Neue Nacktbade-Studie offenbart Überraschendes

Das denken die Deutschen wirklich über FKK

Die Deutschen sind Weltmeister in Nacktbaden, ergaben Studien. Aber welches Bundesland ist der absolute Champion in Sachen FKK? Welcher Landstrich ist am prüdesten? Und: Stimmt es, dass Deutschland insgesamt verschämter ist als damals vor der Wende? Eine Studie verrät es – und bietet überraschende Ergebnisse.

Hosen runter: Eine neue Umfrage zum Thema Nacktbaden in Deutschland packt aus – und offenbart auch Unerwartetes
Hosen runter: Eine neue Umfrage zum Thema Nacktbaden in Deutschland packt aus – und offenbart auch Unerwartetes
Foto: dpa picture alliance

Deutschland ist nicht gleich Deutschland, auch Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung. Das zeigt sich deutlich bei einer repräsentativen Umfrage*, die Expedia 2015, zum 25-jährigen Jahrestag der Wiedervereinigung, bei einem Meinungsforschungsinstitut in Auftrag gab.

Ziel war es, herauszufinden, wie beliebt FKK in den einzelnen Bundesländern ist und ob sich seit der Wiedervereinigung daran etwas geändert hat. Die Befragten sollten dabei nicht nur angeben, ob sie selbst meist nackt baden, sondern auch, ob sie FKK insgesamt als „abstoßend” oder „ganz natürlich” empfinden.

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Ausgerechnet Berlin ist prüde

Somit liegt die gemeinhin als aufgeschlossen geltende Szene-Metropole auf Platz zwei im Ranking der Bundesländer, die wenig Toleranz für FKK zeigen (das komplette Ranking finden Sie unten im Artikel). Kurios: Historisch gesehen war Berlin von Anbeginn ein Vorreiter und eine Hochburg der Freikörperkultur.

1986: Unbekleidete Westberliner sonnen sich direkt vor der Berliner Mauer

1986: Unbekleidete Westberliner sonnen sich direkt vor der Berliner Mauer. Foto: dpa picture alliance

Die Väter des ersten FKK-Vereins in Deutschland, gegründet 1898 in Essen, würden sich wohl im Grabe umdrehen: Nordrhein-Westfalen teilt sich den zweiten Platz auf der Prüderie-Hitliste mit Berlin. Ebenso das Saarland. Übertroffen werden die drei Bundesländer nur von Bayern, das an der Spitze des FKK-Anti-Rankings liegt: Hier fanden 31 Prozent der Befragten Nacktbaden „abstoßend”.

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Meck-Pomm ist FKK-Champion

In Mecklenburg-Vorpommern hingegen dürfen sich FKK-Freunde am wohlsten fühlen: 51 Prozent der Einwohner empfinden Nacktbaden als „vollkommen natürlich”.  Außerdem gehen 17 Prozent dort „grundsätzlich oder häufig” nackt baden – mehr als jedes andere Bundesland. Somit ist die Bade-Oase an der Ostseeküste mit ihren schönen Stränden und paradiesischen Seen absoluter FKK-Champion. Dicht gefolgt von Brandenburg, wo sich 16 Prozent immer oder oft unbekleidet am Strand tummeln. Auch die komplette Hitliste der Hüllenlosen finden Sie am Ende des Artikels.

Nacktbaden galt in der DDR als selbstverständlich. Hier ein Foto von der Wismarer Bucht in Mecklenburg-Vorpommern aus dem Jahr 1984.

Nacktbaden galt in der DDR als selbstverständlich. Hier ein Foto von der Wismarer Bucht in Mecklenburg-Vorpommern aus dem Jahr 1984. Foto: dpa picture alliance

Insgesamt zeichnet sich – abgesehen von Berlin – auch mehr als 25 Jahre nach der Wiedervereinigung noch eine unsichtbare Badeanzug-Naht in Deutschland ab: In der ehemaligen DDR sonnen sich messbar mehr Menschen normalerweise nackt am Strand als in den alten Bundesländern. In der Negativ-Wahrnehmung trifft dies dann allerdings nicht mehr zu. So finden 20 Prozent der Thüringer FKK „abstoßend”, in Bremen nehmen mit 17 Prozent weniger daran Anstoß – obwohl nur 6 Prozent der Bremer sagen, dass sie selbst FKK praktizieren. In Thüringen sind es mit 13 Prozent mehr als doppelt so viele.

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Ältere sind toleranter

Sowohl in den neuen als auch in den alten Bundesländern scheint FKK seit der Wende rückläufig im Trend zu sein: 41 Prozent der Ostdeutschen und 33 Prozent der Westdeutschen geben an, heute seltener hüllenlos am Strand zu liegen als 1990. Das mag auch auch an der verschämt-pikierten Jugend liegen: Während 37 Prozent der 18- bis 29-Jährigen FKK „abstoßend” finden, sind es bei den über 60-Jährigen nur 17 Prozent. Lediglich 15 Prozent der 18- bis 29-Jährigen bezeichnen Nacktbaden als „vollkommen natürlich”.

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Weniger Vereine, mehr Wunsch nach Luxus: Die Freikörperkultur in Deutschland ist weiter im Wandel. Auch FKK-Thermen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit.

Weniger Vereine, mehr Wunsch nach Luxus: Die Freikörperkultur in Deutschland ist weiter im Wandel. Auch FKK-Thermen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Foto: PR/Palais Thermal

Die Hitliste der Hüllenlosen

Nach Prozenten der Befragten, die „grundsätzlich oder häufig” nackt baden:

1. Mecklenburg-Vorpommern (17 Prozent)
2. Brandenburg (16 Prozent)
3. Thüringen (13 Prozent)
4. Sachsen & Sachsen-Anhalt (je 9 Prozent)
5. Hamburg & Rheinland-Pfalz (je 7 Prozent)
6. Bremen & Schleswig-Holstein (je 6 Prozent)
7. Niedersachsen & Nordrhein-Westfalen (je 5 Prozent)
8. Bayern & Berlin & Saarland (je 4 Prozent)
9. Baden-Württemberg (3 Prozent)
10. Hessen (2 Prozent)

Das Ranking nach Anti-FKK-Antworten

Nach Prozenten derer, die auf die Frage „Finden Sie Nacktbaden abstoßend oder vollkommen natürlich?” mit „sehr abstoßend” oder „ein bisschen abstoßend” antworteten:

1. Bayern (31 Prozent)
2. Berlin &  Nordrhein-Westfalen &  Saarland (28 Prozent)
3. Baden-Württemberg & Hessen & Rheinland-Pfalz (26 Prozent)
4. Schleswig-Holstein -(22 Prozent)
5. Niedersachsen & Thüringen (20 Prozent)
6. Hamburg (19 Prozent)
7. Bremen (17 Prozent)
8. Brandenburg (15 Prozent)
9. Sachsen-Anhalt (13 Prozent)
10. Sachsen (12 Prozent)
11. Mecklenburg-Vorpommern (7 Prozent)

*Die repräsentative Umfrage wurde im Rahmen der Aktion #reisewende” von Norstat im Auftrag von Expedia online zwischen dem 11. und 18. September 2015 in Deutschland erhoben. Insgesamt wurden 2.100 Erwachsene im Alter von über 18 Jahren befragt.

Die Begriffe „neue“ bzw. „alte“ Bundesländer beziehen sich jeweils auf die aktuelle Bevölkerung in den sogenannten neuen Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Berlin, Sachsen, Thüringen sowie in den alten Bundesländern Schleswig-Holstein, Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Baden-Württemberg und Bayern.

(mgr)

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