Abseits von Stränden und Kreidefelsen

7 Dinge, die Sie auf Rügen unbedingt tun sollten!

Die Kreidefelsen und die vielen Traumstrände mal beiseite geschoben: Was hat Rügen eigentlich noch zu bieten? Eine ganze Menge! Der neue Reiseführer „Eskapaden auf und um Rügen“ führt in 52 spannenden Touren über Deutschlands größte Insel. Buch-Autorin Cornelia Jeske verrät hier ihre sieben besten Tipps.

Die niedlichsten Berge der Welt

Berge sagen sie auf Rügen! Alpen sogar! Dabei sind die Zickerschen Erhebungen bestenfalls Hügel. 66 Meter misst der höchste. Es sind Berge für Zwerge. Tatsächlich erinnern die Hügelchen aus der Ferne an das tolkiensche Auenland. Und es würde nicht wundern, kämen ein paar Hobbits des Weges. Aber es sind nur Schafe, die man hier trifft. Und einige wenige Wanderer. Erstaunlich, dass hier nicht mehr los ist – denn die Zickerschen Berge im Südosten der Insel bieten nicht nur einen der schönsten Wanderwege an der Küste (2017 nominierte das Wandermagazin den Zicker-Berge-Rundweg sogar für „Deutschlands schönste Wanderwege“), sondern auch den wohl kurzweiligsten. Und sie liefern einen von vielen Gründen, nach Mönchgut zu fahren, Rügens östlichster Halbinsel, die wegen ihrer Idylle gern noch als Geheimtipp gehandelt wird.

Zickerschen Berge, Rügen

Eine Wanderung durch die Zickerschen Berge ist ein echtes Naturlerlebnis
Foto: Cornelia Jeske

Anreise: Mit Bus oder Auto bis Gager, hinter der Kurverwaltung beginnt der Rundweg.

Auch interessant: Rügens ruhige Seite – Im Süden sind die Strände noch einsam

Steinreich sein

Als hätte jemand das gesamte Geröll vom Strand in den Wald gekippt – Steine, überall Steine. Dazwischen ragen vereinzelt ein paar Büsche heraus, sprießt Heidekraut hervor. Feuerstein ist es, der sich hier zwischen Prora und Mukran vor 3500 bis 4000 Jahren durch heftige Sturmfluten in Massen aufwerfen ließ und heute auf einer Fläche von rund 40 Hektar diese bizarren Felder formt. Am besten in die Knie gehen, die verschiedenen Formen auf sich wirken lassen und etwas Ehrfurcht vor dem Alter entwickeln: Gut 67 Millionen Jahre sind die Feuersteine alt. Sie waren die ersten Werkzeuge des Menschen, das erste Besteck, das erste „Feuerzeug“.

Die besten Reise-Storys kostenlos vorab lesen! Jetzt für den TRAVELBOOK-Newsletter anmelden!

Steinfelder, Rügen

Die Steinfelder bei Mukran sind ein ungewöhnlicher Anblick
Foto: Cornelia Jeske

Anreise: Die Feuersteinfelder bei Mukran erreicht man am besten mit dem Fahrrad oder ab Prora.

Zum Sonnenaufgang nach Binz

Binz ist wahrlich kein Geheimtipp und in der Hochsaison ganz schön trubelig. Daher am besten ganz früh dort sein. Am allerbesten aber dann, wenn die Sonne über dem Meer aufgeht. Denn die scheint dann nicht nur dem Frühaufsteher freundlich ins Gesicht, sondern vor allem den weißen Villen, für die Binz ja berühmt ist. Fakt ist: So schön wie am Morgen werden die alten Damen den ganzen Tag nicht mehr strahlen. Wer kann, macht ein bisschen Yoga am Strand und wandert dann die Promenade entlang, wo er sich kaum satt sehen wird an den vielen Villenschönheiten. Dann beim Bäcker in der Hauptstraße Frühstück holen und damit zurück an den Strand, um ganz entspannt zuzusehen, wie sich der langsam füllt.

Binz, Rügen

Hierür lohnt es sich, früh aufzustehen
Foto: Getty Images

Anzeige: 3 Tage Wien in einem traumhaft schönen 5*-Stadthotel inkl. Frühstück, Begrüßungsgetränk, Spa-Zugang, WLAN & Extras ab 179€

Tipp: Handy nicht vergessen, denn einige Villen haben einen QR-Code, über den man Anekdoten und Geschichtliches über das Haus erfährt.

Buchen zu Kopf steigen

Dort wandeln, wo man sonst nur mit Flügeln hinkommt – der Baumwipfelpfad bei Prora macht es möglich. Denn der führt etliche Meter über dem Waldboden direkt durch die Bäume. Spektakulär natürlich der große Aussichtsturm, der zum Adlerhorst führt, der weithin sichtbaren Aussichtsplattform des Naturerbe-Zentrums. Spiralförmig schraubt sich der Weg in die Höhe – mit offenem Blick nach beiden Seiten, rechterhand der Wald, linkerhand die Rotbuche in der Mitte des Turms, der man somit quasi Schritt für Schritt zu Kopf steigt. Oben der Ausblick: gigantisch. Auch auf die Naziruine übrigens, die man hier in ihren Dimensionen endlich mal erfassen kann.

