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Autorin saß stundenlang im Zug fest

Was mich am Verspätungs-Irrsinn der Bahn am meisten ärgert

Die DB hat öfter mal Verspätung
Verspätungen sind bei der Deutschen Bahn längst keine Seltenheit mehr. Beim Umgang mit betroffenen Fahrgästen gibt es dabei noch Luft nach oben, findet unsere Autorin. Foto: Getty Images
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Laura Pomer
Freie Autorin

28. August 2026, 12:37 Uhr | Lesezeit: 9 Minuten

Pläne machen, wenn man mit der Deutschen Bahn reist? Ein mutiges Unterfangen. Seit einigen Monaten ist der Verkehr auf den Schienen kaum zuverlässig. Unsere Autorin hatte deshalb vorsorglich einen zweistündigen Zeitpuffer eingeplant, um einen Termin an ihrem Zielort wahrzunehmen. Doch dann verspätete sich ihre Ankunft um zweieinhalb Stunden, zunächst ohne jegliche Informationen. Als diese dann zögerlich durch den Lautsprecher erklangen, offenbarte sich die Problematik im Fernverkehr auf anschaulichste Weise. Bei TRAVELBOOK macht sie ihrem Ärger Luft, und sie stellt die Frage: Was ist eine Fahrt mit der DB eigentlich noch wert, wenn sich der Reiseanlass aufgrund einer massiven Verspätung erübrigt hat?

Der Termin war für ein Zeitfenster zwischen 14 und 16 Uhr anberaumt. Um 13 Uhr am Berliner Hauptbahnhof anzukommen, hätte locker gereicht. Eigentlich. Also lieber noch eine Stunde früher aufstehen und den Zug um 8 Uhr nehmen. Ich muss gestehen, irgendwann noch recht zu Beginn der auf vier Stunden angesetzten Fahrt rundum zufrieden gewesen zu sein. Der Zug fuhr pünktlich ab und war nicht sehr voll – ein Sprinter übrigens, es würde also auch niemand mehr zusteigen und sich zu mir ins Abteil setzen wollen. Doch pünktlich zur Halbzeit der Reality-Check. Es lief einfach zu glatt, um wahr zu sein!

Vollbremsung – und dann 35 Minuten Stillstand

Der Zug hielt plötzlich mehr als unsanft an, und dabei blieb es. Keine Durchsage, keinerlei Informationen. Nach etwa einer Viertelstunde dann eine schüchterne, so schien es jedenfalls, Stimme durch die Lautsprecher. Wie wir Fahrgäste wohl gemerkt hätten, sei der Zug zum Halten gekommen. „Ich kann Ihnen im Moment leider nicht sagen, wie es weitergeht. Vor uns befindet sich ein defektes Stellwerk.“ Die Störung müsse massiv sein, der Zugchef spreche sich gerade noch ab, „womöglich werden wir zurücksetzen müssen“. Und dann wieder Stille.

Ein Blick in die DB-Navigator-App offenbarte Unschönes. Die geplante Ankunftszeit hatte sich um etwa zwei Stunden nach hinten verschoben. Und wie ich bereits gespoilert habe, wurde die Verspätung noch größer.

Fahren mit der DB ist ein Abenteuer

Regelmäßige Bahnfahrer beeindruckt diese Geschichte wahrscheinlich wenig – sie haben bestimmt eigene, vielleicht gar noch unangenehmere Erfahrungen mit der DB gemacht. Ich fasse daher kurz zusammen. Es kam zum Zurücksetzen, wir würden retour nach Nordheim fahren und von dort aus einen Umweg über Braunschweig nehmen. Und zwar, wie die Zugbegleiterin erklärte, „über die Altbaustrecke, hoffentlich ohne weitere Störungen“.

Mit der „Altbaustrecke“ ist die ältere, größtenteils parallel zur 1991 eröffneten Schnellfahrstrecke verlaufende Bahnstrecke zwischen Hannover und Göttingen gemeint. „Alt“ bezieht sich dabei lediglich auf das Alter der Strecke – nicht auf ihren Zustand. Dies erklärt eine DB-Sprecherin auf TRAVELBOOK-Nachfrage. Dass die Zugbegleiterin auf eine störungsfreie Weiterfahrt hoffte, hätte demnach nichts mit den alternativen Gleisen zu tun, die laut DB alle Voraussetzungen für einen sicheren Eisenbahnbetrieb erfüllen.

