5. September 2025, 7:04 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Auf dem Hochschulcampus der Universität Kaiserslautern im rheinland-pfälzischen Zweibrücken steht die wohl berühmteste Sternwarte der Welt. Diese sieht nämlich aus wie eine gigantische Version des liebenswerten Roboters R2-D2 aus den originalen „Star Wars“-Filmen. Hinter der Idee steckt ein Dozent der Hochschule, der sich bereits seit seiner Kindheit für galaktische Themen begeistert. Sogar Hollywood wurde schon auf sein Observatorium aufmerksam.
Dieser Ort in Deutschland, lässt die Herzen von Fans der originalen „Star Wars“-Filme höher schlagen. Die Rede ist von einer Sternwarte auf dem Hochschulcampus der Universität Kaiserslautern im rheinland-pfälzischen Zweibrücken. Denn diese sieht haargenau so aus wie eine gigantische Kopie des sympathischen Roboters R2-D2 aus den Science-Fiction-Streifen. Bereits seit 2018 kommen daher immer wieder Menschen aus aller Welt, um sich davor zu fotografieren. Ausgelöst wurde dieser Hype durch einen Dozenten, der in den Medien mittlerweile auch scherzhaft als „Doktor Enterprise“ bezeichnet wird. Und durch einen echten Hollywood-Star, der einen Medienrummel verursachte, von dem man im beschaulichen Zweibrücken wohl niemals geträumt hätte.
Doch der Reihe nach. Der geistige Vater der R2-D2-Sternwarte in Zweibrücken ist Dr. Hubert Zitt, seines Zeichens Ingenieur und Dozent für Informatik an der Hochschule Kaiserslautern. Dieser ist nicht nur für das ungewöhnliche Design des Observatoriums verantwortlich, er hat es auch selbst mit aufgebaut. „Zu Beginn der Jahrtausendwende hatte ich einen Job als Assistent an der Fachhochschule und habe dort promoviert“, erinnert er sich auf TRAVELBOOK-Anfrage. Damals gründete er mit anderen den Naturwissenschaftlichen Verein zu Zweibrücken e.V., der auch heute noch existiert. Dieser kümmerte sich in der Folge um den Bau der Sternwarte, wobei Zitt tatkräftig half. „Ich war am Einbau der Kuppel beteiligt, die wir extra aus den USA bestellt hatten. Auch bei Licht und IT-Technik habe ich geholfen.“
Ein Zufall trat alles los
2018 dann war die Sternwarte bereits etwas in die Jahre gekommen, benötigte einen neuen Anstrich. „Da ist mir dann die Idee zu dem R2-D2-Design gekommen. Ich bin vorher immer wieder daran vorbeigelaufen, und von der Form her hat mich das Gebäude einfach an den Roboter erinnert.“ Anfang August, mitten in den Sommersemesterferien, machte sich Zitt dann mit seinem Freund Klaus Ruffing an die Arbeit für den ungewöhnlichen Anstrich. „Wir haben da insgesamt 120 Arbeitsstunden reingesteckt. Eine Woche lang, von morgens bis abends pinseln. Ursprünglich waren wir nur zu zweit, aber es kamen dann immer wieder Menschen, die einfach so freiwillig geholfen haben.“
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Und dann passierte etwas, womit weder Zitt noch sonst jemand gerechnet hatte. Denn noch während der Arbeiten kam zufällig ein Journalist der Zeitung „Rheinpfalz“ vorbei und die R2-D2-Sternwarte landete das erste Mal in den Medien. Es folgten weitere kleinere Berichte, dann schien die Sache langsam abzuebben. Doch am 22. März 2019 schließlich wurden sowohl das Observatorium als auch Zitt plötzlich über Nacht weltweit bekannt. Der Schauspieler Mark Hamill, der in den originalen „Star Wars“-Filmen die Hauptfigur Luke Skywalker spielt, wurde nämlich durch ein Bild im Netz auf das Observatorium aufmerksam. Und verfasste dazu einen Tweet, der eine Berichterstattungs-Maschinerie von, nun ja, galaktischen Ausmaßen in Gang setzte.
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Weltweiter Hype
„Ab da war bei uns die Hölle los“, erinnert sich Zitt lachend. „Die Klickzahlen unserer Uni-Webseite gingen durch die Decke, ich hatte Anfragen von Medien aus aller Welt.“ Innerhalb nur einer Woche wurden Bilder von der R2-D2-Sternwarte in den Sozialen Medien 250 Millionen Mal geklickt und in nur ein paar Tagen gab es 150 Presseberichte in Printmedien rund um den Globus. „Unsere Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit rief mich anfangs an und fragte: Hubert, was hast du denn da schon wieder gemacht?!“ In der Folge kamen einige Wochen lang Massen an „Star Wars“-Fans, um sich vor der Sternwarte, teils in Kostümen, ablichten zu lassen. „Die haben sich aber nur für das Äußere des Gebäudes interessiert. Ein paar Bilder und weg waren sie wieder.“
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Der ganz große Hype flachte nach ein paar Wochen wieder ab, aber auch heute kämen laut Zitt immer noch Menschen für Bilder. Ein paar Hotels in der Nähe hätten „seine“ Sternwarte sogar im Programm für regionale Tagesauflüge. Der Dozent selbst ist übrigens auch längst eine Berühmtheit, denn er gibt seit fast 30 Jahren Vorlesungen rund um die Serie „Star Trek“, ein ebenfalls sehr erfolgreiches Science-Fiction-Franchise. „Schon als Kind war ich sehr technik-affin. Alles, was geblinkt hat, war interessant für mich. ‚Star Trek‘ hat auf mich deshalb so einen bleibenden Eindruck hinterlassen, weil das die erste Serie war, die ich als 9-jähriger Junge bei meiner Tante in Farbe gesehen habe.“ Dass es auch in der Serie viel um (futuristische) Technik geht, trug nur zu seiner Begeisterung bei.
Erfolgreicher Redner
Und so hielt Zitt bereits im Dezember 1996 das erste Mal eine Vorlesung zu dem Thema vor 250 Studenten seiner Hochschule. „Da hat dann auch gleich die überregionale Presse berichtet. Eigentlich hatte ich nur vier Veranstaltungen geplant, aber daraus sind bis heute über 500 geworden.“ Zitt hat schon Reden im Auftrag der Bundesregierung und großer Firmen wie Google gehalten, wird heute professionell durch eine Agentur vertreten. Bei seinen Shows tritt er dann auch stets in einem Kostüm auf, verkörpert einen der bei Fans so beliebten Serien-Charaktere. „Das ist mittlerweile ein sehr lukratives Nebeneinkommen“. Dankbar sei er vor allem dafür, dass er mit seinem Hobby Geld verdienen könne, statt welches dafür auszugeben.
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Zitts berühmte R2-D2-Sternwarte kann man auf dem Campus Zweibrücken jederzeit sehen. Wer sie jedoch auch einmal besuchen und von innen kennenlernen möchte, hat dazu laut dem Dozenten regelmäßig Gelegenheit. „Normalerweise ist an klaren Tagen immer freitags jemand nach Einbruch der Dunkelheit vor Ort.“ Der Eintritt ist für jedermann kostenlos. Wer sich für Zitts Arbeit und seine regelmäßigen Auftritte interessiert, der findet das Programm und Vieles mehr auf dessen eigener Website „Star Trek Vorlesung“.