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Hölle oder Paradies?

Getestet! Lohnt sich ein Tag im Tropical Islands?

Der künstliche Dschungel reicht nicht mal ansatzweise bis zur Decke: das Tropical Islands Resort von innen
Der künstliche Dschungel reicht nicht mal ansatzweise bis zur Decke: das Tropical Islands Resort von innenFoto: Tropical Islands

Tropical Islands in Brandenburg ist eine der beliebtesten Touristen-Attraktionen Deutschlands. Für TRAVELBOOK-Autorin Morgane Llanque bisher immer ein Grund, am Verstand ihrer Mitbürger zu zweifeln. Wie kann man solchen Möchtegern-Tropen etwas abgewinnen, wenn man doch heutzutage für wenig Geld in den echten Süden reisen kann? Ein Selbstversuch zwischen traurigen Aras und luxuriösen Sauna-Höhlen.

Von meinen Freunden wollte keiner mit. Das Tropical Islands genießt einen ziemlich schlechten Ruf. Asi-Hotspot. Der Ballermann von Brandenburg. Auch bei der Lektüre der Erlebnisberichte journalistischer Vorgänger kriege ich Angst. Es handelt sich um detailverliebte Zerrisse, die schildern, wie hässlich das viele Plastik und die überfüllten Pools sind. Ein beengender Pfuhl, den nur Verzweifelte oder Geschmacklose cool finden können. Ich verkünde jedem, der mich nicht begleiten will, dass es verdammt elitär sei, so zu reden. Aber wenn ich ehrlich bin, stelle ich es mir genauso vor, als ich mich der riesigen Halle nähere, die seit 2004 den Erlebnis-Wasser-Park beherbergt.

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Wie kommt man hin?

Rein geografisch befinde ich mich bei Krausnick-Groß Wasserburg. Man kann entweder mit dem Auto anreisen, oder aber mit dem Regionalzug von Berlin aus direkt zum Bahnhof Brand. Dort sammelt ein kostenloser Shuttle-Service mit Palmenmuster-Sitzen uns, die wenigen Donnerstagmorgen-Gäste, ein und fährt uns zur ehemaligen Cargolifterhalle, die von einer malaysischen Firma in ein gigantisches Erlebnisbad umgewandelt wurde. Wir befinden uns etwa eine Stunde entfernt von Berlin.

Was kostet es?

Das Tropical Island gliedert sich in einen Erlebnisbereich und einen Sauna-Bereich. Ein Tagesticket für den Erlebnisbereich kostet für Erwachsene 44 Euro, für Kinder unter 5 Jahre ist der Eintritt frei. Kinder ab 6 Jahren, Studenten und Senioren ab 65 Jahren zahlen den ermäßigten Preis von 35 Euro. Bucht man Saunabereich und Erlebnisbereich als Kombi-Ticket, kostet das für Erwachsene 49,50 Euro und ermäßigt 41,50 Euro. Entscheidet man sich während des Aufenthalts im Erlebnisbereich doch noch dazu, den Saunabereich zu benutzen, kann man dies jederzeit für jeweils 14 oder 8 Euro dazu buchen. Tropical Islands hat jeden Tag 24 Stunden geöffnet und kann zwischen 6 Uhr bis 24 Uhr betreten werden.

Wie sieht es aus?

Als ich die künstliche Urlaubswelt betrete, schlägt mir tropische Hitze ins Gesicht. 

Tropical Islands
Tropical Islands von innen: schön warm, aber auch beengendFoto: Getty Images

Die Menschen wuseln alle zielstrebig zum Herz von Tropical Islands: dem Südsee-Bereich. An einem nicht besonders tiefen Pool-Becken mit Piratenschiff ist ein künstlicher Sandstrand aufgeschüttet. Auf ihm und den darüber ragenden Holzterrassen sind sehr viele Liegen aufgestellt, auf denen sich wiederum Menschen stapeln. Sobald ich ins Becken steige, bin ich erstaunlicherweise glücklich.

