Experten erklären

Diese Rechte haben Flugpassagiere bei Ausfällen und Verspätungen

Flugausfall
Dank vieler Rechte können Reisende ihren Urlaub trotz gecancelter oder verspäteter Flüge retten
Foto: Getty Images

Die europäischen Airlines haben in diesem Sommer große Probleme mit verspäteten oder gecancelten Flügen. Zwar lässt sich die Situation meist nicht ändern. Doch stehen einem Rechte zu, die man bei der Airline geltend machen sollte, um wenigstens finanziell entschädigt zu werden. Wie viel Geld einem wann zusteht, und was man besser vermeiden sollte, erklären Experten.

Delayed und cancelled, verspätet und gestrichen: Es sind die zwei Wörter auf der Anzeigetafel am Airport, die kein Flugreisender neben seiner Flugnummer aufleuchten sehen will. Denn eine Verspätung oder gar ein Ausfall bedeutet immer Stress und Ärger. Sei es, dass man dadurch auch den Anschlussflieger verpasst, am geplanten Familienfest nicht teilnehmen kann oder ggf. auch noch in einer fremden Stadt am Flughafen übernachten muss.

Wer seine Rechte als Flugpassagier kennt, kann seine Ansprüche bei der Airline geltend machen. Entsprechende Services, Infos und Tipps bieten zum Beispiel Webseiten wie flightright.de, refund.me und euclaim.de und claimflights.de.

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Die Umstände sind entscheidend

Grundsätzlich ist es normal, dass sich die Flugzeit ändern kann – aber nur in einem bestimmten Rahmen. „Alle Veranstalter und Airlines behalten sich Änderungen vor“, sagt die Juristin und Reiserechtsexpertin Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg.. Doch es kommt im Einzelfall immer auf die Zumutbarkeit an. Wie lange dauert die Reise? Fliegen kleine Kinder mit? Gibt es Mobilitätseinschränkungen? „Das muss alles abgewogen werden“, so Fischer-Volk. Bei einer Pauschalreise ist der Veranstalter in der Pflicht, die Rechte sind hier umfassender. Weitreichende Flugzeitänderungen können eine Reise verkürzen oder beeinträchtigen. Möglich ist dann eine nachträgliche Minderung des Reisepreises. Fällt eine Pauschalreise wegen eines ausgefallenen Fluges kurzfristig ins Wasser, können Urlauber zudem Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreude fordern – wenn keine Alternative gefunden werden kann.

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Ersatzflüge können selbst gebucht werden

Urlauber müssen nicht jeden Ersatzflug oder jede Verschiebung hinnehmen. Sie können selbst Abhilfe schaffen, also auf eigene Faust einen passenden Ersatzflug buchen. „Die Kosten kann man dann dem Veranstalter in Rechnung stellen“, sagt Fischer-Volk. Allerdings muss dem Veranstalter zuvor eine Frist gesetzt werden, damit dieser selbst für Ersatz sorgen kann. Ein Urteil des Landgerichts Hannover zeigt: Die Verschiebung eines Pauschalreisefluges um mehr als fünf Stunden kann unzumutbar sein, wenn die Passagierin mit einem Kleinkind reist. Die Frau kann einen Ersatzflug buchen und die Kosten dem Reiseveranstalter in Rechnung stellen (Az.: 8 S 46/16). Der Veranstalter hatte den Rückflug von 13.40 Uhr auf 19.25 Uhr verlegt. Die Frau hatte jedoch bewusst einen Flug zur Mittagszeit gebucht, um den Schlafrhythmus des Kindes nicht zu stören. Sie verlangte eine Umbuchung auf einen passenden Alternativflug, was dem Veranstalter nicht möglich war. Der Bundesgerichtshof (BGH) wird sich am 3. Juli mit der Frage beschäftigen, ob eine Urlauberin sich auch dann die Kosten für einen Ersatzflug erstatten lassen kann, wenn sie den Reiseveranstalter vorher nicht informiert hat.

Bei einzelnen Flugbuchungen ohne Pauschalreise ist die Lage etwas anders. Wenn die Airline bis 14 Tage vor Reisebeginn über eine Annullierung oder Verschiebung des Flugs um fünf Stunden oder mehr informiert, kann der Passagier entscheiden: Akzeptiert er einen Ersatzflug oder tritt er vom Vertrag zurück? „Wenn ich zurücktrete, bekomme ich das Geld für das Ticket zurück“, sagt Fischer-Volk. Bei kurzfristigen Annullierungen und großen Flugzeitänderungen, die rein rechtlich als Nichtbeförderung gelten, steht dem Passagier eine Entschädigung nach der EU-Fluggastrechteverordnung zu. Je nach Flugdistanz sind das 250 Euro (bis 1500 Kilometer), 400 Euro (1500 bis 3500 Kilometer) oder 600 Euro (mehr als 3500 Kilometer). Nicht zahlen muss die Airline, wenn sie größere Änderungen bei den Flugzeiten mindestens 14 Tage im Voraus angekündigt hat. Zudem entfällt der Anspruch auch, wenn außergewöhnliche Umstände zu einem Flugausfall führen, zum Beispiel eine Flughafensperrung.

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So beschweren sich Passagiere richtig

Wer Ansprüche an die Airline stellen will, sollte zunächst den Grund für die Verspätung erfragen. So weist Dr. Mirko Ulbrich von claimflights dedarauf hin, dass zum Beispiel ein medizinischer Notfall höhere Gewalt darstelle und Passagiere es in diesem Fall gar nicht erst versuchen müssten. Grundsätzlich gilt aber: Bordkarte aufheben und eventuell mit weiteren Zeugen seine Rechte einfordern.

So bieten die oben genannten Webseiten Musterschreiben an, die man nur noch mit seinen persönlichen Daten ausfüllt und an die Fluggesellschaft schickt. Bevor man sich jedoch einfach einen Forderungsbetrag ausdenkt, sollte man sich genau über die Höhe, die einem möglicherweise zustehen kann, informieren. Entsprechende Rechner bieten die darauf spezialisierten Webseiten flightright.de, refund.me und euclaim.de und claimflights.de ebenfalls an.

Juristin Fischer-Volk rät, alle Belege für alternative Ausgaben wie Flüge oder auch notwendige Hotels unbedingt aufzuheben. Weiterer Tipp: Immer die 24-Stunden-Notfall-Nummer des Veranstalters dabei haben. „Wenn der Anruf nicht durchgeht, gleich eine Mail schreiben“, rät die Juristin. So kann sich der Veranstalter hinterher nicht herausreden, er habe nichts gewusst.

Sollte man nach zwei bis drei Wochen noch keine Antwort auf sein Schreiben erhalten haben, empfiehlt Ulbrich, einen Anwalt oder einen Service zu beauftragen, der sich auf Fluggastrechte spezialisiert hat.