11. Oktober 2025, 15:01 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Von Nahem wirkt er noch imposanter als aus der Ferne: Im baden-württembergischen Rottweil ragt ein riesiger Turm wie ein Bohrer hoch in den Himmel zwischen Schwäbischer Alb und Schwarzwald. Wozu der Turm gebaut wurde und was es in Rottweil sonst noch zu entdecken gibt.
Sieht man am Turm hinauf und auf die darüber ziehenden Wolken, kann einem ganz schwindlig werden. Die Sonne blitzt hinter der Spitze hervor und zaubert ihm einen Strahlenkranz. Was für ein Gigant! Noch beeindruckender ist allerdings der Ausblick von der Aussichtsplattform in 232 Metern, es ist die höchste in Deutschland.
Die Eleganz wurde dem Turm mit einer changierenden Hülle verliehen, über Stahlrohre gespannt. Ein gedrehtes Designer-Kleid quasi – stabil und windabweisend zugleich. Darunter steckt eine schlichte Betonröhre mit zwölf Aufzugschächten für Tests neuer Systeme für immer höhere und schnellere Aufzüge. Die allerneuste Innovation funktioniert mit der Technologie der Magnetschwebebahn – ohne Seile also.
Schon der Bau war ein Abenteuer: 32 Meter tief ist allein die Baugrube. Zunächst wurde in den stabilen Fels gesprengt, die letzten zehn Meter in die Tiefe, wo sich Muschelkalk fand, fräste ein Bagger aus.
Wie der Gigant nach Rottweil kam
Die verantwortliche Firma, früher ThyssenKrupp Aufzüge, heute TK Elevator, sitzt in Neuhausen auf den Fildern. Das liegt in der Nähe des Stuttgarter Flughafens und dort konnte aus Sicherheitsgründen nicht gebaut werden.
Gesucht wurde im Umkreis von 100 Kilometern, und zwar verkehrsgünstig gelegen. Alexander Keller, Chef der Aufzugssparte, kannte die Gegend – und so landete man schnell in Rottweil. Von der in der Nähe vorbeiführenden Autobahn 81 ist der Turm gut zu sehen.
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Wie Deutschlands höchste Aussichtsplattform entstanden ist
2013 gab es die erste Begegnung mit den Firmenchefs, 2014 beschäftigte sich der Gemeinderat mit dem Thema. Viele Einwohner hatten Angst, dass die Ansicht der historischen Innenstadt gestört werden könnte. Geplant war zunächst ein reiner Industriebau. Erst die Idee der öffentlichen Besucherplattform brachte die Parteien zusammen, das Entgegenkommen der Firma ebnete den Weg.
Für Besucher wird die Plattform von Freitag bis Sonntag zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet. Sie ist 80 Meter höher gelegen als die des Stuttgarter Fernsehturms, und knapp 30 Meter höher als die des Berliner Fernsehturms. Mit dem Besucherfahrstuhl dauert die Fahrt nach oben 30 Sekunden. Oben angekommen kann man sich im Innenraum an die Höhe gewöhnen, bevor man hinaustritt in den Wandelgang zwischen Glas- und Glaswand. Nach unten sind die äußeren Scheiben abgetönt. Das mildert die Höhenangst.
Warum sich ein Besuch in Rottweil sonst noch lohnt
Lohnenswert ist auch ein Besuch in der gut erhaltenen historischen Innenstadt. Typisch für Rottweil sind die traufständigen Bürgerhäuser mit ihren zahlreichen Erkern, die meisten davon stammen aus der Barockzeit. Beeindrucken kann die Stadt auch mit ihren mittelalterlichen Kirchen und Türmen. Sehenswert ist zum Beispiel die Pelagiuskirche. Unter der Kirche lagen Thermen. Römische Säulen tragen den Boden, Warmluft zirkulierte hier vor 2000 Jahren als Fußbodenheizung.
Der höchste Turm in der Innenstadt von Rottweil ist der Hochturm, und der berühmteste das Schwarze Tor. Auf den Hochturm kann man klettern. Ein echtes Retro-Vergnügen im Vergleich zur Aufzugfahrt im Testturm auf Deutschlands höchste Aussichtsplattform.

