Zum Inhalt springen
logo Deutschlands größtes Online-Reisemagazin
Berlin Deutschland Alle Themen
TRAVELBOOK-Autorin besucht Lost Place

So gruselig ist die Heilstätte Grabowsee wirklich

Der Flügel der Heilstätte Grabowsee bei Berlin
Der Flügel ist ein Symbolbild der Heilstätte Grabowsee bei Berlin Foto: Anna Chiodo (früher Wengel)
Anna Wengel
Freie Autorin

2. Oktober 2026, 6:51 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Die Heilstätte Grabowsee ist ein ehemaliges Tuberkulosesanatorium nördlich von Berlin. TRAVELBOOK-Autorin Anna Chiodo (ehemals Wengel) hat sich den Lost Place angeschaut und verrät, wieso sich ein Besuch der Heilstätte lohnt und was einen dort erwartet.

Das Auto fährt in den Wald hinein. Eine schmale, von Löchern und Unebenheiten durchzogene Straße führt vorbei an zahlreichen Bäumen. Kein Mensch ist zu sehen. Das GPS hat sich auch schon verabschiedet. Es ist hellichter Tag, die Sonne strahlt durch das dichte Grün der Bäume. Und doch ist mir ein wenig mulmig zumute. Unheimlich, obwohl ich nicht zu sagen vermag, wieso genau. Vielleicht liegt es daran, dass ich auf dem Weg zu einem verlassenen Klinikkomplex bin, einem sogenannten Lost Place.

Warnungen, Schutt am Boden und Totenstille

Ich stehe vor einem behelfsmäßigen Tor, gespickt mit allerlei Verbotsschildern und Warnungen. Ein Fahrradschloss sichert die zwischen die Mauern geschobenen Bauzäune. Bin ich hier richtig?

Bernhard Hanke, der die Heilstätte Grabowsee verwaltet, öffnet das Tor. Eine kurzes Einführung und der Hinweis, dass meine knapp Fünfjährige am besten jetzt ihren mitgebrachten Fahrradhelm aufsetzt – „falls mal etwas von der Decke fällt“ – und schon dürfen wir los. Allein durch die im Quadrat angeordneten Lazaretthäuser spazieren, stöbern und uns ein bisschen gruseln. Nur die Untergeschosse sollten wir des Kindes wegen meiden – Asbest.

Gebäudekomplex auf dem Gelände der Heilstätte Grabowsee
Gebäudekomplex auf dem Gelände der Heilstätte Grabowsee Foto: Anna Chiodo (früher Wengel)

Es dauert nicht lange, da stehen wir vor dem ersten Komplex der insgesamt rund 30 Gebäude. Wagemutig treten wir hinein. Es ist totenstill und kein anderer Mensch scheint hier zu sein. Langsam treten wir voran, über Schutt, durch Gänge, an denen der Putz von den Wänden fällt, und türlose Rahmen, bis wir in einem weißgefliesten Raum ankommen. An einer Wand sind riesige rote, mit Händen hingeschmierte Flecken zu sehen. „Blut“, ist nicht nur mein erster Gedanke. „Farbe“, schaltet sich sofort der Verstand ein. Gruselig allemal. Weiter geht es durch eine schmale Türöffnung – und schon stehen wir mitten im Symbolbild der Heilstätte Grabowsee: Ein alter, tastenloser Flügel steht auf einer mit rotem Samtvorhang geschmückten Bühne am Ende eines riesigen Saals. Über dem Vorhang prangen kyrillische Buchstaben, ein Relikt aus der Zeit, in der die Heilstätte in der Hand der Roten Armee war.

Farbspuren an einer Wand in der ehemaligen Heilstätte Grabowsee
Farbspuren an einer Wand in der ehemaligen Heilstätte Grabowsee Foto: Anna Chiodo (früher Wengel)

Die Geschichte der Lungenheilanstalt

Ursprünglich war das Gelände nördlich von Berlin im Jahr 1896 vom Deutschen Roten Kreuz als Lungenheilanstalt für Tuberkulosekranke eingerichtet worden. Ein Testlauf im damaligen Kaiserreich, der zeigen sollte, dass die Krankheit nicht nur in der gesunden Luft der Berg- und Küstenregionen geheilt werden konnte, sondern auch im märkischen Kiefernwald. Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel die Heilstätte im Jahr 1945, wie der gesamte deutsche Osten, in die Hände der Russen. Diese richteten hier ein Lazarett ein. Laut des Bildbands „Die Heilstätte Grabowsee“ von Andreas Jüttemann und Karsten Rybka (erschienen 2024 im Vergangenheitsverlag) ist über diese Zeit jedoch wenig bekannt.

