Umbuchung, Kostenerstattung, Stornierung

Reisewarnung wegen Corona! Bekomme ich die Reisekosten zurück?

Verwaister Flughafen
Für viele Urlauber ist die Reise wegen der Coronakrise in diesem Frühjahr geplatzt. Zahlreiche Flüge wurden gestrichen, Reisen abgesagt. An vielen Flughäfen herrscht mittlerweile Stillstand. Doch erhalten Urlauber ihre Reisekosten zurück?
Foto: Picture Alliance

Das gab es so noch nie: Die Reisetätigkeit kommt komplett zum Erliegen. Die weltweite Reisewarnung der Bundesregierung gilt bis Ende April. Doch bekommen Urlauber ihr Geld zurück? Können sie ihre Reise oder ihren Flug kostenlos umbuchen oder stornieren? Gibt es Geld zurück TRAVELBOOK hat alle Infos.

Mit der weltweiten Reisewarnung des Auswärtigen Amtes bis Ende April müssen Pauschalreisen in dieser Zeit nun kostenlos storniert werden – also auch Urlaube in den Osterferien. Denn eine Reisewarnung gilt als starkes Indiz für ein unvermeidbares, außergewöhnliches Ereignis.

„Neben der Kostenrückerstattung haben Reisende unter Umständen auch Anspruch auf Schadensersatz“, sagt Jan Bartholl, Fachanwalt für Reiserecht und europäische Fluggastrechte, auf TRAVELBOOK-Nachfrage. Ob ein solcher Anspruch besteht, hänge jedoch vom jeweiligen Einzelfall ab. Reisende, die beispielsweise einen teureren Ersatzurlaub buchen mussten, könnten Schadensersatz prüfen lassen.

Reisen in einigen Monaten nicht jetzt schon stornieren

Noch ist offen, ob die zeitliche Gültigkeit der Reisewarnung irgendwann verlängert wird. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz mahnt: Eine kostenlose Stornierung von Reisen, die erst in einigen Monaten stattfinden sollen, sei nicht unbedingt gerechtfertigt. Es komme entscheidend darauf an, ob zum Zeitpunkt der Reise weiter außergewöhnliche Umstände vorliegen – und ob davon zum Zeitpunkt der Stornierung ausgegangen werden kann. Hier gilt also: Am besten erst einmal abwarten, wie sich die Lage entwickelt.

Auch interessant: Mehr als 15.700 Kilometer! Weltrekord-Flug wegen Coronavirus

Auch Individualreisende bekommen (meist) ihr Geld zurück

Der internationale Flugverkehr wurde weitgehend eingestellt, es gehen kaum noch Flüge. Wird ein Flug annulliert, bekommen Passagiere den Ticketpreis erstattet. Allerdings sind die üblichen Rechte auf Erstattungen bei Flugstreichungen oder Verspätungen für die Airlines nach Angaben des Welt-Airlineverbandes IATA aktuell aus finanziellen Gründen problematisch. Viele Airlines bieten kostenlose Umbuchungen auf einen späteren Zeitpunkt an.

Individuell gebuchte Unterkünfte müssen wegen der Reisewarnung nach Ansicht der Verbraucherzentrale ebenfalls nicht bezahlt werden, jedenfalls nach deutschem Recht. Generell gilt bei Übernachtungen aber ohnehin: Ist ein Hotel oder eine Ferienwohnung überhaupt nicht erreichbar, etwa wegen behördlicher Einschränkungen wie derzeit weltweit durch Corona, gibt es das Geld zurück. Bei Buchungen im Ausland müssen sich Verbraucher aber darauf einstellen, dass es im Einzelfall zu Streitigkeiten kommen kann.

Im Vorteil sind Reisende, die über Plattformen mit kulanten Stornierungsregeln gebucht haben. So bietet etwa der Unterkünfte-Vermittler Airbnb weltweit kostenlose Stornierung für alle Aufenthalte, die spätestens am 14. April beginnen sollten.

Weltweite Reisewarnung wegen Corona – alle wichtigen Hinweise

Stornierung von Flügen: Umbuchung und Rückerstattung

Kunden, deren Flug aufgrund von Reisebeschränkungen bestimmter Länder oder durch Flugstreichungen nicht stattfinden kann, werden in der Regel von den Fluggesellschaften informiert. TRAVELBOOK erklärt, wie einzelne Fluggesellschaften das Thema „Umbuchungen und Kostenerstattung“ derzeit handhaben und was es dabei zu beachten gibt.

