Bild.de Hier geht es zurück zu Bild.de

Ingwer, Wasabi, Sojasauce, ...

Experte verrät, was Deutsche beim Sushi-Essen alles falsch machen

Vom Wasabi über Ingwer und Sojasoße – in Japan isst man Sushi ganz anders, als wir es gewohnt sind Foto: Getty Images

Wie halte ich ein Nigiri, wann isst man eigentlich den Ingwer und wie viel Wasabi braucht mein Maki? Sushi essen kann eine Herausforderung sein. Vor allem deshalb, weil wir dabei in Deutschland ganz schön viel falsch machen. Ein Experte erklärt, wie man Sushi in Japan wirklich isst.

Ingwer, Wasabi, Soja, Stäbchen: alles Bereiche, bei denen wir beim Japaner Fehler machen. Das verrät Sushi-Meister Riccardo Blum vom Restaurant Sticks’n’Sushi in Berlin im TRAVELBOOK-Interview. Außerdem klärt er über Fauxpas auf, die so manchem Deutschen beim Sushi-Essen passieren. Vorab sollten die Begrifflichkeiten geklärt werden. Um was geht es eigentlich, wenn wir in Deutschland über Sushi sprechen? Was sind eigentlich Nigiri, Maki oder Sashimi?

Ein Nigiri besteht aus rohem Fisch, der auf Reis gebettet ist. Bei einem Sashimi wird der Reis weggelassen und bei der Makirolle Fisch mit Reis, einem Algenblatt und anderen Zutaten wie Avocado oder Gurke eingerollt. Das gilt jeweils sowohl in Japan als auch in Deutschland. Doch einige der Sushi, die wir in Deutschland lieben, gibt es so in Japan gar nicht.

„Finger weg von Sushi aus dem Supermarkt!“

Fans von frittierten Makirollen werden in Japan enttäuscht: Diese Rollen sieht man dort nur selten, sie gelten sogar als No-Go, wie Riccardo Blum erzählt. Die westliche Kultur sei bezogen auf Geschmäcker „maßlos“, hierzulande müsse es „immer aufregender, exotischer und würziger“ sein. In Japan sei das anders. Auch bei vorgefertigten Maki aus dem Supermarkt muss der Experte mit den Augen rollen. „Dort sind Sachen verarbeitet, die man wahrscheinlich sonst nie in einer Maki-Rolle finden würde“, erklärt er. Ein Beispiel hierfür sei Paprika. Auch sei der Reis in Supermarkt-Maki teilweise sehr schlecht, wenn er schon lange in der Kühltruhe liegt.

Auch interessant: Japanische Ramen selbst gemacht – das Rezept

Aber auch die Japan-Erfahrung, die man im Restaurant in Deutschland macht, kann man kaum als authentisch beschreiben. „Man arbeitet hier mit vielen Soßen, das ist in Japan eher selten. Dort bleibt man bei dem, was man kennt“, erklärt Blum. Auch die in Deutschland so beliebte California Roll mit Frischkäse wird in Japan nur selten serviert.

Soja und Wasabi mischen gilt als respektlos

Ein weiterer Fehler, den Deutsche beim Sushi-Essen machen, ist, wie wir die Beilagen nutzen. In Deutschland sind wir es gewohnt, unsere Nigiri in viel Sojasoße einzudippen, viele legen noch eine Ladung Wasabi und Ingwer darauf. Manch einer mischt das Wasabi sogar in die Sojasoße. In Japan geht das gar nicht. „Das wird als respektlos gegenüber der Soja gesehen“, erklärt Blum.

Podcast Villisca Apple Tatort Reise
Foto: Johnny Houser / TRAVELBOOK-Collage

Die Soße wird dort ganz anders genutzt. Dem Gast wird oft nur ein kleiner Tropfen davon serviert, damit er das, was er auf dem Tisch hat, auch verbraucht. Im Video sehen Sie einen eindrucksvollen Vergleich der Portionen in Deutschland und Japan.

Auch interessant: Das Geheimnis von Japans perfekt geformten Baumkreisen

Wasabi wird nicht in jedem Restaurant angeboten

Auch Ingwer und Wasabi wird in Deutschland deutlich mehr verwendet als in Japan üblich. „Das Wasabi, das wir hier für einen Teller bekommen, könnte in Japan für zehn solcher Portionen reichen“, erklärt Blum. In Deutschland ist die grüne Paste nicht mehr vom Essen beim Japaner wegzudenken. Aber: Wasabi wird in Japan nicht in jedem Restaurant angeboten. Außerdem bedienen sich die Gäste dort meist nicht selbst von der grünen Paste. Der Koch arbeitet das Wasabi selbst in Nigiri ein. „Aber auch nur zu dem Fisch, zu dem es tatsächlich passt“, erklärt Blum.

Dabei ist Wasabi auch nicht gleich Wasabi. Denn die Paste, die wir in Europa bekommen, ist meist nicht so hochwertig wie in Japan. „Sehr, sehr scharf, gummiartig und teilweise chemisch“, schmeckt die Paste hier laut Blum im Vergleich zu der leichten Meerrettich-Creme, die man in Japan nutzt. Auch der Ingwer wird in Japan in deutlich kleineren Portionen genossen. Dort wird er als Neutralisator zwischen den Bissen genutzt.

Zum Sushi-Set werden in Japan außerdem nur Getränke serviert, die nicht zu sehr vom Geschmack ablenken. „In Japan bekommt man immer einen grünen Tee zum Essen gereicht“, erzählt der Experte. Auch Sake, der japanische Reiswein, Bier und Wein seien beliebt.

Sushi essen wie die Japaner

Wer Sushi korrekt verspeisen will, sollte den Fisch nur leicht in Soja dippen und ihn dann so drehen, dass der Fisch vor dem Reis im Mund landet. Ein Nigiri sollte man außerdem niemals abbeißen, sondern alles in einem essen. Wer den Fisch nicht ganz in den Mund bekommt, sollte sein Nigiri nach dem Abbeißen zumindest in der Hand behalten und es nicht wieder ablegen.

Auch interessant: „Sanpuru“ – der japanische Hype um Essen aus Plastik

Die Stäbchen sollten außerdem immer parallel zur Tischkante liegen, oft ist eine kleine Bank oder ein Stein dafür bereitgelegt. Die Stäbchen in die Sushi, Maki oder Nigiri zu stecken oder darüberzulegen wird in Japan gar nicht gerne gesehen. Wer noch Schwierigkeiten damit hat, mit Stäbchen zu essen, sollte sich unser Video ansehen, um mit Tipps und Tricks des Experten zu lernen.