Baumwipfelpfad auf der Insel Rügen

Wahnsinnsaussichten bieten sich von ganz oben: der Aussichtsturm bei Prora
Foto: dpa Picture Alliance

Tipp: Da der Turm in der Regel dann geschlossen hat, wenn man ihn am dringendsten braucht, nämlich zur Zeit des Sonnenauf- und -untergangs, öffnet er sich an manchen Tagen extra dafür. Website nach Terminen checken!

Anreise: Am besten mit dem Bus bis zur Haltestelle Forsthaus Prora oder dem Naturerbe-Prora-Express ab Seebrücke Binz.

Auch interessant: Die 13 schönsten Baumwipfelpfade Deutschlands

Sanddorn-Selfie machen

Schon mal ein Sanddorn-Selfie gemacht? Einfach drei, vier reife Beeren vom Strauch in den Mund, draufkauen und abdrücken. Sauer macht lustige Fotos! Wer sich fragt, wo er denn die Sanddornbeeren bitteschön vom Zweig pflücken soll? Am Kap Arkona, ganz im Norden Rügens, stehen einige imposante Sträucher malerisch in der Landschaft rum, nämlich direkt vor dem tiefen Blau des Meeres oder neben den berühmten Leuchttürmen. Und wenn man schon mal da ist, kann man auch eigentlich gleich bei Sanddornbauer Heinemann auf dem Rügenhof in die Lehre gehen, denn der zeigt Touristen gern, wie man Sanddorn erntet und weiterverarbeitet. Am Ende gibt es einen warmen, fruchtigen Sanddornsaft, der zum nächsten Selfie verleitet: Genießerpose jetzt, statt sauerer Miene.

Sanddorn auf Rügen

Vom Baum gepflückt ziemlich sauer, als Saft lecker-süß: Sanddorn
Foto: Cornelia Jeske

Anreise: Von Putgarten zum Kap Arkona, danach auf den Rügenhof ins Sanddornzentrum (Sanddornsaison: September bis Anfang Dezember).

Auspowern im Wald

Trailrunning heißt Laufen abseits des Asphalts, über Stock und Stein, durch Wälder und Wiesen – und bei älteren Semestern schlicht: Waldlauf. Die Granitz, das hügelige Waldgebiet zwischen Binz und Sellin, ist wie geschaffen für diesen Sport, der Kraft, Schnelligkeit und Stehvermögen trainiert. Denn es bietet nicht nur das ideale unebene Gelände, sondern auch fantastische Ausblicke. Gleich zu Beginn liegt das Meer dem Läufer zu Füßen. Dazwischen zieht sich eine imposante Steilküste den Hang hinauf. Den Blick beim Laufen auf den Boden zu heften, fällt da ganz schön schwer, ist aber ratsam: Schließlich will man den Rest des Urlaubs nicht mit einem Gips absolvieren.

Auch interessant: Die 5 schönsten Strände Deutschlands

Waldlauf in Granitz

Für Sportliche eignet sich ein Waldlauf in Granitz unbedingt
Foto: Cornelia Jeske

Tipp: Wer am Ende noch genug Puste hat, läuft die gusseiserne Wendeltreppe im Jagdschloss Granitz hoch und genießt den fantastischen Ausblick. Und dann: Tief durchatmen!

Meine 7 Geheimtipps für Rügen

Gruseln im Wald

Wer sich auf Rügen gruseln will, muss eigentlich nur nach Prora fahren und die gigantische Ferienheimruine der Nazis ablaufen. Zwar erstrahlt sie hier und da schon in neuem Glanz, beherbergt eine Jugendherberge, ein Nobelhotel und Ferienwohnungen –ein Betonmonster bleibt der kilometerlange Bau allemal. Doch Rügen hat noch weit mehr Gruselpotential. Im Wald von Sassnitz etwa liegen die Ruinen von Dwasieden: ehemalige Baracken, bis Anfand der 1990er von Militärs genutzt, und die Reste des Schlosses von Dwasieden, einst einer der schönsten Sommersitze auf Rügen. Die Fassade des früheren Marstalls steht hohl im Wald, Säulen und Steine liegen versprengt daneben –  Leichenteile eines Schlosses. Ein Knacksen von irgendwo. Der Puls geht schneller….

Die Fassade der Ruine von Schloss Dwasieden
Foto: Cornelia Jeske

Anreise: Zugang am besten über die kleine Holztreppe in der Straße der Jugend in Sassnitz.

Buchcover Eskapaden Rügen


Foto: DuMont Reiseverlag

Weitere Tipps und konkrete Touren bietet das Buch „52 kleine & große Eskapaden auf und um Rügen“ von Cornelia Jeske und Monika Rößiger, Dumont Reiseverlag, 232 Seiten, 14,99 Euro. Cornelia Jeske, die früher als feste Autorin bei TRAVELBOOK gearbeitet hat, bloggt zudem regelmäßig über die Ostsee auf www.zweikuesten.de.