St. Helena im Atlantik

Der entlegenste Flughafen der Welt eröffnet

Jamestown St Helena
Jamestown, das Herz von St Helena
Foto: Getty Images

Kaum ein Ort ist so isoliert wie die Atlantikinsel St. Helena: Sie liegt 1859 km von Afrika und 3286 km von Südamerika entfernt. Nicht ohne Grund wurde Napoleon dorthin verbannt und bis zu seinem Tod gefangen gehalten. Zusammen mit den Inseln Ascension und Tristan da Cunha bildet St. Helena bis heute das wohl abgelegenste Übersee-Territorium Großbritanniens. Unglaublich: St. Helena hat jetzt seinen eigenen Flughafen bekommen!

Die etwa 4500 Einwohner leben vor allem vom Fischfang. Ein mobiles Telefon-Netz haben sie erst seit 2015. Vom Tourismus ist St. Helena bisher ignoriert worden. Das liegt schlicht und ergreifend daran, dass die Insel so schwierig zu erreichen ist. Nur einmal alle drei Wochen legt ein Postschiff aus Kapstadt an, um die Insel zu versorgen. Eine Überfahrt kann umgerechnet bis zu 3600 Euro pro Person kosten.

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St. Helena


Foto: Bilder 2017 Data SIO, NOAA, U.S. Navy, NGA, GEBCO, Kartendaten 2017 Google

Das macht die Insel völlig abhängig von britischen Subventionen in Millionenhöhe, die laut eines „Guardian“-Berichts aber nur bis 2043 fließen sollen. Um das Ende der Abhängigkeit zu ermöglichen, willigte die britische Regierung 2010 ein, einen Flughafen mit zu finanzieren. Der sollte 2012 eröffnen – was aber nicht klappte. Neuer Termin: Juni 2016. Dann endlich sollte dieser Flughafens die jahrhundertelange Abgeschiedenheit der Insel im Südatlantik beenden.

Inkompetente Planung und hohe Baukosten

Dazu kam es damals aber nicht: Gefährliche Scherwinde machten die geplanten Probe-Anflüge extrem gefährlich. Eine Boeing 737-800 der British Airways musste drei Landeanflüge durchführen, um endlich auf der Bahn aufzusetzen. In einem offiziellen Bericht wurde danach kritisiert, dass die seit Jahrzehnten bekannten schwierigen Wetterbedingungen beim Bau der Anlage offenbar in keiner Weise beachtet wurden. Außerdem in der Kritik: Die enormen Baukosten von mehr als 318 Millionen Euro. Der „Daily Telegraph“ prägte daraufhin die mittlerweile in England übliche Bezeichnung für den St. Helena Airport als „den nutzlosesten Flughafen der Welt“.

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Nun hat der BER von St. Helena, kurz HLE, endlich Betrieb aufgenommen: Fünf Jahre nach dem ursprünglich geplanten Eröffnungstermin ist am 14. Oktober eine Maschine der südafrikanischen Fluglinie „Airlink“ von Johannesburg mit 40 Minuten Verspätung auf der Insel gelandet. Die Flugverbindung, die jeden Samstag angeboten werden soll,  hat einen Zwischenstopp in Namibias Hauptstadt Windhoek. Bei steigender Nachfrage überlegt die Airline nach Angaben des noch frischen Flugplans, auch unter der Woche einen Flug anzubieten. Das Problem der Scherwinde wird vorerst dadurch gelöst, dass die Insel nur von Süden angeflogen wird. Langfristig würde das allerdings bedeuten, dass die Hauptlandebahn, die nach Norden ausgerichtet ist, gar nicht genutzt werden kann.

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Die Insel erhofft sich durch die Anbindung an das internationale Flugnetz mehr Touristen. Zeitgleich mit dem ersten Flug öffnet daher auch das erste Luxushotel von St. Helena: Das Mantis St. Helena. Auch ein Golfresort ist in Planung, sowie der Ausbau des Hafens für Kreuzfahrtschiffe. Andere mögliche Touristenmagneten sind die wilde Basalt-Landschaft der Insel sowie die Besichtigung der mehr als 500 Tierarten, die man nur hier findet. Günstig werden die Flüge auf die Insel oder nach Afrika übrigens nicht sein, nicht jeder Einwohner auf St. Helena wird sich mit dem Durchschnittseinkommen von etwa 8000 Euro im Jahr einen Flug rüber aufs Festland leisten können. Der günstigste Preis für einen Flug am 14. Oktober von Kapstadt nach St. Helena und am 21. wieder zurück liegt bei etwa 1060 Euro und dauert inklusive Umsteigen 6:50 Stunden, also fast sieben Stunden.

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