: Arterra/Universal Images Group v

Ein sympathischer Underdog für fortgeschrittene Einsteiger in das Thema Weitwandern ist der Südharzer Dampfloksteig, denn er ist nur gut 40 Kilometer lang. Von der Stadt Nordhausen führt er entlang oder in der Nähe der Gleise der Harzer Schmalspurbahn bis in den 60-Seelen-Ort Sophienhof. Dort wartet mit der „Ziegenalm“ dann auch ein schöner Abschluss auf Gäste. Denn man kann sich in der „Almstube“ bei gutem Essen stärken. Und anschließend noch im Hofladen den hervorragenden Ziegenkäse einkaufen. Auch frische Eier und diverse Produkte aus der Hausschlachtung gibt es. Und zum Abschluss das göttliche Ziegenmilch-Schokoladeneis. Der Weg trägt das Qualitätssiegel „Wanderbares Deutschland“.

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Auf schmalen Pfaden, vorbei an alten Bahnhöfen und Bergwerken, führt er durch eine wilde, urtümliche Natur. Unterwegs lernt man auch, warum der skurrile Mini-Ort Netzkater eben so heißt, und wandert durch gesunden Laubmischwald. Gute Kondition sollte man haben, denn auf der gesamten Strecke gilt es, 2000 Höhenmeter zu bewältigen. Einige sprichwörtliche Highlights sind die Aussichten auf 600 Meter vom Poppenbergturm und der Burgruine Hohnstein aus. Dort kann man auch sehr gut einkehren. In Nordhausen lohnt ein Besuch bei dem Baumriesen „Flehmüllers Eiche“. Auch die Karstquelle Salza-Spring, die größte in Thüringen, ist sehenswert.

Selketal-Stieg

Harz
Die Selke gibt dem Weitwanderweg seinen Namen Foto: Getty Images/imageBROKER RF

Mit 75 Kilometern Länge auch schon für Einsteiger geeignet, durchwandert man hier eines der schönsten und sanftesten Täler im gesamten Harz. Von dem Dorf Stiege aus verläuft der Weg über Orte wie Güntersberge, Straßberg, Silberhütte, Alexisbad, Mägdesprung, Meisdorf, Ballenstedt, Gernrode und Bad Suderode bis in die UNESCO-Welterbe-Stadt Quedlinburg. Unterwegs warten einige Schlösser, Burgruinen und Burgen. Von ihnen ist die Falkenstein sicher die bekannteste und beeindruckendste. Die Strecke lässt sich sinnvoll in vier bis sechs Etappen unterteilen und führt nicht selten auch direkt entlang des namensgebenden Flüsschens Selke. Eindeutiges Plus für mich als Naturfreund ist hier der vielerorts schlechte Handyempfang. Konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche.

Ein toller Halt auf der Tour durch den gesunden Laubmischwald ist der Selkefall. Schöne Aussichten genießt man zum Beispiel bei der Köthener Hütte über Mägdesprung. Oder der sogenannten Verlobungsurne in Alexisbad. Knapp 700 Hektar des Selketals sind als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Hier leben seltene Arten wie die Wildkatze oder der Eisvogel. Magisch sind für mich jedes Mal aufs Neue die Begegnungen mit Feuersalamandern an einem nebligen, feuchten Morgen. Achtung: Die Möglichkeiten zum Einkehren sind hier unterwegs im Selketal meiner Erfahrung nach eher begrenzt. Nehmen Sie also genug Vorräte mit.

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