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Während es draußen vor sich hinnieselt und -modert, kann ich meine Zehen in weichen Sand bohren und in warmes Wasser gleiten. Das Becken selbst ist allerdings nichts für mich. Nach nur zwei Schwimmzügen kollidiert man bereits mit den zahlreichen Kleinkindern und Familien, die sich in der offensichtlich auf sie zugeschnittenen Wasserlandschaft tummeln. An keiner Stelle zu tief für ein Kind, an keiner Stelle aufregend genug für einen Erwachsenen. Es ist mir auch ein Rätsel, wie sich die Menschen auf den Liegen so gut entspannen können. Denn obwohl es wirklich warm ist, fehlt die erfrischende Brise, die das echte Stranderlebnis so angenehm macht. Das Ergebnis: lauter schwitzende Menschen und eine Frau, die sich tatsächlich Sonnencreme aufträgt. Am Hallenhorizont steigt ein Heißluftballon mit zwei eifrig filmenden Touristen auf.

Rutschen ist auch was für Erwachsene

Wasserrutschen
Die drei Wasserrutschen des Tropical Islands werden auch von den Großen benutztFoto: Tropical Island

Wesentlich einladender sehen die Wasserrutschen aus. Auf der höchsten wird man in ein paar Sekunden hochbeschleunigt durch einen blauen Tunnel geschossen. Vorsicht ist bei allen Bikini-Trägerinnen geboten: für die rasante Fahrt eignet sich ein Badeanzug wesentlich besser, wenn man nicht halb nackt von der Rutsche ausgespuckt werden möchte. Wer dieses Risiko vermeiden will, sollte die rote Rutsche wählen, auf der man es sich auf einem fetten Gummireifen bequem macht, während man in weiten Kreisen hinunterrauscht.

Ein Lichtblick ist der Außenbereich

Mittlerweile ist dann doch eine Freundin gnädig zu mir gestoßen. Als Team schlendern wir an den asiatisch und afrikanisch angehauchten Statuen entlang, die überall in der Halle aufgebaut sind. Es gibt Tiki-Bars, auf shabby getrimmte Kolonialhäuser und Tempelruinen. Klar sieht das meiste billig aus, aber die vielen anwesenden Kinder lieben es. Ich kann mich der Illusion, dass wir uns wirklich auf der anderen Seite der Erdkugel befinden, nicht wirklich hingeben: Die graue Kuppel erinnert den Besucher einfach ständig daran, dass man stattdessen in der brandenburgischen Pampa rumhängt.

Die meisten Unterkünfte für Erwachsene sind Bungalows, in denen die aufgeheizte Luft mittels Klimaanlage wieder runtergekühlt wird. Mir kommt das etwas pervers vor. Zum Glück gibt es aber einen Außenbereich in Tropical Islands, der ganzjährig geöffnet ist. Man kann also aus der Halle ausbrechen. Und wie! Durch einen Wildwasserkanal wird man in warmen Stromschnellen in den Außenpool befördert. Draußen scheint mittlerweile die Sonne.

Tropical Islands Außenbereich
Der Wasserspielplatz im AußenbereichFoto: Tropical Islands

In den gut temperierten Bassins kann man der Platzangsthalle entkommen. Zumindest an diesem Donnerstag. „Am Wochenende ist es so überlaufen, dass man auch hier keine Chance hat“, sagt mir eine erfahrene Tropical-Islands-Veteranin unter der Dusche neben dem Pool. Als ich sie frage, warum sie denn immer wieder herkommt, zuckt sie mit den Schultern. Es sei halt bei ihr um die Ecke.

Ich rutsche gleich zweimal durch den Kanal in den Pool und genieße den warmen Sonnenschein auf meiner Haut. Hinter uns toben Kinder auf einem Wasserspielplatz, auch Beachvolleyballplätze entdecke ich. Die sind heute aber leer.

Wie ist das Essen?

Mit der Zeit kommt auch allmählich der Hunger. Wir beschließen, den Fressbereich der Halle zu inspizieren. In verschiedenen Restaurants hat man die Wahl zwischen Fastfood für 10 Euro und Essen für 20 Euro. Aber wenn man bedenkt, dass eine Tageskarte inklusive Sauna schon fast 50 Euro kostet, überlegt man es sich sich zwei Mal, ob man sich kulinarische Extravaganzen leistet. Wir entscheiden uns für eine klassische Berliner Currywurst und Pommes, dazu: ein frisch gepresster Orangensaft. Alles schmeckt in Ordnung, ist aber nicht von herausragender Qualität.

