3. Februar 2026, 12:56 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Schwebende Steine, fliegende Drachen und holografisch projizierte Riesen-Menschen: Was nach einem Science-Fiction-Blockbuster klingt, ist tatsächlich der Plan des saudischen Kronprinzen für einen gigantischen Würfel-Wolkenkratzer in Saudi-Arabien. „The Mukaab“ sollte bis zum Jahr 2030 das Highlight des neuen, 620 Milliarden schweren Zentrums „New Murabba“ in Riad werden. Jetzt hat das Königreich die Bauarbeiten des riesigen Gebäudes jedoch gestoppt.
400 Meter hoch, lang und breit und damit groß genug für 20 Empire State Buildings: Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman hatte ein gewaltiges Bauwerk in der Hauptstadt Riad geplant. „The Mukaab“, was auf Arabisch „Würfel“ bedeutet, sollte der Mittelpunkt und Herzstück des brandneuen, futuristischen Stadtzentrums „The Murabba“ werden. Mit dem geplanten Stadtzentrum an der Kreuzung der King-Salman-Straße und der King-Khalid-Straße im Nordwesten von Riad wollte man die saudische Hauptstadt um 19 Quadratkilometer erweitern und Platz für Hunderttausende Einwohner schaffen, wie „Arab News“ im Februar 2023 schrieb. Der Giga-Kubus „The Mukaab“ sollte dabei als größtes innerstädtisches Gebäude der Welt die Skyline von Riad prägen und mit hochmodernen Unterhaltungs-, Gastronomie- und Shoppingangeboten Besucher aus aller Welt anziehen. Soweit der Plan. Das Projekt wurde, nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters, nun vorerst gestoppt.
Übersicht
Saudi-Arabien prüft Finanzen seiner Vision 2030
Saudi-Arabien habe den geplanten Bau des „kolossalen, würfelförmigen Wolkenkratzers (…) vorerst ausgesetzt“, schreibt die Nachrichtenagentur und beruft sich auf vier mit der Angelegenheit vertraute Personen. Der Grund: Saudi-Arabien wolle die Finanzierung und Machbarkeit dieses und anderer Projekte neu bewerten.
„The Mukaab“ ist ebenso wie „New Murabba“ Teil der futuristischen „Vision 2030“ Saudi-Arabiens. Und es ist nicht das einzige der darin enthaltenen gigantischen Projekte, die aktuell auf Eis gelegt und neu bewertet werden. Auch die Pläne für „The Line“, ein ursprünglich auf 170 Kilometer Länge angedachter Wolkenkratzer in der Zukunfts-Stadt Neom, wurden bereits massiv verkleinert (TRAVELBOOK berichtete).
Ursprünglich war die sogenannte „Vision 2030“ eine Strategie zur Diversifizierung der saudischen Wirtschaft. Um sich unabhängiger vom Ölsektor zu machen, ist auch das Stärken des Tourismus eines der großen Vorhaben des Prinzen Mohammed. Bis 2030 beabsichtigte er jährlich 55 Millionen internationale Touristen anzulocken. Sein Ziel, auch für Touristen „ein Mekka“ zu werden, gab der Wüstenstaat bereits 2017 bekannt.
Laut Reuters wendet sich das Königreich inzwischen jedoch zunehmend von seinen futuristischen Großprojekten ab und konzentriert sich stattdessen auf dringlichere und möglicherweise profitablere Projekte. Im Fokus stehen laut der Quellen Reuters unter anderem „die Infrastruktur für die Weltausstellung 2030 und die Fußball-Weltmeisterschaft 2034“. Außerdem konzentriere sich das saudische Königreich weiterhin auf die riesige „60 Milliarden Dollar teure Diriyah-Kulturzone mit gemischter Nutzung und das Tourismus-Megaprojekt Qiddiya“. Die Nachrichtenagentur wertet diese Neuausrichtung des saudischen Königreichs als Zeichen für dessen „fiskalischen Druck“.
„The Mukaab“ sollte einst „ein Tor zu einer anderen Welt“ werden
Auf der offiziellen Internetseite wurde der Giga-Würfel mit seinen 121 Stockwerken im Jahr 2023 als „gateway to another world“ beschrieben. Im Inneren des gigantischen Würfels, dessen Fassade vom traditionellen Architekturstil der Region „Najdi“ inspiriert sein sollte, wollte man den Plänen zufolge das weltweit erste immersive Reiseziel schaffen. Das wollte man durch digitale und virtuelle Technologie mit modernster Holografie erreichen. So sollte die gesamte „Kuppel“ ein Bildschirm sein, von dem man etwa die Umgebung auf dem Mars simulieren können sollte. Besucher sollten in „The Mukaab“ durch ferne Planeten und magische Welten reisen können, ohne je das Gebäude zu verlassen.
Die „immersive Erlebnisstruktur“ sollte neben Hotel- und Wohneinheiten, Gewerbeflächen und Freizeiteinrichtungen auch den Einzelhandel, kulturelle und touristische Attraktionen umfassen. Auch ein Museum, eine Hochschule für Technologie und Design, mehr als 80 Unterhaltungs- und Kulturveranstaltungen sowie ein Theater sollten in dem futuristischen Kubus Platz finden. Insgesamt sollte das neueste größte innerstädtische Gebäude der Welt „The Mukaab“ 25 Millionen Quadratmeter Nutzfläche bieten. Alles sollte jedoch innerhalb von 15 Minuten zu Fuß erreichbar sein. Zudem war ein eigenes internes Verkehrssystem geplant.
So die ursprüngliche Vision des gigantischen Würfel-Gebäudes. Wie genau es künftig mit „The Mukaab“ weitergeht, ist aktuell nicht klar. „Die Arbeiten über den Aushub und die Pfahlgründung hinaus wurden eingestellt“, heißt es seitens Reuters. Die Nachrichtenagentur beruft sich hierbei auf drei Quellen. An der Bebauung umliegender Grundstücke werde hingegen festgehalten.
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„New Murraba“ und „The Mukaab“ sind umstritten
Während für „The Line“ Anwohner gewaltsam umgesiedelt und etwa 20.000 Mitglieder des indigenen Stammes der Howeitat aus ihrer Heimat vertrieben wurden, ist die Kontroverse um den Giga-Würfel „The Mukaab“ keine humanitäre, sondern eine religiöse. Viele Muslime werfen dem Kronprinzen Blasphemie vor. Denn „The Mukaab“ ist in seiner Kubus-Form angelehnt an die Kaaba, die sich im Innenhof der Heiligen Moschee in Mekka befindet und als „Haus Gottes“ das zentrale Heiligtum des Islams bildet. Das neue größte Gebäude der Welt „The Mukaab“ wird als „heilige Stätte des Kapitalismus“ kritisiert, dessen Symbolik verärgert. So meinen Kritiker, das milliardenschwere Vorhaben diene dem Zweck, die Gesellschaft weiter mit Entertainment zu verwestlichen und zu liberalisieren.
Außerdem war, unabhängig von seiner jetzt ungewissen Zukunft, davon auszugehen, dass das Projekt nicht für jeden erschwinglichen Angebote umfassen werde. „Die Planer müssen dafür sorgen, dass dieses Viertel nicht als Enklave für Wohlhabende wahrgenommen wird und sich in die Gesamtstadt integriert. Es müssen Verbindungen geschaffen werden, um sicherzustellen, dass das Viertel und das ikonische Gebäude für eine breite Masse von Menschen zugänglich sind und dass es sich nicht um ein rein kommerzielles und gewinnorientiertes Unternehmen handelt“, erklärte Yasser Elsheshtawy gegenüber „Arab News“.
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