Kunstinstallationen in der ehemaligen Heilstätte
Gruselig anmutende Kunstinstallationen in der ehemaligen Heilstätte Foto: Anna Chiodo (früher Wengel)

Nach Abzug der Roten Armee im Jahr 1991 wurde das Lazarett geschlossen. Das Gelände ging zunächst an die Landesversicherungsanstalt Brandenburg zurück. Elf Jahre nach der Klinikschließung ersteigerte schließlich der heutige Besitzer, ein privater Investor aus Berlin, das Grundstück. Die Gebäude, bereits während der Sowjetzeit in schlechtem Zustand, verfallen seit Kriegsende zusehends. Immer wieder wurde das Gelände von Metalldieben heimgesucht sowie von Menschen, die hier randalierten und Gebäudeteile in Brand steckten. Die Brandstiftung erreichte ihren Höhepunkt 2007, als die historische Kapelle bis auf ihre Grundmauern herunterbrannte.

Die Überreste der durch Brandstiftung zerstörten Kirche auf dem Gelände der Heilstätte Grabowsee
Die Überreste der durch Brandstiftung zerstörten Kirche auf dem Gelände der Heilstätte Grabowsee Foto: Anna Chiodo (früher Wengel)

2011 übernahm der gemeinnützige Verein Kids Globe e.V. unter Leitung Bernhard Hankes das Gelände als Pächter. In der Folge wurden Zäune errichtet und etliche Teile der teils denkmalgeschützten Gebäude gesichert. Mittlerweile ist das Gelände ständig bewacht. Unbefugte versuchen jedoch auch heute immer wieder auf das Gelände zu kommen, erzählte Hanke mir wenig später. Erst vor Kurzem seien wieder ein paar Leute nachts eingedrungen, trotz der Zäune und diversen Verbotsschilder. Jeder unbefugte Zutritt wird heute zur Anzeige gebracht.

Mapcreator Platzhalter
An dieser Stelle findest du Inhalte von Drittanbietern
Um mit Inhalten von Drittanbietern zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.
Mehr zum Thema

Drehort Heilstätte Grabowsee

Die Heilstätte Grabowsee zieht Gruselfans an, ebenso wie Geisterjäger – und Hollywood. Vor mehr als zehn Jahren kam Hollywoodstar George Clooney hierher, inklusive Filmteam, Panzern, Militärfahrzeugen und anderem Gerät, das er für seinen Kriegsfilm „The Monuments Men“ (2014) brauchte. Und auch deutschen Horrorfilmfans könnten die Bilder der einstigen Heilstätte bekannt vorkommen, wurde das Gelände wenige Jahre später für den Film „Heilstätten“ (2018) genutzt. Der spielt zwar in den berühmten Beelitz-Heilstätten südwestlich von Berlin, gefilmt wurde jedoch hier, am brandenburgischen Grabowsee.

Die Heilstätte Grabowsee besuchen

Die ehemalige Heilstätte ist aktuell donnerstags und freitags zwischen 12 und 17 Uhr sowie am Wochenende von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Einfach vorbeikommen kann man nicht, stattdessen muss der Besuch telefonisch bei Bernhard Hanke angemeldet werden (0175 24 25 27 5). Regulär kostet der Eintritt 10 Euro. Das Gelände ist nicht barrierefrei und das Betreten erfolgt auf eigene Gefahr.

Was wird aus der Heilstätte Grabowsee?

Die Zukunft des einstigen Sanatoriums ist offen. Vereinsgründer und Pächter Bernhard Hanke plant an diesem Ort, eine internationale Kinder- und Jugendakademie namens Kids Globe zu errichten. Aktuell versucht er, Förderer für sein Projekt zu gewinnen. Auf seiner Liste der Wunschinvestoren steht unter anderem Unternehmer Bill Gates. Wie es mit diesem Projekt weitergeht, ist unklar.

Für den Moment steht die Heilstätte Grabowsee daher weiterhin Besuchern offen, die sich für den spannenden Lost Place bei Oranienburg interessieren und mit ihrem Eintrittsgeld ihrerseits zu dessen Erhaltung beitragen.

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.