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TRAVELBOOK-Autor verrät seine Tipps

Die schönsten und wildesten Täler im Harz

Täler Harz
Die Täler im Harz bieten oft unberührte Natur und tolle Weitblicke, wie hier von der Kästeklippe im Okertal Foto: Getty Images
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Robin Hartmann Autorenkopf
Freier Autor

14. Dezember 2025, 7:26 Uhr | Lesezeit: 10 Minuten

Durchzogen oft von malerischen Flüssen, sind es die Täler im Harz, die der Region ihren besonderen Charakter verleihen. Manche von ihnen sind wahre Magneten für Naturfreunde und Wanderer, während andere noch als echte Geheimtipps gelten dürfen. TRAVELBOOK-Autor Robin Hartmann ist seit Jahren der Schönheit der Landschaften im Harz verfallen und hat für Sie ein paar der schönsten und wildesten Täler im Harz erwandert.

Und auf einmal sind sie da, die Gesichter in den Steinen. An diesem kalten, grauen Novembertag, an dem der Nebel so dicht ist, dass man kaum fünf Meter weit sehen kann, befinde ich mich an einem der schönsten und geheimnisvollsten Orte im gesamten Harz. Vermutlich schon die Kelten nutzten das Steinmühlental als Kultstätte, denn in den steil aufragenden, schroffen Felsen um mich herum kann man mit etwas Fantasie tatsächlich steinerne Gesichter erkennen. Ehrfurcht folgt Gänsehaut, als ich mich entlang eines beiderseitig des Weges verlaufenden Baches langsam durch die Nebelsuppe vortaste. Und mein Herz wieder einmal höher schlägt, weil ich draußen bin, wandern, frei.

Das Steinmühlental ist dabei nur meine jüngste Entdeckung, denn für mich sind es auch und vor allem die Täler im Harz, die der einzigartig schönen Landschaft ihren besonderen Charakter geben. Manche sind sanft, andere wild und ungezähmt, sodass man sich in ihnen wie ein Entdecker fühlen kann. In den acht Jahren, die ich mittlerweile schon im Harz immer wieder auf Wanderschaft bin, sind mir meine Touren durch die Täler oft in besonderer Erinnerung geblieben. Auf einige davon möchte ich Sie heute im Geist mitnehmen, so dass auch Sie vielleicht bald schon einmal ausziehen in die sensationell schöne Natur des Harz. Unsere Reise beginnt in dem kleinen Ort Rothesütte, im absoluten Nirgendwo.

Mystische Felsen

Eigentlich wollten meine Freundin und ich an diesem Tag zu einem Aussichtspunkt namens Drei-Täler-Blick, doch aufgrund des Nebels musste selbst ich irgendwann einsehen, dass das wenig Sinn ergeben würde. Stattdessen rief meine Freundin plötzlich verzückt, dass ich das Auto anhalten solle. Nämlich vor dem Restaurant-Café „Kaminstube“, das sich als großer Glücksgriff erwies. Einer dieser Orte eben, die einen Ausflug besonders machen können. Drinnen brannte tatsächlich sehr behaglich ein Kamin, und die frischen Speisen vor Ort sowie der Kaffee waren absolut hervorragend. So gut, dass ich der Wirtin von der Wildsülze noch zwei Stück für den Verzehr zu Hause abkaufte.

Diese typisch schrullige Harzerin empfahl uns dann auch die Wanderung durch das Steinmühlental, als sich der Nebel etwas zu lichten begann. Nach einem kurzen Weg durch den Wald öffnete sich vor uns eine weite, baumbestandene Ebene, die wir nun einfach querfeldein durchschritten – die Ausschilderung ist hier ziemlich lückenhaft, daher waren wir schon bald vom „offiziellen“ Weg abgekommen. Doch schon bald erhoben sich links und rechts von uns die eingangs erwähnten, mystischen Felsen. Besonders bei dieser Wetterlage ein Erlebnis, bei dem man die Verehrung des Tales durch die Kelten versteht. Auf der gesamten Strecke von etwa acht Kilometern trafen wir nur drei andere Menschen.

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Wandern zu jeder Jahreszeit

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Die Wanderung durch das Bodetal zählt zu den beliebtesten und spektakulärsten Touren im Harz Foto: Getty Images/imageBROKER RF

Deutlich voller wird es für gewöhnlich auf der Wanderung durch das Bodetal, die größte, tiefste und zweifellos berühmteste Schlucht in Ostdeutschland. Schon Dichterfürst Goethe besuchte sie, genau wie auch der Entdecker Alexander von Humboldt. Man erreicht sie am einfachsten von dem Ort Thale aus, den auch die Deutsche Bahn ansteuert. Bis zum Gasthaus Königsruhe verläuft die Strecke auf breiteren, flachen Wegen entlang des Bode-Flusses, der dem Tal seinen Namen gegeben hat. Dahinter wird es durchaus wilder, die Wege mitunter auch schmaler und anstrengender. Mal rauscht die Bode durch enge Talkessel wie ein Wildbach, mal mäandert sie breit und gemächlich am Wegesrand entlang.

