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Farallon Islands

Die tragische Geschichte der Inseln mit der höchsten Mäusepopulation der Welt

Farallon Islands
Raue Natur: Die Farallon Islands vor der Küste von San Francisco sind ein bedrohtes NaturparadiesFoto: Getty Images

Die Farallon Islands vor der Küste von San Francisco sind ein weltweit einzigartiges Ökosystem. Dieses ist jedoch massiv gefährdet, denn eine weltweit beispiellose Mäuseplage bringt seit Jahren das Gleichgewicht der Inseln durcheinander. Umweltschützer fürchten jedoch, dass die „Lösung“ des Problems noch sehr viel schlimmer sein könnte. TRAVELBOOK kennt die tragische Geschichte.

Knapp 50 Kilometer vor der Küste der US-Stadt San Francisco liegen die Farallon Islands, eine Gruppe vulkanischer Inseln. Vom wilden Wasser des Pazifik umspült, ragen die gezackten Felsen bedrohlich aus den Wellen. Doch die Farallones, wie sie auch genannt werden, sind viel mehr als nur ein paar spärlich bewachsene Steine im Ozean. Hier befindet sich ein weltweit einzigartiges Ökosystem.

Allein 400 Arten von Seevögeln wurden hier laut „New York Times“ nachgewiesen. Außerdem leben fünf Spezies mariner Säugetiere, beispielsweise Seelöwen und Robben, hier. In den Wassern tummeln sich regelmäßig weiße Haie, die sich an dem reich gedeckten Gabentisch bedienen. Dem „Guardian“ zufolge leben und brüten hier jedes Jahr etwa 300.000 Seevögel. Viele von ihnen, wie eine spezielle Art des Wellenläufers, kommen weltweit fast nur hier vor. Doch ein anderes Tier bedroht das fragile Gleichgewicht in dem Naturparadies.

Ein tödlicher Kreislauf

Farallon Islands
Von wegen trostlose Felsen: Die Farallon Islands sind ein weltweit einzigartiges Refugium für Meeressäuger und SeevöghelFoto: dpa Picture Alliance

Die Rede ist von Mus Musculus, besser bekannt als Hausmaus. Die kleinen Nagetiere, von Seeleuten im späten 19. Jahrhundert eingeschleppt, haben sich auf den abgelegenen Farallon Islands zu einer weltweit beispiellosen Plage entwickelt. Nirgendwo gibt es so viele Hausmäuse wie auf den Farallones: Der Zeitung „The Mercury News“ zufolge wurden 2021 auf einer Fläche von 85 Hektar etwa 60.000 Tiere vermutet. Die Mäuse bedrohen das Ökosystem, indem sie die Samen der wenigen hier vorkommenden Pflanzen fressen. Das wiederum erhöht die Chance für invasive Arten, sich anzusiedeln.

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Die wahre Bedrohung rührt aber daher, dass die Mäuse als Beutetiere Eulen auf die Insel locken, die die Nager fressen. Da aber jedes Jahr die Mäusepopulation aufgrund von Nahrungsmangel einbricht, fressen die Eulen in dieser Zeit dann die Küken anderer, teils seltener Vogelarten.

Gift als letzte Option?

Behörden wie Umweltschützer sind sich daher seit langem einig, dass die Mäusepopulation auf den Farallon Islands zumindest drastisch reduziert werden muss. Der Plan, der aktuell von offizieller Seite aus verfolgt wird, könnte dem einzigartigen Ökosystem jedoch mehr schaden als nutzen. Denn der sieht vor, über den Inseln per Helikopter massiv Gift abzuwerfen.

Konkret ist die Rede von einem Mittel namens Brodifacoum, das bereits auf etwa 60 anderen Inseln weltweit, unter anderem bereits in Mexiko, dem Südpazifik und auf den Galapagos-Inseln, eingesetzt wurde, um die Nager zu dezimieren. Das Problem ist dabei selbst für Umweltaktivisten nicht einmal das Mittel an sich, sondern die Form, in der es dargebracht wird. Dies nämlich geschieht in Form von Futterpellets, die die Nager fressen, und dann daran verenden sollen.

Eine große Sorge der Umweltschützer von WildCare: Viele der Seevögel, die auf den Farallon Islands brüten, fliegen auch regelmäßig aufs Festland. „Wenn sie das Gift, bzw. tote Mäuse fressen, und dann an Land sterben, werden über die Nahrungskette noch mehr Tiere gefährdet“, sagt Alison Hermance, Director of Communications and Marketing bei WildCare, zu TRAVELBOOK. Auf diese Weise könnte es noch viel mehr Opfer geben, so die Befürchtung.

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Umweltschützer fordern Verhütungsmittel für die Mäuse

WildCare stimmt grundsätzlich der Notwendigkeit zu, die Mäusepopulation auf den Farallon Islands zu reduzieren. Das wahre Problem seien aber die Eulen, die die Küken anderer Vögel fräßen und so deren Fortbestand bedrohten. „Das Gift aber ist gefährlich für alle Tiere, auch Meeresbewohner. Es innerhalb eines geschützten Meeresreservates einzusetzen ist eine beängstigende Vorstellung.“

Hermance und WildCare setzen sich stattdessen dafür ein, die Eulen einzufangen, und fortan von den Farallon Islands fernzuhalten. Das Skurrile: Dabei handelt es sich gerade einmal um etwa 10 Tiere. Doch jedes dieser Tiere frisst aktuell pro Nacht ein bis zwei Küken anderer Seevögel, und damit sind die Eulen eine große Bedrohung.

Hermance setzt sich zudem dafür ein, statt des Gifts eine „Pille“ für die Mäuse anzuwenden, also ein Empfängnisverhütungsmittel. Das wäre auch nachhaltiger, als ein Gifteinsatz – der nach Meinung von Hermanace nicht einmalig bleiben würde. „Es müssten wirklich restlos alle Mäuse ausgerottet werden. Dafür wird es vermutlich mehrere Einsätze mit Brodifacoum brauchen.“

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Aktuell wird Gift-Plan bereits geprüft

Aktuell prüfen Behörden den Plan, das Gift über den Farallon Islands abzuwerfen. Hermance, die mit WildCare einen solchen Einsatz in der Vergangenheit bereits verhindern konnte, gibt sich kämpferisch: „Hätte man bereits 2011 die von uns vorgeschlagenen Maßnahmen umgesetzt, hätten wir jetzt nicht dieses massive Problem. Wir werden weiter protestieren. Aber wenn die Giftbomben wirklich kommen, werden wir jedes kranke und verletzte Tier in unserer Klinik aufnehmen, und alles tun, um so viele Tiere wie möglich zu retten.“

Das wäre wohl auch im Sinne der zahlreichen Touristen, die von San Francisco aus Bootstouren zu den Farallon Islands unternehmen. Betreten darf man sie nur mit einer Ausnahme-Genehmigung, aber auch vom Wasser aus betrachtet bieten die hunderttausende von Seevögeln und anderen Tieren ein einzigartiges Spektakel. Bleibt zu hoffen, dass das Interesse an einer nachhaltigen Wahrung dieses einzigartigen Naturparadieses am Ende siegt.

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