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Warum ich Campingplätze gleichzeitig liebe und hasse

Campingplätze
Campingplätze können Himmel und Hölle sein, manchmal auch beides auf einmal. Unser Autor hat bei seinen Reisen schon Einiges erlebt Foto: Getty Images
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Robin Hartmann Autorenkopf
Freier Autor

6. August 2026, 17:03 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Enge, Lärm, schnarchende, allgemein nervige Nachbarn, keinerlei Raum für Zweisamkeit aber gleichzeitig auch ein tolles Gemeinschaftsgefühl, ehrliche Menschen und mitunter einmalige Erlebnisse. Es ist ein bunter Mix an Gefühlen, den unser Autor mit Übernachtungen auf Campingplätzen verbindet. Was er dort schon so alles erlebt hat, und warum es ihn immer wieder an diese Orte zieht, lesen Sie hier.

Würden Sie mich fragen, was der wohl skurrilste, mitunter nervigste und trotzdem manchmal schönste Ort ist, um einen sorglosen und nicht zu teuren (Sommer-)Urlaub zu verbringen, dann würde ich ganz klar sagen: ein Campingplatz. Campingplätze sind, überall auf der Welt, ein Refugium für Menschen, denen Reisen, genauso wie mir, vor allem eines bedeutet: so viel wie möglich draußen sein, an der frischen Luft. Und dabei, das Allerbeste, nicht so viel Geld ausgeben wie in einem Hotel oder einer Ferienwohnung. Sicher, man verzichtet mitunter gegenüber diesen Optionen auf sehr viel Komfort, trifft dafür aber nicht selten umso ehrlichere und originellere „Mitbewohner“. Und erlebt Dinge, die einem in der Luxusklasse einfach nicht passieren würden.

Mitunter hat man dann aber auch richtig Pech, denn in einem Zelt auf dem Campingplatz kann man nicht einfach die Tür schließen. Feste Wände gibt es auch keine, weswegen man auch unfreiwillig wirklich alles hört, was so um einen herum passiert. Da wird nachts von allen Seiten lautstark geschnarcht, da feiern ein paar Rücksichtslose auch um drei Uhr morgens noch Privatpartys, da lässt sich die Familie mit den beiden Kleinkindern garantiert neben einem häuslich nieder, weil man noch etwas jünger ist und vielleicht auch weniger zwielichtig wirkt als die anderen Gestalten vor Ort. Da sind die sanitären Anlagen mitunter entweder nur in Form von Plumpsklos ohne Spülung vorhanden, oder nach einem Tag Benutzung durch unzählige Menschen in katastrophalem Zustand.

Ort des Schreckens

Da stolpert man nachts, weil man noch einmal auf die (hoffentlich saubere) Toilette musste, garantiert über gleich mehrere, wie Fallstricke gespannte Zeltschnüre. Da bekommt man von den Nachbarn ungefragt Gespräche aufgedrängt, da fahren Angeber ihre mobilen Häuser auf Rädern Gassi. Nimmt man dann dazu noch das schlechte Wetter, das laut einem überirdischen Drehbuch offenbar beim Zelten eigentlich immer herrschen muss, können Campingplätze leicht zu einem Ort des Schreckens, zu einer Zerreißprobe für die Nerven werden. Fast mein halbes Leben verbringe ich nun trotzdem schon Urlaube auf solchen Einrichtungen, und muss aus Erfahrung sagen: Ich liebe Campingplätze, und hasse sie zugleich.

Ich liebe sie, weil es für mich kein befreienderes Gefühl gibt, als draußen zu schlafen. Nun gut, meistens verschlägt es mich dafür gleich ganz in die Wildnis, etwa eine Schutzhütte. Doch da vielerorts wild campen ja offiziell verboten ist, weiche ich gerne auch auf Campingplätze aus. Besonders in Deutschland haben diese einen im internationalen Vergleich recht hohen Standard, sodass man sich zumindest um das Thema Sauberkeit meist keine Sorgen machen muss. In klaren Nächten schlage ich dann nicht mal mein Zelt auf, sondern lege mich einfach auf meiner Isomatte unter den Nachthimmel. Eine Million Sterne, statt fünf Sterne im Hotel. Ist zwar längst auch ein schmalziger Spruch auf zahllosen Memes in Social Media, aber deshalb nicht weniger wahr.