Lufthansa

Lufthansa-Kunden, die Tickets für stornierte und auch bestehende Flüge der Lufthansa Group Airlines haben, können dieses Ticket behalten, ohne sich zunächst auf ein neues Flugdatum festlegen zu müssen, teilt ein Sprecher der Airline auf Nachfrage von TRAVELBOOK mit. Hierbei würden bestehende Buchungen zunächst gestrichen, Ticket und Ticketwert aber blieben bestehen und könnten auf ein neues Abflugdatum bis einschließlich 31. Dezember 2020 umgebucht werden. Dies gelte auch für neue Buchungen. „Kunden können auch auf eine andere Destination umbuchen und müssen sich nicht vor dem ursprünglichen Flugdatum mit einem Umbuchungswunsch melden“, sagt der Lufthansa-Sprecher weiter. Bisher waren Kunden aufgefordert, ihre gewünschte Umbuchung bis zum 1. Juni mitzuteilen. Dieser Zeitraum sei nun um zwölf Wochen bis zum 31. August 2020 verlängert worden. Kostenerstattungen blieben grundsätzlich möglich. „Wir bitten jedoch um Verständnis, dass dies in der aktuellen Situation nicht in den sonst üblichen Fristen möglich ist“, räumt der Sprecher ein.

Lufthansa-Kunden können sich über ihren Flugstatus auf der Webseite der Airline informieren. Wer Lufthansa derzeit telefonisch erreichen will, muss unter Umständen viel Geduld haben, denn: „Derzeit verzeichnen wir in unseren Service Centern und auf unseren Stationen eine außerordentlich hohe Anzahl von Kundenkontakten. Lufthansa arbeitet kontinuierlich daran, die Kapazität zur Deckung der Nachfrage zu erhöhen. Es kommt dennoch zurzeit zu langen Wartezeiten“, erläutert der Sprecher. Aus diesem Grund bittet die Airline, die Servicecenter nur zu kontaktieren, wenn die Anfrage einen Flug innerhalb der nächsten drei Tage betrifft. Fluggäste könnten alternativ zu den Service-Centern die Umbuchungs- und Selfservicemöglichkeiten nutzen.

 

Easyjet

Die britische Fluggesellschaft Easyjet weist auf ihrer Webseite ausdrücklich darauf hin, dass Kunden, deren Flug aufgrund von Reisebeschränkungen bestimmter Länder, auf Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation oder wegen Änderungen des Flugplans storniert wurde, einen Anspruch auf eine Rückerstattung des Flugpreises haben.

Easyjet-Kunden, deren Flug wie geplant abfliegt, diesen aber dennoch umbuchen möchten, bezahlen aufgrund der besonderen Umstände derzeit keine Umbuchungsgebühren. Es können sowohl das Abflugdatum als auch das Reiseziel gebührenfrei geändert werden. Sollte der neue Flug teurer sein, muss der Kunde die Preisdifferenz bezahlen. Sämtliche Änderungen müssen mindestens zwei Stunden vor der geplanten Abflugzeit vorgenommen werden. Dieses Angebot gilt laut Easyjet jedoch nur für Kunden, „die ihren Flug über unsere Website unter dem Bereich Buchungen verwalten oder über unsere mobile App selbst umbuchen“, heißt es auf der Webseite von Easyjet. Wem das nicht möglich sei, könne sich in der Zeit zwischen 8 und 20 Uhr telefonisch an den Easyjet-Kundendienst unter der Nummer 0302 178 2256 wenden. Die Airline räumt allerdings ein, dass die Beantwortung eines Anrufs derzeit länger dauern könne, da die Airline augenblicklich eine Vielzahl von Anfragen erhalte. Wie TRAVELBOOK allerdings von mehreren Easyjet-Kunden erfuhr, versuchen diese seit Tagen vergeblich, die Airline telefonisch zu erreichen.

Ryanair

Laut Ryanair werden ab 24 Uhr am Dienstag (24. März) voraussichtlich die meisten, wenn nicht sogar alle Flüge der Ryanair-Gruppe am Boden bleiben. Ausnahme sei eine sehr geringe Anzahl von Flügen zwischen dem Vereinigten Königreich und Irland. Bei Flugannullierungen sendet Ryanair seinen Kunden „schnellstmöglich eine E-Mail und/oder SMS an die bei der Buchung angegebene E-Mail-Adresse und/oder Telefonnummer“, wie es auf der Webseite der Airline heißt. Bei einer Flugannullierung könnten Kunden entweder eine Erstattung oder eine kostenfreie Umbuchung ihres Flugs beantragen. Kunden, die eine vollständige Erstattung wünschen oder einen stornierten Flug umbuchen möchten, müssen sich bei Ryanair in ihr Kundenkonto einloggen und dort den jeweiligen Antrag stellen.

Wann muss die Airline das Geld zurückzahlen?

Bei einer Nichtbeförderung oder Annullierung des Flugs sind europäische Airlines wie auch Airlines, die unter die EU-Fluggastrechte­verordnung fallen, laut Artikel 8 der Verordnung verpflichtet, ihren Kunden den kompletten Preis binnen sieben Tagen nach Kündigung zu erstatten, sagt Reiserechtsexperte Jan Bartholl. „Sollte das Geld nach dem siebten Tag nicht eingegangen sein, ist die Fluggesellschaft im Verzug.“ In diesem Fall sollte man die Airline anschreiben und diese auffordern, das Geld binnen einer Frist von 14 Tagen zurückzuzahlen. Ist das Geld dann immer noch nicht da, empfiehlt es sich, einen Anwalt einzuschalten.

Themen