„Hoffen auf störungsfreie Weiterfahrt“ und ein mulmiges Gefühl

Nach der vorangegangenen Panne ist die Formulierung trotzdem vieles, aber nicht beruhigend. Vor dem Hintergrund der seit Jahren bekannten Probleme mit der deutschen Schieneninfrastruktur stellt sich damit einmal mehr die Frage, welchen Anspruch die Bahn an die Qualität und Zuverlässigkeit ihrer Beförderungsleistung hat.

Man muss sicherlich einräumen, dass die Bahn Deutschlands in die Jahre gekommenes Schienennetz nicht allein verantwortet. Die zum Konzern gehörende DB InfraGO betreibt und unterhält das Netz. Auch der Bund trägt Verantwortung: Er ist Eigentümer der Deutschen Bahn und entscheidet maßgeblich über die Finanzierung der Schieneninfrastruktur. Der heutige Zustand ist damit auch das Ergebnis jahrelanger politischer und finanzieller Entscheidungen.

Veraltetes Netz ist Realität, Fahrgäste haben das Nachsehen

Nun ist die Situation, wie sie ist. Wie die DB-Sprecherin betont, investiere die DB „gemeinsam mit dem Bund in nie da gewesenem Umfang“. Das Netz werde grundlegend modernisiert. „Das ist ein Kraftakt, der Ausdauer verlangt.“

Es leuchtet auch entnervten Fahrgästen ein, dass die Bahn ihre Infrastruktur nicht über Nacht reparieren kann. Was sie aber könnte: ihre Fahrgäste besser behandeln, solange sie auf ein funktionierendes Netz warten müssen.

Diese wiederum sind offenbar schon einiges an Leid gewöhnt. Die rund sechseinhalbstündige Fahrt hat nur wenige Fahrgäste sichtlich beeindruckt. In ihren Gesichtern lag eher so etwas wie Resignation. Die Blicke untereinander waren viel- und gleichzeitig irgendwie nichtssagend. Wie viele von ihnen der Empfehlung aus den Lautsprechern nachkommen werden, sich im Bordbistro ein Fahrgastrechteformular abzuholen, um eine Entschädigung zu beantragen, bleibt fraglich. Denn so richtig lohnt sich das in vielen Fällen nicht.

Nur 50 Prozent des Ticketpreises bei 2 Stunden + Verspätung

Bei Zugverspätungen sind die Rechte der Fahrgäste sowie die Entschädigungssätze gesetzlich geregelt. Ab einer Verspätung von 60 Minuten stehen Ihnen 25 Prozent des Ticketpreises zu, bei mehr als zwei Stunden sind es 50 Prozent.

Nun stellen Sie sich vor, Sie haben ein günstiges Sparpreisticket ergattert. Bei einer zwei-, drei- oder vierstündigen Verspätung bekommen Sie dann beispielsweise 9,50 Euro zurück. Da kann der Aufwand, sich durch ein Formular zu quälen, schnell größer wirken als die Entschädigung selbst. Nicht minder unbefriedigend der andere Fall: Sie haben den regulären Ticketpreis bezahlt, der durchaus stattlich ausfallen kann. Bei einem Ticket für beispielsweise 150 Euro bleiben nach einer zweistündigen Verspätung immerhin noch rund 75 Euro für die quälend lange Fahrt zu zahlen.

Was viele Bahnfahrer vielleicht nicht wissen: „Ab einer prognostizierten Verspätung von 60 Minuten gibt es die Möglichkeit, die Reise nicht anzutreten oder abzubrechen und zum Startbahnhof zurückzukehren“, erklärt die Unternehmenssprecherin TRAVELBOOK. In beiden Fällen werde der volle Fahrpreis erstattet. Immerhin. Für diejenigen, die mit dem Zug nach Hause fahren wollten, ist das aber keine wirkliche Lösung. Und wenn man von den Problemen erst erfährt, wenn die Fahrt schon weit fortgeschritten ist, klingt die Aussicht, auszusteigen, sich eine Rückfahrt zu organisieren und am Ende womöglich fast den ganzen Tag im Zug oder an einem Bahnhof zu verbringen, wenig verheißungsvoll.

An dieser Stelle sei noch einmal daran erinnert, dass wir mit einem Sprinter unterwegs waren, der vor dem Zielort keinen weiteren Bahnhof ansteuerte. Aussteigen und die Reise abbrechen war damit ohnehin keine praktikable Option.

