18. Oktober 2026, 8:02 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Der Gräbendorfer See in Brandenburg in der Nähe des Spreewaldes entstand einst aus einem alten Braunkohle-Tagebau und ist heute ein wahres Naturparadies. Vor allem unter seiner Wasseroberfläche blüht eine lebendige Flora und Fauna, die seit Jahren Hobby-Taucher begeistert. Diese kommen aber auch, weil sich in dem Gewässer allerlei ungewöhnliche versunkene bzw. absichtlich versenkte Objekte befinden. Und dann ist da auch noch ein ganz besonderer Campingplatz.
Nahe der brandenburgischen Stadt Vetschau, unweit der magischen Kanäle des Spreewaldes gelegen, befindet sich ein einzigartiges und einzigartig schönes Gewässer. Wer heute an seinen Ufern steht, ahnt kaum noch, dass sich an seiner Stelle vor noch 30 Jahren ein gähnendes Loch befand, das ein Braunkohle-Tagebau in die Landschaft gerissen hatte. Seitdem passierte hier jedoch ein wahres Naturwunder, und heute ist der Gräbendorfer See ein Paradies für die lokale Flora und Fauna. Dies gilt besonders unter Wasser, weswegen der See auch bereits seit Jahrzehnten ein Mekka für Hobby-Taucher ist. Und für diese gibt es neben Fischen und Pflanzen auch noch viele andere, zum Teil sehr skurrile Objekte zu entdecken.
Aber der Reihe nach: 1979 entsteht der Tagebau Gräbendorf als Teil des Lausitzer Braunkohlereviers. Das gleichnamige Gräbendorf wird dafür von der Landkarte ausradiert, andere Orte in der Nähe zum Teil weggebaggert. Mehr als siebzig Menschen verlieren ihre Heimat wegen der Gier nach einem Rohstoff, dessen Vorkommen bereits 1992 wieder aufgebraucht sind. Laut der Webseite „Lausitzer Seenlandschaft“ beginnt bereits im folgenden Jahr die Sanierung des Kraters, ab 1996 flutet man das gewaltige Loch mit insgesamt 100 Millionen Kubikmetern Frischwasser aus der Spree. So entsteht schließlich bis 2007 der Gräbendorfer See, das erste vollständig geflutete Tagebaugewässer in Brandenburg. Schon wenig später kommen die ersten Taucher.
Vielfalt fast wie im Roten Meer
Olaf Miethke vom Tauchverein „Flossenfreunde Laasow“ erklärt die Begeisterung der Unterwasser-Fans für den Gräbendorfer See auf TRAVELBOOK-Anfrage: „Da er mit Frischwasser gefüllt wurde, ist er extrem klar. Daher hat man hier vergleichsweise tolle Sichtweiten von bis zu mehreren Metern.“ Und bereits 2008 entstand dann auch eine erste Anlaufstation für die Hobby-Taucher, nämlich ein schwimmendes Haus auf dem Gewässer. Dieses diente in der Folge als Basis für die Abenteuer unter der Gewässer-Oberfläche. „Das war die erste schwimmende Tauchschule Europas“, so Miethke. „Der Betreiber hat versucht, das richtig professionell aufzuziehen, musste aber 2016 aufgeben.“ Noch im selben Jahr übernahmen dann die „Flossenfreunde Laasow“, benannt nach einem Ortsteil von Vetschau.
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Der Verein hat aktuell um die 40 Mitglieder, die sich zwischen dem 1. Mai und dem 1. Oktober jeden Jahres jedes Wochenende treffen. Denn der Gräbendorfer See ist ein wahrhaft ungewöhnliches und sprichwörtlich sehenswertes Tauchrevier. Und das liegt daran, dass man hier unter Wasser jede Menge entdecken kann. Zunächst einmal ist da die reiche Flora und Fauna. „In einer Tiefe von etwa sechs Metern haben wir einen unglaublichen Artenreichtum. Wäre das Wasser etwas wärmer, wäre es hier genauso wie am Roten Meer in Ägypten.“ Der bis zu 42 Meter tiefe See ist so sauber, dass hier sogar Süßwasserquallen vorkommen. Doch das ist bei Weitem nicht alles, was man entdecken kann.
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Skurrile Objekte unter Wasser
Da liegen zum Beispiel ein alter Trabant und das Wrack eines Volvos. In 23 Metern Tiefe befinden sich außerdem die Überreste eines Segelkajütbootes. Noch skurriler: Ein sieben Meter langer Wal aus Beton und auf einem Areal von etwa 20 Quadratmetern eine Art Gräbendorfer See-Atlantis. Hier findet man alte Statuen, Säulen und einen Springbrunnen. „Es ist ein bisschen wie eine römische Ruine“, sagt Miethke. Und dann ist da noch ein echtes U-Boot, mit dem die Youtuber von „Real Life Guys“ hier einst auf Tauchfahrt gingen. „Das war der Startschuss für deren Karriere. Heute haben die unzähligen Fans, aber das war damals ein Riesenhype.“ Auf Youtube steht die Gruppe aktuell bei 2,1 Millionen Followern.
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Miethke lädt alle Interessierten herzlich ein, doch einmal am Gräbendorfer See auf ein Schnuppertauchen vorbeizukommen. „Der ganze Kurs dauert etwa zwei Stunden, davon ist man bis zu 20 Minuten unter Wasser. Wir erklären aber auch viel zur Theorie und zeigen, wie man das Equipment richtig zusammenbaut. Das Ganze kostet 40 Euro, und man kriegt ein gutes Gefühl für den Sport.“ Wegen des klaren Wassers ist der Ort aber auch ein Hotspot für Apnoetaucher. Also solche Taucher, die sich ohne Sauerstoff hinab in das kühle Nass wagen. „In 25 Metern Tiefe haben wir hier im Sommer fünf Grad, im Winter vier.“ Dann verabschiedet sich Miethke mit dem Gruß der Sportsfreunde: „Immer gut Luft.“
Camping ohne WLAN
Aber auch für alle anderen Naturfreunde ist der Gräbendorfer See auf jeden Fall einen Besuch wert, unter anderem wegen des einzigartigen Campingplatzes dort. Betreiber Uwe Stephan sagt auf TRAVELBOOK-Anfrage: „Als ich hier 2016 angefangen habe, war das noch grüne Wiese. Bei uns ist aber immer noch alles sehr naturnah.“ Sich selbst bezeichnet er scherzhaft als „Konny Reimann für Arme“. Der gelernte Gastronom bedient hier eine Nische, die nach wie vor sehr gefragt scheint: Er bietet auf seinem Campingplatz ausschließlich in Ostdeutschland hergestellte Produkte an. „Wir haben einen DDR-Burger und schenken Vita Cola aus. Zudem Softeis der Firma Komet, die sind 100 Jahre alt.“
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Auch die Bratwurst ist aus regionaler Produktion, Stephan bezieht seine Produkte am liebsten aus der unmittelbaren Umgebung. Platz hat er für bis zu 60 Fahrzeuge, nimmt aber keine Wohnmobile mehr auf, die länger als 7,50 Meter sind. „Bei mir hat jeder Platz, aber das hat doch mit Camping nichts mehr zu tun.“ Eine weitere Besonderheit: Der Betreiber bietet auf seinem Gelände kein WLAN an, um die Naturerfahrung für die Urlauber noch intensiver zu machen. Dafür erhalten Stammgäste von Stephan einen eigenen Reisepass der selbsternannten „Freien Republik Krebendurf“. Wer es komfortabler mag, kann sich aber auch in einem der schwimmenden Ferienhäuser einmieten, die es auf dem Gräbendorfer See gibt.