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Tauschbörse für Erfahrungen

Campingplätze
So voll ist es zum Glück nur selten auf einem Campingplatz Foto: Getty Images/imageBROKER RF

Die Nächte sind hier allerdings für mich nicht selten auch eine Herausforderung. Und ein Grund, Campingplätze zu hassen. Denn wie bereits erwähnt, hört man sämtliche unerwünschten und mitunter auch peinlichen Geräusche der Nachbarn live mit. Ich habe einen sehr leichten Schlaf, und wälze mich dann, im Auge des Orkans dieses Geräuschpegels, stundenlang und zunehmend wütend hin und her. Erholsam ist der Schlaf auf einem Campingplatz eigentlich nie. Denn neben den Nacht-Nervensägen gibt es natürlich auch immer noch die Frühaufsteher, die sich um sechs Uhr morgens denken, jetzt wäre doch eine gute Zeit, irgendetwas Lautes zu tun.

Das zweite Argument, Campingplätze zu lieben, ist für mich das Zusammensein mit Menschen. Sie sind eine wahre Tauschbörse für Erfahrungen und gute Tipps für Ausflüge, Sehenswürdigkeiten, zum Essen. Nicht selten hört man dann auch noch spannende Geschichten. So erzählte mir einmal im Harz ein junger Mann, er sei kürzlich mit seinem Fahrrad durch die Sahara gefahren. Wenn es um Reisestorys geht, bin ich wie der Sultan aus „Tausendundeine Nacht“, kann einfach nicht genug bekommen. Wer offen und neugierig ist, kann auf einem Campingplatz sehr schnell Anschluss finden.

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Kein Raum für Zweisamkeit

Ich liebe es auch, darüber zu staunen, wie stark ausgerüstet manche Leute mitunter ihr Lager für einige Tage oder Wochen beziehen. Dass der Flachbildfernseher mit in den Urlaub muss, scheint für viele eine Selbstverständlichkeit. Um den herum werden dann ganze Wohnzimmer-Einrichtungen aufgebaut, es soll ja auch an nichts fehlen. Beim Thema Grill scheint es ohnehin einen stillen Wettbewerb zu geben, wer den absurdesten Boliden anschleppt. Und kürzlich sah ich auf einem Campingplatz in Ungarn tatsächlich einen Mann, der seinen Kaffeevollautomaten dabei hatte. Ich gebe zu, ich war neidisch.

Ich hasse Campingplätze, weil es hier keinerlei Raum für Zweisamkeit gibt. Wenn man von seinen Nachbarn nur durch ein paar dünne Stoffbahnen getrennt ist, befindet man sich quasi permanent in öffentlichem Raum. Wo man im Hotel einfach die Tür abschließen könnte, sitzt, liegt und lebt man hier auf dem Präsentierteller. Sogar Freundschaften und Beziehungen kann der Umstand, rund um die Uhr auf engem Raum zusammen zu sein, auf die Probe stellen. Meine Freundin und ich reagierten jedenfalls im Verlauf der Tage bei unserem jüngsten Campingurlaub zunehmend dünnhäutig auf äußere Reize und leider auch aufeinander.

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Kulinarische Hölle

Manchmal, und auch deshalb hasse ich Campingplätze, sind sie eine kulinarische Hölle. Da gibt es dann vielleicht ein angeschlossenes „Restaurant“, das den ganzen Tag über ausschließlich auf Masse produziert. Wo das Essen quasi zur selben Zeit kommt, zu der man es bestellt. Es war ein solcher Ort, der mir 2015 beinahe einmal eine ganze Reise versaut hätte, denn nach dem „Genuss“ eines Campingplatz-Essens wurde ich krank. Magen-Darm, Fieber, alles an einem Tag. Und verpasste daher das landschaftlich schönste Stück einer 1000-Kilometer-Fahrradtour durch Deutschland.

Trotz, und wegen all dieser Skurrilitäten, werde ich auch in Zukunft auf Reisen Campingplätze aufsuchen. Aufgrund meines Berufes hatte ich schon oft das zweifelhafte Privileg, in teils wirklich absurden Luxus-Tempeln zu übernachten, einmal sogar auf einer Privatinsel. So richtig wohl fühlte ich mich an solchen Orten allerdings nie. Denn die einzige Zugehörigkeit, die sie voraussetzen, sind nicht etwa Gemeinsamkeiten oder Interessen, sondern einfach nur Geld, und wie viel man davon besitzt. Derartige Oberflächlichkeiten gibt es beim Campen nicht. Einfach und ehrlich. Das könnte auch mein Motto sein, wenn ich mir mal ein Familienwappen entwerfe.

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