Bild.de Hier geht es zurück zu Bild.de

In der Nordsee

Trischen – die „schnellste Insel der Welt“ liegt in Deutschland

Trischen
Vor etwa 400 Jahren tauchte die Insel Trischen aus dem Meer vor Schleswig-Holstein auf – heute leben dort nur noch Vögel dauerhaftFoto: dpa Picture Alliance

Sie ist etwa 400 Jahre alt und bewegt sich, geologisch betrachtet, mit absoluter Rekordgeschwindigkeit: Die Insel Trischen vor der Küste von Schleswig-Holstein. Heute darf sie niemand mehr betreten – mit einer Ausnahme.

Es muss vor etwa 400 Jahren gewesen sein, als sich vor der Küste nahe Büsum im Dithmarscher Wattenmeer ein seltenes Naturschauspiel ereignete. Eine Insel wurde geboren. Urkundlich das erste Mal 1610 erwähnt, bildete sie sich, als sich durch die Bewegung der Gezeiten immer mehr Sand auf bereits bestehenden Sandbänken ablagerte. Heute heißt der etwa 180 Hektar große Fleck Trischen, aber unter Geologen ist er bekannt als „die schnellste Insel der Welt“.

Denn Trischen hat laut der Seite des Naturschutzbund „NABU“ keinen festen Kern, so dass die Insel wandert. Sie bewegt sich jährlich bis zu 35 Meter auf die Küste zu, was geologisch betrachtet rasend schnell ist. Dieses Phänomen wird von den Gezeiten verursacht: Sand, der von Wind und Wellen an einer Stelle der Insel abgetragen wird, häuft sich woanders wieder an. In den 400 Jahren seit ihrer Geburt ist Trischen so bereits zehn Kilometer nach Osten gewandert. Ginge das in diesem Tempo so weiter, würde die Insel in weiteren 400 Jahren bei Büsum auf das Festland treffen.

Der Mensch war hier nur temporär zu Gast

Trischen
Auf Trischen lebt nur ein einziger Mensch: Von März bis Oktober kommt ein VogelwartFoto: dpa Picture Alliance

Trischen verändert sich permanent: Dort geht Land verloren, hier entstehen dafür Dünen, bis zu 3,50 Meter hoch. Die Insel hat allerdings durch die Launen der Natur allein im vergangenen Jahrhundert mehr als Dreiviertel ihrer Fläche eingebüßt, vermutlich für immer ans Meer verloren. Und so war auch jeder Versuch durch den Menschen, sie zu besiedeln, nur von kurzer Dauer.

Auch interessant: Diese 9 Inseln darf niemand betreten!

1895 errichtet man hier erstmals ein Haus und einen Ringdeich, lässt Trischen durch Schafe beweiden. Immer mehr Menschen kommen auf die Insel, jagen die hier brütenden Seevögel und plündern ihre Nester. Laut der Seite „Vogel und Natur“ kamen zu dieser Zeit auch Ausflugsfahrten für Touristen in Mode, bei denen Besucher sogar auf die Vögel schießen durften.

Seit mehr als 100 Jahren Schutzgebiet

Trischen
Ein frisch geschlüpftes Löffler-Küken sitzt in seinem Nest. Auf Trischen leben und brüten zahntausende SeevögelFoto: dpa Picture Alliance

Bereits 1909 jedoch wird Trischen laut „NABU“ per Erlass zur „Vogelfreistätte“, also einem wichtigen Lebensraum, erklärt. Seit 1919 wird der Brutbestand regelmäßig aufgezeichnet. Die Insel liegt heute in der strengsten Schutz-Zone des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und ist ein Refugium für hunderttausende Seevögel.

Ab 1922 versucht man hier zunächst dennoch weiter, Trischen für den Menschen zu gewinnen. Nun wird hier von einem großen Hof aus Ackerbau betrieben. Doch auch dieses Unterfangen ist nicht von langfristigem Erfolg gekrönt. Immer wieder überspülen Sturmfluten die gesamte Insel, zudem wandert sie mehrere Meter im Monat. Das macht es schwierig bis unmöglich, befestigte Anlagen zu halten.

Auch interessant: 12 deutsche Nordsee-Inseln – welche passt zu mir?

Nur ein Mensch lebt hier

Beweidung und Ackerbau gibt man daher bis 1947 endgültig auf, Trischen ist da bereits seit 13 Jahren Naturschutzgebiet. Seit die Insel 1985 Teil des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ist, darf sie niemand mehr betreten – mit eben einer Ausnahme. Jeweils von März bis Oktober lebt hier jedes Jahr sieben Monate lang ein Vogelwart.

Sie oder er lebt während des Aufenthaltes in einer Hütte auf Stelzen, sämtliche Geräte werden mit Solarstrom betrieben. Auch besagte Hütte wurde wegen der Wanderungen von Trischen bereits mehrfach versetzt. Einmal in der Woche bringt ein Schiff Vorräte und Post. Über das Leben und die Arbeit mit den Tieren berichtet der Vogelwart auf einem eigenen Blog, den der NABU eingerichtet hat.