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Tierquälerei?

Nach dem Essen spazieren wir weiter durch die Halle, kommen an der Lagune vorbei, ein zweites, kleineres Wasserbecken, in dem ich noch weniger schwimmen möchte als in der Südsee, an einem Plastikburg-Hotel, einem Bücherladen und einem großen Papageien-Käfig. In dem durchaus schönen Regenwald-Biotop der Halle gibt es seit ein paar Jahren echte Kois, Flamingos, Aras, verschiedene andere Vögel und Schildkröten.

Die Aras sitzen reglos und still in ihren Käfigen: Sie reagieren kaum auf ihre Umwelt. Da Tropical Islands ein 24-Stunden-Betrieb ist, haben die Tiere wahrscheinlich sehr selten eine Pause von Licht, Lärmkulisse und wild fotografierenden Menschen. Ähnlich teilnahmslos kommen auch die Flamingos des Resorts daher, die sich alle um ihre Futterstelle drängeln und sich ansonsten kaum bewegen.

Tropical Islands Flamingos
Eine Besucherin betrachtet die Flamingos, die Tropical Islands in der Kuppel hält. Die haben nicht besonders viel Platz.Foto: Getty Images

Auf mehrere kritische Kommentare dazu hat Tropical Islands versichert, dass die Tiere artgerecht gehalten würden und ihre Haltung vom Kreis-Veterinär gestattet sei. Auf uns machen sie jedoch einen sehr deprimierten Eindruck. Muss man wirklich echte Tiere in diese Halle sperren? Noch viel unverantwortlicher sind allerdings die Besucher, die die armen Tiere mit Blitzlicht fotografieren.

Der Wellnessbereich ist hochwertiger

Etwas zerknirscht geht es weiter in den Saunabereich des Tropical Islands. Hier sind die Möbel edler, die Dekoration aus Holz und Stein hochwertiger, der Service besser, die Liegen leerer. Nicht jeder hat Lust, den Aufpreis für Wellness zu zahlen.

Das erste Mal kann ich dem sterilen Regenwald etwas abgewinnen. Wer schon mal südlich des Äquators war, weiß, dass man sich die romantische Hängematte unter Palmen auch immer mit jeder Menge Mosquitos teilen muss. Hier aber lege ich mich völlig entspannt in den bunten Stoff, schwebe zwischen dem Elefantentempel, einem riesigen Dampfbad mit Eukalyptusdämpfen, und der Salzsauna hin und her und genieße das insektenfreie Panorama. Nachdem ich im Dampfbad geschwitzt und in der Salzgrotte Sole eingeatmet habe, geht es mir wirklich gut. Die Düfte hier sind allgemein wohltuender als der geballte Chlor des Erlebnisbereichs. Im hiesigen Whirlpool darf man keinerlei Textilien am Körper tragen. Zwei pubertierende Jungs zwinkern uns erwartungsvoll an, als wir uns freudig dem Pool nähern und dann genervt abdrehen.

FAZIT

Zurück auf meinem Palmenmuster-Sitz bin ich recht froh, die Anlage hinter mir zu lassen. Auf der anderen Seite muss man man schon ein gewaltiger Spießer sein, um bei der Wahl zwischen einem wirklich annehmbaren Saunabereich, Wasserrutschen, Spielplätzen und einem Wildwasserfluss gar keinen Spaß zu haben. Nicht jeder kann sich eben die echte Karibik leisten. Dennoch ist ein Ticket für Tropical Islands für Geringverdiener nicht besonders preiswert. Bewertet man die Halle aus einer ökologischen Perspektive, gibt es wenig Positives zu sagen. Exotische Tiere so einzusperren, sollte verboten sein. Auch die hohen Heiz- und Strom-Emissionen der Halle sind nicht besonders gut für die Umwelt. Ich persönlich würde es immer vorziehen, an einem echten Strand oder See zu liegen. Im Winter reicht mir auch eine normale Sauna, um Wärme zu tanken.