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UNESCO-Welterbe an der Ostsee

Das hat die schöne Hansestadt Stralsund zu bieten

Stralsund
Stralsund liegt an einer Meerenge der Ostsee und blickt zurück auf eine mehrere hundert Jahre lange Geschichte Foto: Getty Images/Westend61
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Robin Hartmann Autorenkopf
Freier Autor

20. September 2025, 7:04 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Bereits im 13. Jahrhundert gegründet, beeindruckt die alte Hansestadt Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern noch heute mit zahlreichen Gebäuden und Sakralbauten, die von einer Zeit als reiches Handelszentrum zeugen. Die Architektur ist so authentisch und einzigartig, dass die Unesco der Altstadt von Stralsund bereits 2002 Welterbe-Status verlieh. Dennoch geht es hier mitunter sehr ruhig zu, wie TRAVELBOOK-Autor Robin Hartmann jüngst bei einem Besuch feststellte. Über einen schönen Tag zwischen Backsteingotik, Strand und Fischbrötchen.

Nach etwas mehr als drei Stunden Fahrzeit, in denen unser Zug durch die ostdeutsche Provinz gerattert ist, vorbei an Nestern wie Altentreptow, Sternfeld und Utzedel, kommen wir endlich an unserem Tagesziel an: Stralsund Hauptbahnhof, das Einfallstor für einen schönen Tag, den ich mit meiner Freundin in der alten Hansestadt verbringen möchte. Eigentlich sind es sogar nur ein paar Stunden, und so marschieren wir zielstrebig los. Mit uns nur erstaunlich wenige der Menschen, die in Berlin eingestiegen waren; schon jetzt stellt sich eine Art Entdecker-Gefühl ein. Den leichten Geruch nach Salz in der Luft möchte man sich vielleicht auch einbilden, als Hauptstädter kommt man ja nicht jeden Tag ans Meer. Und schon sind wir unterwegs in die Altstadt von Stralsund.

Vorbei geht es über den Tribseer Damm am gar nicht mal so kleinen „Kleinen Frankenteich“, und schon kommt die alte Ringmauer des im 13. Jahrhundert gegründeten Stralsund in den Blick. Bereits im Jahr 1234 erhielt man Stadtrecht, womit wir heute die älteste Stadt in ganz Pommern betreten. Mehrere Jahrhunderte lang war hier ein wichtiges Zentrum der Hanse, dieses einst so mächtigen Handelsbundes, dessen Reich sich sogar bis weit über die (heutigen) deutschen Grenzen hinaus erstreckte. Dank der teils noch aus dieser Zeit erstaunlich gut erhaltenen Gebäude und Sakralbauten verlieh die UNESCO bereits im Jahre 2002 der Altstadt von Stralsund den Status eines Welterbes. Und mitten in dieses laufen wir jetzt hinein.

Eine Stadt hält Siesta

Stralsund
Das Rathaus von Stralsund und die Kirche St.Nikolai gehören zur von der Unesco als Welterbe ausgezeichneten Altstadt Foto: Getty Images/Westend61

Die kleinen Straßen und engen Gassen mit Kopfsteinpflaster gelegt, kennt der Gang hier von Anfang an nur eine Geschwindigkeit. Langsam, aufmerksam, in den nur wenigen Stunden in Stralsund möchten wir so viel wie möglich in uns aufsaugen. Und das ist gar nicht so einfach, denn die gesamte Altstadt scheint in einen frühen, kollektiven Winterschlaf verfallen. Egal, wohin man auch schaut, Läden, Galerien, Bäcker, alles ist geschlossen. Gut, es ist ein Sonntag, aber ein bisschen mehr Angebot für neugierige Touristen wie uns hätten wir schon erwartet. Selbst Restaurants wie das sehr altehrwürdig aussehende „Zur Kogge“ machen mitunter mehrere Stunden Mittagspause. Auf der Straße sind zudem auffällig wenige Menschen – ein UNESCO-Welterbe hält einfach Siesta.

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Schnell wird mir allerdings klar, dass das ja eigentlich auch etwas Schönes ist. Da hat man eine Stadt, deren wechselvolle Geschichte Jahrhunderte zurück reicht. Und in der es jede Menge schöne Architektur zu entdecken gibt, allen voran die teils gewaltigen Kirchen und das Rathaus, samt und sonders aus rotem Backstein erbaut. Und trotzdem ist man vor Ort nicht zwanghaft darauf aus, Besuchern mit einem Überangebot an Sightseeing- und Shoppingmöglichkeiten gefallen zu müssen. Denn die werden ohnehin weiter kommen, zumal im Sommer, so viel ist sicher. Und so schlendern wir dann eben durch die beeindruckende Torbogen-Galerie des über 700 Jahre alten Rathauses von Stralsund, erbaut zwischen 1300 und 1310. Einzig beim Stralsunder Schokoladenhaus sind wir dann doch etwas traurig, dass es, natürlich, ebenfalls geschlossen hat.

