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TRAVELBOOK sprach mit dem Künstler

Die Geschichte hinter den bunten Lego-Brücken in Wuppertal

Lego-Brücken
Die Lego-Brücken sind ein buntes Wahrzeichen der Stadt Wuppertal. Mittlerweile wurden sie weltweit mehrfach kopiert. Diese Version nennt sich auch Regenbogenbrücke und entstand 2020 Foto: picture alliance / Jochen Tack
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Robin Hartmann Autorenkopf
Freier Autor

4. Dezember 2025, 10:35 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Im nordrhein-westfälischen Wuppertal begeistern zwei ungewöhnliche Bauwerke Einheimische wie Besucher. Denn die Lego-Brücken sehen tatsächlich so aus, als wären sie aus riesigen Versionen der weltweit beliebten Bauklötze gemacht. Hinter dem ungewöhnlichen Design steckt jedoch ein lokaler Künstler, der für seine Idee schon mehrfach ausgezeichnet wurde. Mit TRAVELBOOK sprach er über seine Werke, seine Vergangenheit als Graffiti-Sprüher und die Genehmigung der Firma Lego für die Brücken.

In der nordrhein-westfälischen Stadt Wuppertal stehen zwei Bauwerke, die die Herzen von kleinen wie großen Lego-Fans höher schlagen lassen dürften. Denn hier spannen sich zwei Brücken, die tatsächlich so aussehen, als seien sie aus riesigen Versionen der weltweit beliebten Bauklötze gemacht. Mittlerweile auch als LEGO-Brücken bekannt, begeistern sie Einheimische wie Besucher und auch Fans weltweit gleichermaßen, und sind mittlerweile eines der beliebtesten Fotomotive in der Metropole. Doch wie kam es zu dem ungewöhnlichen Design, das mehrfach Preise gewann?

TRAVELBOOK erreicht den Künstler Martin Heuwold, der sich selbst seit seiner Jugend und auch auf Instagram MEGX nennt und die Lego-Brücken gestaltet hat, an einem sonnigen Nachmittag. Im Hintergrund sind die Geräusche von Spraydosen zu hören. Heuwold malt gerade auf einer legalen Fläche privat an einem Bild – auch mit fast 50 Jahren und als mittlerweile international bekannter Street Artist ist Graffiti noch seine große Leidenschaft. „Warten Sie, ich schalte kurz um auf meine Airpods“, lacht Heuwold. „Dann können wir reden, während ich sprühe.“

„Probier es doch mal mit Lego-Steinen“

Lego-Brücken
Das Original: Die erste der beiden Lego-Brücken entstand bereits 2011 Foto: picture alliance / Horst Ossinger

„Eigentlich war das ja die Idee meiner Frau“, gibt er gleich zu Beginn des Gesprächs offen zu. „Ich hatte damals den Auftrag für den Entwurf von dem ‚Verein Wuppertalbewegung e.V.‘ Ich hatte schon einige Designs probiert, war aber mit allem irgendwie unzufrieden. Und dann sagte sie: ‚Probier es doch mal mit Lego-Steinen.‘“ Zur Einordnung: Der Verein gestaltete damals die sogenannte Nordbahntrasse, eine stillgelegte Bahnstrecke, zu einem 20 Kilometer langen Fuß- und Fahrradweg um. Für die Verschönerung der tristen Überführungen hatte man Heuwold angefragt. Und dank des Hinweises seiner Frau realisierte er dann 2011 die erste seiner mittlerweile zwei Lego-Brücken.

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„Das waren ungefähr zwei Wochen Arbeit, sechs bis sieben Stunden am Tag“, erinnert sich der Künstler. „Die komplette Grundfläche von 250 Quadratmetern habe ich per Hand mit Rolle und Streichfarbe bemalt, die Feinheiten dann mit Sprühlack gemacht. Es passiert ja nicht jeden Tag, dass man eine ganze Brücke als Fläche angeboten bekommt, da war ich natürlich hochmotiviert.“ Bei seiner Arbeit half ihm, dass er eine Ausbildung als Maler besitzt. Doch sicher hätte Heuwold niemals damit gerechnet, was nach Fertigstellung der ersten seiner Lego-Brücken passierte.