Mehr Entschädigung bei Verspätung wäre fair

Schöner für alle wäre zusammenfassend eine vollständige Fahrpreiserstattung ab einer bestimmten Verspätung. Und noch besser: wenn die Entschädigung automatisch beim Kunden ankommt, statt dass dieser sich durch ein Formular arbeiten muss. Die im Zusammenhang mit der Zugfahrt verlorene Zeit und die verlorenen Nerven bekommt man dadurch natürlich nicht zurück. Aber zumindest müsste man sich nicht auch noch darüber ärgern, für eine derart unzuverlässige Leistung einen erheblichen Teil des ursprünglichen Fahrpreises bezahlen zu müssen.

Im Übrigen stolpere ich in dem Kontext ja ein wenig über das Wort „Entschädigung“. Zwar ist es der offizielle Begriff, die Fahrgastrechte sprechen von einer „Fahrpreisentschädigung“. Inhaltlich kann er aber irreführend wirken, weil es im Alltag so klingt, als bekäme man einen zusätzlichen Betrag für den erlittenen Zeitverlust oder Aufwand. Eine zusätzliche Zahlung über den Fahrpreis hinaus ist nur dann drin, wenn sogenannte „außergewöhnliche Umstände“ vorliegen oder Fahrgäste echten Schadensersatz für persönliche Folgeschäden fordern, erklärt das Eisenbahn-Bundesamt.

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Bessere Versorgung bei verlängertem Aufenthalt im Zug

„Grundsätzlich steht gemäß der europäischen Fahrgastverordnung jedem Fahrgast bei einer Verspätung ab 60 Minuten eine Verpflegung ‚im angemessenen Rahmen‘ zu“, so die DB-Sprecherin. In der Regel bedeute das bei einer Verspätung ab 60 Minuten ein Erfrischungsgetränk und ab 120 Minuten einen Snack „wie Süßigkeiten oder ein Sandwich“.

Davon habe ich auf meiner Fahrt allerdings nichts mitbekommen. Es sei denn, damit waren die einzeln verpackten Lieblingsgast-Kekse gemeint, die in einem Korb im Bordbistro auslagen. Uns wurde jedenfalls lediglich ein kostenloses alkoholfreies Getränk angeboten, das wir uns selbst abholen konnten. Ab 13 Uhr war die Bordgastronomie zudem geschlossen, weil die Mitarbeiter ihre vorgeschriebenen Ruhezeiten einhalten mussten. Für die Fahrgäste bedeutete das: Wasser konnte noch mitgenommen werden, etwas zu essen gab es nicht mehr.

Sicherlich ist es ratsam, für längere Zugfahrten Proviant einzupacken. Ich persönlich esse allerdings nicht gern im Zug – unter anderem, weil ich es unpraktisch und auch den anderen Fahrgästen gegenüber nicht sonderlich höflich finde. Aber auch Reisende ohne entsprechende Bedenken könnten bei einer ursprünglich für 12 Uhr vorgesehenen Ankunft durchaus davon ausgehen, erst am Zielort zu Mittag zu essen. Verschiebt sich die Ankunft dann um zweieinhalb Stunden, kann sich der Hunger entsprechend früher melden.

Dass Fahrgäste in einer solchen Situation zusätzlich Geld für ihre Verpflegung ausgeben müssen, ist wahrlich nicht ideal. Eine versöhnlich stimmende Idee könnten beispielsweise automatische Gutscheine oder eine Verpflegungspauschale sein, sobald sich abzeichnet, dass sich die Reise erheblich verlängert.

Was bedeutet das alles jetzt?

Ich halte der DB trotzdem die Treue. Denn eigentlich fahre ich sogar gerne mit der Deutschen Bahn – wenn denn alles einigermaßen nach Plan läuft. Hinzu kommt, dass ich kaum anders kann. Fliegen ist auf der von mir häufig benötigten Strecke weder eine effiziente, umweltbewusste noch finanziell tragbare Alternative, ein Auto möchte ich nicht. Und auch der Mitbewerber auf der Schiene, FlixTrain, hat sich für mich bislang nicht als zuverlässiger erwiesen.

Doch genau das macht mich gleichzeitig wütend. Die DB-Sprecherin bezeichnet die Eisenbahn als „Stabilitätsanker für die Mobilität in Deutschland“ – tatsächlich sind Millionen Menschen täglich auf den Schienenverkehr angewiesen. Sie alle sollten darauf vertrauen können, dass ihre Reise nicht zum Glücksspiel wird. Dass man dieses Vertrauen inzwischen offenbar als ziemlich mutig bezeichnen muss, ist das eigentlich Frustrierende.

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