In etwa zweieinhalb Stunden hat man das gut 10 Kilometer lange Stück von Thale bis Treseburg passiert. Die Strecke bin ich mittlerweile zu jeder Jahreszeit gelaufen, die jede für sich gesehen auch ihren ganz eigenen Reiz hat. Im Frühling blühen herrlich die Wildblumen und Bärlauch am Wegesrand, im Herbst findet der Wanderer mit offenen Augen vielleicht Steinpilze. Im Sommer kann man seine Füße im Fluss kühlen, und im Winter erspäht man auf den Hängen mit viel Glück und Geduld mitunter hier wild lebende Mufflons. In dieser Jahreszeit muss man aber auch auf das Wetter achten, weil es im Bodetal durch Kälte zu Felsabbrüchen kommen kann. Mitunter wird das Tal daher sogar ganz gesperrt.

Wanderung durch die Geschichte

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Das Selketal besticht durch seine sanfte Landschaft und viele historische Orte Foto: Getty Images/imageBROKER RF

Wer möchte, verlängert seine Tour entlang der Bode noch über die Dörfer Treseburg und Altenbrak. Das lohnt sich, weil in ersterem Ort am Fluss der vielleicht schönste Biergarten im gesamten Harz wartet, der zur „Pension Sternschnuppe“ gehört. In Altenbrak kann man bei der Forellenzucht Zordel frischen Fisch essen oder im „Café Fontane“ einkehren, das nicht nur gutes Essen serviert. Sondern auch noch mit einem einmaligen Ausblick auf den Ort und die weite Landschaft belohnt. Nur einen weiteren steilen Aufstieg entfernt wartet dann das „Forsthaus Todtenrode“. Dieses verkauft hausgemachte Fleisch- und Wildspezialitäten, die im Hinblick auf Qualität und Preis ihresgleichen suchen.

Ebenfalls von Thale aus erreicht man zu Fuß das ebenso schöne Selketal. Ebenfalls benannt nach dem es durchfließenden Fluss, kann der Wanderer hier problemlos auch mehrere Tage am Stück unterwegs sein. Entlang des klaren Quells findet sich streckenweise auch ein Naturlehrpfad für kleine Wanderer. Und die Großen können mal so richtig abschalten, weil es hier weitflächig keinen oder nur schlechten Handyempfang gibt. Entlang der Route warten zahlreiche Burgen und Schlösser, zum Beispiel die Burg Falkenstein. Auch heute noch eine beeindruckende Festung, die man über einen sehr steilen Anstieg erreicht, wurde hier einst ein Stück deutscher Geschichte geschrieben.

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Das „Harz-Atlantis“

Und das ist wörtlich zu nehmen, denn der Adelige Eike von Ragow verfasste auf der Burg den sogenannten „Sachsenspiegel“, das bedeutendste deutsche Rechtswerk des Mittelalters. Auch die Burgruine Anhalt ist den strammen Aufstieg wert. Unterwegs auf der Strecke sieht man zahlreiche Zeugnisse, die von der jahrhundertealten Geschichte des Bergbaus im Harz künden. Bei dem Ort Mägdesprung lohnt ein Aufstieg zum Aussichtspunkt Köthener Hütte. Denn natürlich sind die Täler im Harz auch besonders dann beeindruckend und schön, wenn man von oben auf sie hinabschaut. Highlight: Wer möchte, kann das Selketal auch mit der Harzer Schmalspurbahn durchqueren. Der Tarif ist sogar im Deutschlandticket inbegriffen.

Ebenfalls mehrere Tage kann man durch das besonders wilde und einsame Okertal wandern. Eine mögliche Tour startet zum Beispiel in Goslar und führt über Orte wie Schulenberg und an der Okertalsperre entlang, auf der sogar Schiffe verkehren. Der Bau des Staudamms ließ übrigens das alte Schulenberg in den Fluten versinken, weshalb man es mitunter auch als „Harz-Atlantis“ bezeichnet. In dem gemeindefreien Ort Romkerhalle gibt es gleich zwei Sehenswürdigkeiten zu erwandern. Nämlich zum einen den höchsten Wasserfall im gesamten Harz, angelegt von einem englischen Royal. Und dann noch das selbst ernannte „kleinste Königreich der Welt“, ein ehemaliges Jagdschloss des Monarchen, das heute ein skurriles Hotel ist.