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Internationaler Medien-Hype

Erst habe die lokale Presse darüber berichtet, doch dann seien Bilder von seiner Brücke auf Blogs in den USA aufgetaucht. „Und plötzlich kamen Anfragen von Medien aus der ganzen Welt. Zunächst aus England, wo mein Werk in Zeitungen wie dem ‚Telegraph‘ und der ‚Sun‘ zu sehen war. Es folgten Berichte aus Asien, Südamerika, der Türkei, der Schweiz und vielen anderen Ländern. Die waren meist sogar so nett, mir die Belegexemplare zuzuschicken. Die habe ich heute noch, das ist eine sehr schöne Sammlung und Erinnerung.“ Doch nicht nur das: Heuwolds Lego-Brücken wurden mittlerweile vielfach kopiert. So gibt es unter anderem in Frankreich, Argentinien und Indien Ableger des Originals.

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Skurril: Vor der Realisierung der ersten seiner LEGO-Brücken holte der Verein Wuppertalbewegung e.V. sogar die offizielle Genehmigung des Spielzeug-Giganten ein. „Wir haben denen ganz höflich und auf Englisch eine Mail geschrieben und das geplante Design mit angehängt. Sie waren davon überzeugt und haben uns dann auch schnell das Go dafür gegeben.“ Was für Heuwold folgte, waren mehrere Auszeichnungen. Er gewann unter anderem 2012 den Förderpreis des Deutschen Fassadenpreises der Firma Brillux, deren Farben er auch bei der Realisierung seines Projekts genutzt hatte. Eine weitere Auszeichnung gab es 2013 von der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“.

Ein Monat Arrest

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Für seine Karriere war die erste von heute zwei LEgo-Brücken natürlich ein ordentlicher Boost, wie Heuwold unumwunden und mit ein wenig Stolz in der Stimme sagt. „Selbst im Ausland kennen Menschen oft meine Brücken. Sie waren sogar mal das Thema einer Frage in der Orininal-US-Version der Quizsendung ‚Jeopardy‘. Die haben ganz höflich bei mir angefragt und mir hinterher noch den Stream der Sendung geschickt.“ Auch heute sei es immer noch wie ein Türöffner, wenn er erwähne, dass er der Künstler hinter den Lego-Brücken ist.

Dabei liegt hinter Heuwold oder MEGX eine erstaunliche Wandlung, denn als Jugendlicher hatte er laut eigener Aussage wegen illegaler Graffiti laufend Ärger mit dem Gesetz, saß sogar einmal einen Monat in Arrest. Seine „Karriere“ begann er 1989 als 13-Jähriger auf den Straßen, die er auch heute noch so liebt: „Die ständigen Gerichtsverfahren haben mich aber sehr viel Kraft gekostet, und mit 19 wurde mir das dann alles zu viel.“ Er schrieb sich bei der örtlichen Fachhochschule für Gestaltung ein, brach wieder ab und lernte seine heutige Frau kennen. Als diese „recht schnell“ schwanger wurde, begann er mit 23 Jahren mit seiner Maler-Ausbildung.

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Bald schon machte er sich selbstständig, übernimmt schon seit 2005 nur noch Gestaltungsprojekte. Die zweite seiner Lego-Brücken, die wegen ihrer entsprechenden Farbpalette auch als Regenbogenbrücke bekannt ist, malte er 2020 an. „Es ist ein Werk für alle Menschen, ein Zeichen für Offenheit. Ich kann als Sprüher ja nicht nur eine Farbe darstellen.“ Ob es weitere LEGO-Brücken geben werde, könne er jetzt noch nicht sagen. Nur, dass er auch in Zukunft so weitermachen wolle wie bisher. „Legal, illegal, das war mir immer scheißegal“, lacht er. Und dann: „Schreiben Sie das ruhig genau so.“ Damit verabschiedet sich der Künstler, um sich wieder ganz seiner großen Liebe zu widmen: dem Verschönern einer Oberfläche.

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