Erfahrungsbericht

Günstig, voll und wenig Kontrolle – mein Flug von Lissabon nach Berlin in Corona-Zeiten

Koffer mit Maske und Pass
Reisen fühlt sich in Zeiten von Corona nicht unbedingt normal an, fliegen Maske und Ansteckungssorge in der Regel mit
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Knapp drei Monate war TRAVELBOOK-Autorin Anna Wengel in Portugal, dann flog sie von Lissabon zurück nach Berlin. Für uns hat sie aufgeschrieben, was sie dabei erlebt und wie sich das für sie angefühlt hat.

Ich habe lange überlegt, ob das jetzt eine gute Idee ist. In Portugal sind die Corona-Zahlen zwar nicht toll, aber besser als in Deutschland und vor allem besser als in Berlin. Und sowieso fühlt sich Leben für mich dort gut an. Gefühlt alle halten sich an die Corona-Maßnahmen, während sie weiter entspannt ihren Alltag leben. Da klang zurück nach Berlin mit seinen hohen Zahlen, Corona-Demonstrationen und Meckermenschen erst einmal so gar nicht attraktiv. Und sowieso ist Reisen aktuell keine sonderlich gute Idee – in Anbetracht meiner Selbst-Isolation und der diversen Teil-Lockdowns in den letzten Wochen kann ich das aber gerade vertreten.

Der Grund, aus dem ich überhaupt über einen Flug im Dezember nachgedacht habe, ist Weihnachten. Ich mag und vermisse meine Familie und möchte die Feiertage gern gemeinsam mit ihr verbringen. Meinem Partner geht es genauso, also buchten wir einen Flug: 4. Dezember von Lissabon nach Berlin – für jeweils rund 20 Euro plus Gepäck, insgesamt kommen wir zu zweit bei diesem Flug auf knapp 110 Euro. Ich glaube, ich bin noch nie so günstig geflogen und finde es in diesem Moment so praktisch wie erschreckend.

Einreisebestätigung und Aufregung am Gate

Am Flughafen ist es dann wie erwartet leer, wobei nicht ganz so leer wie gedacht. Statt der gewohnten langen Schlangen am Gepäckschalter stehen hier zehn Menschen vor, hinter und neben uns. Alle halten Abstand und tragen Masken. Wir zeigen Bordkarten und Pässe, dann dürfen wir unsere Taschen abgeben. Nach einer weiteren Bordkartenkontrolle und der Sicherheitsschleuse sind wir schon am Gate und warten. Der kleine Raum ist voll, ziemlich viele maskierte Menschen wollen heute anscheinend nach Berlin. Ob die alle wissen, dass sie dort in Quarantäne müssen? Ein Airline-Mitarbeiter kommt mit einem Stapel Zettel und sofort sammelt sich eine Traube Menschen um ihn. Sieht aus wie die Einreiseanmeldung in Papierform. Die haben wir online gemacht und damit das Gesundheitsamt informiert, dass und womit wir fliegen, wo wir bleiben und dass wir wissen, dass wir direkt nach unserer Ankunft in eine zehntägige Quarantäne müssen, weil Portugal laut Robert-Koch-Institut Risikogebiet ist.

Eine ältere Frau geht auf den Airlinemann zu, fragt Dinge und fängt dann an zu schimpfen. Aufgeregt wedelt sie mit einem der Zettel. Ihre Mitreisenden versuchen, sie zu beruhigen, doch die Schimpfende will das offenbar nicht. Sie schimpft und wedelt weiter mit dem Zettel, jetzt in Richtung der Menschen, die inzwischen einen Fluggast nach dem nächsten heranwinken und auffordern, die Bordkarten an den Scanner zu halten. Wen genau sie mit ihrer Kritik erreichen möchte, ist mir nicht klar. Ich kann auch niemanden vom Flughafenpersonal ausmachen, der ihr Aufmerksamkeit schenkt.

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Flugzeug fast komplett besetzt

Als ich vorab online meine Sitzplätze aussuchte, waren erst fünf oder sechs Plätze bereits belegt und ich dachte, das Flugzeug sei ziemlich leer. Fand ich logisch in Anbetracht von Coronarisiko und Quarantänepflicht. Entsprechend überrascht bin ich, als sich das Flugzeug dann doch zu mehr als Dreiviertel füllt. Von freien Mittelsitzen oder gar ganzen Bankreihen ist hier nichts zu sehen. Da wir bei TRAVELBOOK einige Wochen zuvor über eine Harvard-Studie berichteten, die ergab, dass die Ansteckungsgefahr im Flieger eher gering ist, beunruhigt mich das nicht besonders. Die Flugbegleiter gehen den ganzen Flug über regelmäßig den Gang auf und ab und erinnern Fluggäste daran, ihre Masken bitte ganz aufzusetzen und sie nicht irgendwo neben dem Ohr baumeln zu lassen oder unter die Nase zu ziehen. Das finden anscheinend alle okay, der Flug verläuft ruhig. Erst beim Aussteigen sehe ich die schimpfende Frau wieder – und sie schimpft immer noch. Oder wieder.

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Mit vielen maskierten Menschen verlassen wir schließlich das Flugzeug, stehen mit Abstand voneinander auf dem Rollfeld und steigen in zwei Busse. Anders als in den sonst oft gedrängten Flughafenbussen haben wir heute ziemlich viel Platz. Am Gepäckband angekommen, braucht es vielleicht gerade mal fünf Minuten, bis wir unsere beiden Taschen haben, schon können wir los. Ich erwarte, dass uns noch irgendwer anhält, vielleicht jemand diese Einreiseanmeldungs-Bestätigung sehen will. Das will aber niemand. Also raus aus dem Flughafengebäude. Übrigens der neue BER, zu meiner Enttäuschung leider nur Terminal 5, was auch nur Schönefeld mit neuer Namens-Tafel ist.

Fröhlich fahren wir schließlich durch das leere, weihnachtlich beleuchtete Berlin nach Hause – in die nächste, dieses Mal zehntägige Quarantäne. Frohe Weihnachten.