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Lange Zeit lebte hier niemand

Bagnoregio – das italienische Geisterdorf, das nur zu Fuß erreichbar ist

Cività di Bagnoregio
Cività di Bagnoregio liegt in der Region Latium nördlich von Rom. Es gehörte lange Zeit zu Italiens „sterbenden Städten“ – doch es gibt neue Hoffnung.Foto: Getty Images

In Hinterland Italiens gibt es ein Dorf, das zu den schönsten des Landes gehört: Cività di Bagnoregio. Nicht mal ein Dutzend Einwohner hat es, dafür kämpfen andere um die Wiederbelebung. Und tatsächlich gibt es neue Hoffnung für das Dorf, in dem einst niemand mehr lebte.

Wie eine Krone aus Stein thront das Dorf mitten auf dem Fels – und gäbe eine perfekte Kulisse ab für diverse Filmstoffe von Fantasy bis History. Auch ein Opernfestival könnte man sich vor den ehrwürdigen Mauern gut vorstellen. Doch das einzige, was in Cività di Bagnoregio lange Zeit inszeniert wurde, ist: das Sterben. Denn der Ort, der nur zu Fuß über eine 250 Meter lange Brücke erreichbar ist, gehört zu den città che muoiono, den „sterbenden Städten“ Italiens, aus denen schon lange sämtliches Leben gewichen ist; wegen der Abgeschiedenheit, des Verfalls, der Perspektivlosigkeit. Doch es gibt neue Hoffnung für Cività di Bagnoregio.

Die sterbende Stadt

In Cività di Bagnoregio begann das Sterben bereits im Jahr 1695, als ein Erdbeben den Ort erschütterte und nicht zuletzt den hier ansässigen Bischof in die sichere Ebene vertrieb, wo er schließlich seinen neuen Sitz bezog. Danach entwickelte sich der benachbarte Ortsteil, Bagnoregio, der sehr viel leichter zugänglich war und weniger Gefahren durch Erdrutsche barg. Aus sicherer Entfernung konnte man hier den Blick auf die Altstadt von Cività genießen.

Cività di Bagnoregio
Cività di Bagnoregio ist nur zu Fuß über eine Brücke erreichbarFoto: Getty Images

In den Siebzigerjahren entdeckten Künstler das malerisch gelegene Dorf auf dem Tuffhügel und belebten die verlassenen Ruinen wieder. Modedesigner, Filmregisseure und Adlige nahmen hier Domizil – doch lange blieben sie nicht. Erdrutsche und hohe Kosten machten das Leben auf dem Fels schwer, teuer und gefährlich. In den 1990er-Jahren zählte man gerade mal sieben bis 15 Einwohner in Cività di Bagnoregio.

Rettungsinitiative für Cività di Bagnoregio

Schon drohte der Ort, gänzlich zu sterben – als eine Initiative zu dessen Rettung antrat. Das Dorf sollte auf die Liste der Unesco, so ihr Plan. Und zahlreiche Lokalpolitiker und viele Künstler – darunter etwa Dario Fo und Bernardo Bertolucci – unterzeichneten eine entsprechende Petition. Nun gibt es in dieser Hinsicht gute Nachrichten: Wie das italienische Tourismusportal tgtourism.tv berichtet, hat der Exekutivrat der italienischen Nationalkommission für die Unesco im März 2021 entschieden, dass die „Kulturlandschaft von Cività di Bagnoregio“ der nächste Kandidat für die Aufnahme in die Welterbeliste werden soll. Die Entscheidung darüber soll dem Bericht zufolge im Jahr 2022 fallen.

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Derweil nagt die Zeit an den porösen Mauern der Palazzi und Plätze. Um Mittel für den Erhalt zu sammeln, führte man 2013 eine Eintrittsgebühr für den Ort ein. Wer sich zwischen Brunnen und Bischofskirche bewegen will, muss seitdem vorher einen Obolus von 1,50 Euro entrichten. 43.000 Besucher taten das allein im August 2015, von Rom mittels Tourguides auf den Berg gebracht, und entdeckten die Magie eines einzigartigen Ortes. „Das Gefühl versteht, was der Verstand nicht begreift“, hatte der Philosoph Bonaventura, berühmtester Einwohner des Ortes, einmal gesagt. Und der Spaziergänger durch den Ort spürt schnell, was er damit wohl gemeint hat.

Cività di Bagnoregio
Die wenigen Einwohner haben begonnen, das Dorf hübsch herzurichtenFoto: Getty Images

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Leben kehrt langsam zurück

In den vergangenen Jahren ist das Leben langsam zurückgekehrt nach Civita di Bagnoregio. Bevor die Corona-Pandemie ausbrach, bot eine US-Uni Sommerkurse an, es fanden regelmäßig Konzerte statt, und immer mehr Gebäude werden von auswärtigen Investoren instand gesetzt – als Zweitwohnsitz oder Feriendomizil.

Hinweis: Die Einreise nach Italien aus Deutschland ist derzeit zwar mit Einschränkungen möglich. Jedoch warnt das Auswärtige Amt derzeit aufgrund hoher Infektionszahlen noch vor nicht notwendigen, touristischen Reisen nach Italien.

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