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Fischbrötchen und Meer

Stralsund
Der Hafen von Stralsund ist der belebteste Ort der Stadt Foto: Getty Images/Westend61

Meine Freundin kannte von Anfang an sowieso nur ein Ziel, nämlich das von der Altstadt nie weit entfernte Meer. Der Ort liegt an der Ostsee, allerdings in einer Meerenge, dem Strelasund. Dieser trennt auch das Festland vom benachbarten Rügen, Deutschlands größter Insel. Über die Rügenbrücke, gut vier Kilometer lang, kann man mit dem Auto ans andere Ufer gelangen. Auch Züge verkehren, innerhalb von einer Stunde ist man ab Stralsund quasi an jedem ans Netz angebundenen Ort auf Rügen. Durch diese besondere Lage ist die Ostsee hier auch nicht wild, sondern kommt einem mitunter vor wie ein besonders großer See. Es gab bei unserem Aufenthalt keinerlei nennenswerten Wellengang, was natürlich einen Aufenthalt am kleinen Stadtstrand besonders für Familien attraktiv macht. Das Wasser ist zudem lange flach, sodass auch kleine Gäste bedenkenlos baden können – beaufsichtigt, natürlich.

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Doch erst einmal finden wir heraus, wo eigentlich alle Menschen in Stralsund sind. Nämlich auf der Hafeninsel, wo zahlreiche Kutter und Läden das Frischeste aus der Ostsee anbieten. Und hier schlägt nun wiederum meine Stunde, denn ein Besuch am Meer ist für mich nur halb so schön ohne den Verzehr von mindestens einem Fischbrötchen. Das erste kaufen wir uns dann an dem Boots-Imbiss „Free Willy“, der sich selbst als „Genuss-Kutter“ bezeichnet. Kann man so stehen lassen, die Warteschlange lang, der Backfisch absolut kross und köstlich. Da muss noch eine Tüte Fish & Chips aus der „Fischhalle“ hinterher, ertränkt in Remouladensoße. An der Theke ein Foto einer Möwe mit der Bildunterschrift: „Ich möchte mit Ihnen über Ihr Fischbrötchen reden“. Die Tiere sind berüchtigt dafür, ahnungslosen Gästen deren „Fang“ abzujagen.

Alte Hafenkneipen und Segelschulschiffe

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Auf der Hafeninsel dann auch der zweifellos größte Besuchermagnet in Stralsund, das Ozeaneum. Auf einer Fläche von 8700 Quadratmetern erwarten Gäste hier in einem futuristischen Bau mehrere Ausstellungen und zahlreiche Aquarien, von denen das größte 2,6 Millionen Liter Wasser fasst. Es ist nur einer von mehreren Standorten des Deutschen Meeresmuseums, das bereits seit 1951 in Stralsund ansässig ist. Tiere in Gefangenschaft anzusehen ist aber nichts für mich, außerdem möchten wir ja nun doch endlich wieder unsere Ruhe am Ostsee-Strand finden. Vorbei geht es an einem wahren Kuriosum, der Hafenkneipe „Zur Fähre“. Diese kann zurückdatiert werden bis ins Jahr 1332 und ist somit eine der ältesten in Europa ihrer Art überhaupt. Natürlich ist sie geschlossen, aber die gute Seele vor Ort lässt uns kurz einen Blick in den holzvertäfelten, mit Seemanns-Memorabilia geschmückten Kneipenraum werfen.

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An der Promenade geht mein Blick dann kurz sehnsüchtig auf die Fähranleger. Mit Schiffen kann man von der Hafeninsel Stralsund nach Rügen und auch Hiddensee übersetzen, was ich mir sehr romantisch ausmale (und im Geist auch als einen meiner nächsten Abenteuer-Kurztrips vornehme). Ein anderes, das nicht mehr fährt, ist das seit 2003 in Stralsund vor Anker liegende Segelschulschiff „Gorch Fock“. Erbaut bereits 1933, ist es heute ein ganz besonderes Museum. Wir schlendern aber, begleitet von zahlreichen anderen Flaneuren und Radfahrern, endgültig zum Strand. Dieser ist vielleicht gerade einmal 300 Meter lang, und trotz windigem Wetter und mit schweren Wolken akzentuierten Himmels tummeln sich hier die Sonnenanbeter. Ein paar Anläufe brauchen wir, bis wir unsere Decke ausgebreitet bekommen, und dann wird erst einmal ein wenig in der Sonne gedöst. Eine Schar Gänse beherrscht den Uferbereich, lässt sich immer wieder bereitwillig von den menschlichen Gästen füttern.

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Im Strelasund kreuzen zahlreiche Segelboote, einmal zieht die Fähre nach Hiddensee langsam vorbei. Ansonsten viel Ruhe und der Blick in das magische, weite Blau vor uns. In dieses wage ich mich dann irgendwann auch noch einmal hinein, schwimme aber – ob der Temperaturen – nicht sehr lange. Trotzdem: Jetzt ist es ein richtiger Ostsee-Tag, fehlen nur noch die Strandkörbe. An einer Büchertelefonzelle nehme ich dann gleich drei Werke zwecks Lektüre mit nach Hause, mein persönliches Andenken an unseren schönen Tag in Stralsund. Und schon müssen wir wieder zurück, warten drei Stunden Bahnfahrt unter einem jetzt fast wolkenlosen Firmament. Mit uns nach Hause reist der Gedanke, bald einmal nach Stralsund zurückzukehren. Dann aber bitte an einem Tag, an dem zumindest der Schoko-Shop geöffnet hat.

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