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Durch den Nationalpark

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Das Eckertal liegt im Nationalpark Harz Foto: Getty Images/imageBROKER RF

Vom Treppenstein oder den Kästeklippen hoch über dem Okertal hat man dann nach schweißtreibendem Aufstieg eine einmalige Weitsicht auf das Land. Genauso wie von der Wolfswarte nahe Altenau, einem fast 1000 Meter hohen Bruchberg. Wer möchte, kann dann in dem geschichtsträchtigen Bergbau-Ort Altenau auch noch einkehren. Von den zahlreichen Restaurants ist der „Klippengrill“ das beste; vergleichsweise günstig und gut übernachtet man im „Hotel Engel“. Quasi Pflicht ist ein Besuch in der schönen Therme „Heißer Brocken“, um hier in einer der zahlreichen Saunen zu entspannen oder sich in heißem Sole-Heilwasser zu erholen.

Nicht nur tolle Natur, sondern auch ein Stück Geschichte unseres Landes erwartet Wanderer im Eckertal. Wie alle Täler zuvor auch nach dem es durchfließenden Fluss benannt, verläuft dieses mitten durch den Nationalpark Harz. Wer möchte, startet von Schierke anspruchsvoll mit einer Tour über den Wurmberg, die zweithöchste Erhebung im Harz. Der Abstieg führt dann auch recht schnell zum Eckersprung, der Quelle des Flusses. Diesem folgend, gelangt man an den Ecker-Stausee. Mitten durch ihn hindurch verlief bis 1989 die innerdeutsche Grenze, was seinen Betrieb erheblich erschwerte. Noch immer sieht man auf der Staumauer die Demarkationssteine mit dem Schriftzug „DDR“.

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Wasserfälle und Heilquellen

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Man kann seine Tageswanderung von hier aus noch durch das Radautal zum Radau-Wasserfall verlängern, einer wunderschönen Kaskade, die heute leider unmittelbar an einer Schnellstraße liegt. Für mich ist es dennoch der beeindruckendste Wasserfall, den ich bisher im Harz gesehen habe. Es ist zwar ein Umweg, aber hungrige Wanderer gelangen auch über diese Strecke zu gleich zwei tollen Gasthäusern für eine mögliche Einkehr. Zum einen ist da das „Molkenhaus“ mit seinem großen (Bier-)Garten, wo ab Dezember auch Wildtierfütterungen stattfinden. Mein Favorit aber ist das Gasthaus „Rabenklippe“ mit seinen deftigen hausgemachten Spezialitäten. In einem angeschlossenen Großgehege kann man mit etwas Glück Luchse beobachten.

Und schon ist man fast in Bad Harzburg, wo im Bereich der an steilen Hängen liegenden Stadt noch zwei weitere Täler auf Wanderer warten. Zum einen ist da das Krodotal, das tolle Weitblicke über den Ort gewährt. Und dann das Kalte Tal, durch das der berühmte Baumwipfelpfad von Bad Harzburg verläuft. Besonders in der goldenen Färbung des Herbstes gewährt er einen unvergesslichen Spaziergang. Für kleine Gäste sind die Schnitzeljagden spannend, die sie an den verschiedenen Stationen entlang der etwa einen Kilometer langen Strecke durchlaufen können. Gespeist von gleich neun heilkräftigen Quellen, war die Stadt vor allem in der Vergangenheit ein beliebter Kurort. Das wohltuende Wasser lässt sich auch in der örtlichen Sole-Therme genießen.

Die Entdeckung des Jahres machte ich jedoch mit dem Innerstetal und dem dort befindlichen kleinen Märchenort Wildemann. Dieser bezeichnet sich selbst auch als Klein-Tirol, und liegt sensationell eingebettet in selbst für den Harz sehr steile, dicht bewaldete Hänge. Es regnete Bindfäden, und ich flüchtete mich in das liebevoll geführte „Café am Bohlweg“. Dort genoss ich nicht nur eine sagenhafte Sülze mit Bratkartoffeln, sondern auch gratis noch den Klatsch des gesamten, ebenfalls anwesenden Dorfes. Ich staune selbst darüber, aber alle der hier beschriebenen Täler habe ich 2025 erwandert und/oder neu entdeckt. Ich kann jetzt schon kaum abwarten, was das neue Jahr im Harz für mich wohl bringen mag.

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