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Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Deutschlandticket

Für den ÖPNV deutschlandweit

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Deutschlandticket für 49 Euro

49-Euro-Ticket
Mit dem 49-Euro-Ticket werden Zugfahrten im Nahverkehr vor allem für Pendler und Vielfahrer günstiger. Ab wann, ist jedoch noch unklar.Foto: Getty Images

Das 9-Euro-Ticket wurde im Zeitraum von Juni bis August als Ausgleich für die gestiegene Belastung eingeführt. Es verkaufte sich fast 50 Millionen Mal und gilt als voller Erfolg. Anfang November haben sich die Verkehrsminister von Bund und Ländern mit dem 49-Euro-Ticket auf einen Nachfolger des 9-Euro-Tickets geeinigt. Das „Deutschlandticket“ sollte zunächst ab Januar 2023 verfügbar sein – die Einführung hat nun aber wohl Verspätung. Denn es gibt verstärkte Kritik und Forderungen seitens der Verkehrsunternehmen. TRAVELBOOK nennt alle Details.

 „Wir wissen alle, dass wir es nicht zum 1. Januar hinkriegen werden“, sagte die verkehrspolitische Sprecherin der SPD, Dorothee Martin, über die Einführung des Deutschlandtickets am Montag, dem 21. November, auf einer Tagung des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) in Berlin laut „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Es müssten Gesetze geändert und weitere Finanzierungsfragen geklärt werden und Martin wäre froh, „wenn es der 1. März wird.“ Bereits Anfang November wurde deutlich, dass die Bus- und Bahnbranche das Deutschlandticket für 49 Euro im Monat nicht schon zum Jahresbeginn anbieten will. „Der 1. Januar ist nicht zu halten, da das Ticket finanziell nicht gedeckt ist“, sagte VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff zu dem Bund-Länder-Beschluss. Verkehrsunternehmen und Verbünde wollten zwar alles daran setzen, diesen so schnell wie möglich umzusetzen, entscheidende Fragen seien aber unbeantwortet geblieben. „Diese offenen Punkte führen auch dazu, dass das Ticket zunächst nicht überall in digitaler Form kommen kann.“

Bund und Länder wollen als Ausgleich für fehlende Einnahmen der Unternehmen 2023 jeweils 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Das aber hält der VDV für unzureichend. „Das Risiko eines höheren Verlustes sowie die erforderlichen Anlaufinvestitionen sind ins unternehmerische Risiko der Unternehmen verschoben, das geht nicht“, sagte Wolff. Völlig unberücksichtigt geblieben seien auch die pandemiebedingten Einbußen und die hohen Anlaufverluste. Auch die monatliche Kündbarkeit des Deutschlandtickets führe zu Risiken.

Was bisher zum 49-Euro-Ticket bekannt ist – TRAVELBOOK gibt einen Überblick:

Wird das Ticket wirklich nur 49 Euro kosten?

Bislang heißt es, das Deutschlandticket werde „zu einem Einführungspreis von 49 Euro pro Monat“ für den Öffentlichen Personennahverkehr eingeführt. Das bedeutet: Spätere Preiserhöhungen sind durchaus möglich und wahrscheinlich. So begrüßt laut „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ etwa Ulf Middelberg, Sprecher der Geschäftsführung der Leipziger Verkehrsbetriebe, dass das Ticket „Deutschlandticket“ und nicht „49-Euro-Ticket“ heißt: „Wir können den Preis nicht einfrieren, wenn links und rechts die Kosten dramatisch in die Höhe gehen.“ Denn sonst steige der Bedarf an öffentlicher Finanzierung weiter, die schon jetzt von den Verkehrsverbänden als unzureichend erachtet wird.

Wann wird das 49-Euro-Ticket eingeführt?

Das 49-Euro-Ticket soll schnellstmöglich kommen, ein genauer Zeitpunkt zur Einführung ist aber noch nicht gesetzt. Bundesverkehrsminister Volker Wissing zielte jedoch ursprünglich auf eine Einführung zum 1. Januar 2023 ab. Dorothee Martin hält eine Einführung vor Ostern 2023 für realistisch – der genaue Termin bleibt also noch abzuwarten.

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In welcher Form kommt das 49-Euro-Ticket?

Wissing kündigte im Oktober ein papierloses – also digitales – ÖPNV-Ticket an, das deutschlandweit genutzt werden kann. Derzeit führen laut Oliver Wolff die noch offenen Fragen aber auch dazu, dass das Deutschlandticket nicht überall in digitaler Form erhältlich sein werden kann. Für Verkehrspolitikerin Martin hingegen müsse aufgrund der Mitfinanzierung der Länder der Wohnort des Käufers digital nachvollziehbar sein: „Das spricht gegen die Papiervariante“, erläuterte sie. Damit aber auch Menschen ohne Internetzugang das Deutschlandticket kaufen können, sei eine Chipkarte geplant.

Wofür wird das Deutschlandticket gelten?

Das 49-Euro-Ticket wird in ganz Deutschland für den Nahverkehr gelten. Schienenfernverkehr und der Reisebusverkehr sind demnach nicht inbegriffen. Zu den Nahverkehrszügen der Deutschen Bahn gehören:

  • S-Bahn (S),
  • Regionalbahn (RB),
  • Regionalexpress (RE),
  • Interregioexpress (IRE)

Welche Pro- und Contra-Stimmen gibt es?

Die Grünen-Bundesvorsitzende Ricarda Lang begrüßt das Nahverkehrs-Ticket: „Für 49 Euro mit dem ÖPNV durchs ganze Land. Das hätten sich viele vor einem Jahr noch nicht vorstellen können“, schrieb sie auf Twitter. Umweltverbände äußerten jedoch Kritik. So teilte Greenpeace in einem Kommentar mit, dass man mit dem 49-Euro-Ticket die Chance verpasst habe, „ein sozial gerechtes Klimaticket zu beschließen.“ Eines, „das möglichst viele Menschen einschließt und alle Haushalte entlastet.“ Weiter heißt es in der Mitteilung:

„Eine 49-Euro-Fahrkarte ist für sehr viele Menschen in Deutschland zu teuer und lockt vermutlich weniger in Bus und Bahn, als für eine klimafreundliche Verkehrswende nötig ist. Mit einem Klimaticket für maximal 29 Euro hätte man doppelt so viele Menschen überzeugen können, in Bus und Bahn einzusteigen – ohne dass es den Staat einen Cent mehr gekostet hätte.“

Auch Linken-Parteichefin Janine Wissler hält das Ticket für zu kostspielig. „Leider wird es weiter viele Menschen geben, die sich dieses Ticket nicht leisten können“, erklärte sie nach der Einigung der Verkehrsminister. Vielen Menschen mit niedrigem Einkommen werde demnach das Recht auf Mobilität vorenthalten.

Wie wird das 49-Euro-Ticket finanziert?

Der Bund zahlt für das „Deutschlandticket“ ab 2023 jährlich 1,5 Milliarden Euro an die Länder, schränkt aber ein: „Sollte das Ticket später als zum 1. Januar 2023 eingeführt werden, reduziert sich der Verlustausgleich für 2023 anteilig.“ Weiterhin stellt der Bund schon ab 2022 zusätzliche Regionalisierungsmittel in Höhe von einer Milliarde Euro jährlich zur Verfügung. Diese werden jährlich um drei Prozent erhöht (bisher 1,8 Prozent).

Mit Material von reuters

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