Abfallentsorgung auf See

Was passiert mit Müll auf Kreuzfahrtschiffen?

Kreuzfahrtschiffe produzieren Unmengen an Müll – der muss natürlich fachgerecht entsorgt werden. Aber wie passiert das?
Kreuzfahrtschiffe produzieren Unmengen an Müll – der muss natürlich fachgerecht entsorgt werden. Aber wie passiert das?
Foto: Getty Images

Auch wenn Kreuzfahrtreisen immer beliebter werden – in puncto Nachhaltigkeit weisen viele Schiffe noch Defizite auf. Zum einen geht von ihnen aufgrund des verwendeten Schweröls eine starke Umweltbelastung aus, und zum anderen entsteht auf den Schiffen selbst viel Müll, der entsorgt werden muss. Schließlich werden damit Tausende Passagiere befördert. Doch was passiert mit dem ganzen Müll, der auf so einem Ozeanriesen produziert wird?

Kreuzfahrtschiffe gelten als Dreckschleudern. Schiffsabgase belasten die Umwelt, und auf den Ozeanriesen selbst entsteht täglich eine Menge Müll. Wer einmal die Gelegenheit hatte, einen Blick in den Müllsortierungsraum eines Kreuzfahrtriesen zu werfen, weiß, welche Mengen an Abfall sich nach nur einem einzigen Tag auf hoher See angehäuft haben: Kartons stapeln sich, riesige, prall gefüllte Säcke warten darauf, abgeholt zu werden. Alles wird zerschreddert und gepresst, um das Volumen zu reduzieren. Auch sämtliche Glasflaschen werden in einem speziellen Schredder zerkleinert. Ein Abfallsack ist fast bis oben hin mit winzigen Glasstückchen gefüllt – wenn er voll ist, wiegt er eine Tonne.

Müll Kreuzfahrtschiff

Eine Tonne wiegt dieser Sack mit Glas, wenn er voll ist. Das Foto stammt von der Qantum of the Seas, einem der größten Kreuzfahrtschiffe der Welt.
Foto: Travelbook

Doch was passiert eigentlich mit all diesem Müll? TRAVELBOOK hat nachgefragt.

Müll wird auf dem Kreuzfahrtschiff getrennt

Moderne Kreuzfahrtschiffe verfügen über Müll- und Entsorgungsanlagen sowie Kläranlagen für Abwässer. Der Müll wird auf dem Schiff getrennt und gesammelt, um ihn dann beim nächsten Landgang zu entsorgen. „Wir trennen alle Materialien“, so Royal-Caribbean-Sprecher Peter Ulf Geisler zu TRAVELBOOK. „Glas wird zerkleinert, Dosen, Papier und Pappe werden gepresst, zu Ballen gebunden und an Land abgegeben.“

An Land werde der Müll dann an fachkundige Entsorgungsunternehmen weitergegeben, wie Tui-Cruises-Sprecherin Friederike Grönemeyer ergänzt: „Aufgrund von Hygienevorschriften sowie begrenzten Lagerkapazitäten an Bord verbrennen wir auch Abfälle direkt in der schiffseigenen Müllverbrennungsanlage an Bord.“ Die Energie wird in Teilen an anderen Stellen wieder dem Schiffskreislauf zugeführt. Übrigens: Hier erklären wir, was mit übrig gebliebenem Essen auf den Kreuzfahrtschiffen passiert.

An Bord vieler Kreuzfahrtschiffe gibt es einen Umweltoffizier, der für fachgerechte Müllentsorgung und Einhaltung selbst gesetzter Standards sorgt

An Bord vieler Kreuzfahrtschiffe gibt es einen Umweltoffizier, der für fachgerechte Müllentsorgung und Einhaltung selbst gesetzter Standards sorgt
Foto: Getty Images

Auch interessant: Muss ich bei einer Kreuzfahrt eigentlich Trinkgeld zahlen?

Viele Kreuzfahrtschiffe haben einen Umweltoffizier

Moderne Anlagen sorgen zudem dafür, dass sämtliche anfallenden Abwässern geklärt und wieder aufbereitet werden. „Wir haben eine biologische Kläranlage an Bord unserer Schiffe“, so Geisler. „Mithilfe von Mikroorganismen werden die organischen Stoffe des Abwassers abgebaut.“ Sondermüll wie medizinische Abfälle, aber auch Batterien oder Farbreste werden zudem mit besonderer Vorsicht behandelt und in speziellen Behältern an die Entsorger übergeben, so Grönemeyer zu TRAVELBOOK.

Zudem beschäftigen Royal Caribbean und Tui Cruises Unternehmen einen sogenannten Umweltoffizier, welcher für die Abfallentsorgung und die Einhaltung der selbst gesetzten Standards sorgt. Dieser entspricht in vielen Punkten nicht denen, welche Umweltorganisationen verlangen, aber da Passagiere zunehmend ein größeres Bewusstsein für Nachhaltigkeitsthemen entwickeln, versuchen nun auch die Reedereien, entsprechend umzudenken.

Apropos Umweltoffizier: Wissen Sie eigentlich, wie man einen Offizier an Bord eines Schiffes erkennt

Auch interessant: Seekrank auf der Kreuzfahrt? Tipps von einem Bordarzt

Royal Caribbean ist bereits 1992 eine Partnerschaft mit dem Umweltschutzverband WWF eingegangen und verpflichtet sich im Rahmen des Programmes „Save the Waves“ beispielsweise einer Reduktion der Treibhausgase von 35 Prozent bis zum Jahr 2020.