Es gibt einige Touristen, die gezielt nach Tschernobyl kommen, um die Ruinen in der verlassenen Siedlung Pripyat zu besuchen Foto: dpa picture alliance
Die Ukraine hat in der nach dem Atomunfall 1986 geräumten Stadt Tschernobyl ein Hostel für Touristen eröffnet. Die Unterkunft ist sehr einfach gehalten, wie Fotos der Staatlichen Agentur zur Verwaltung der Sperrzone zeigen.
Spartanisch eingerichtet, aber mit einem Fernseher und Internet Foto: Staatliche Agentur zur Verwaltung der Sperrzone
Auch im Hostel scheint die Zeit ein wenig still geblieben zu sein Foto: Staatliche Agentur zur Verwaltung der Sperrzone
Blick in den Speisesaal Foto: Staatliche Agentur zur Verwaltung der Sperrzone
Erste Gäste aus den USA, Neuseeland und Dänemark haben bereits in den Ein- bis Dreibettzimmern übernachtet, sagte Hostelverwalterin Swetlana Grischtschenko.
Das Hostel von außen Foto: Staatliche Agentur zur Verwaltung der Sperrzone
Preis: Rund 7 Euro pro Nacht
„Bisher haben wir 50 Plätze, aber wir planen eine Erweiterung auf 102“, erklärte Grischtschenko. Für umgerechnet knapp sieben Euro pro Nacht sind Dusche, Fernsehen und Internet inklusive.
Insgesamt bietet das Hostel derzeit 50 Plätze, 102 sind geplant Foto: Staatliche Agentur zur Verwaltung der Sperrzone
Laut der Zeitung „Welt“ wurde die Zone um das explodierte Atomkraftwerk bereits 2002 für geführte Touren freigegeben, so könne man heute sogar bei der Firma „Chernobylwel.come“ Ein- bis Zweitagesfahrten mit dem Reisebus buchen. Pro Jahr kämen insgesamt etwa 15.000 Touristen. Nach wie vor wird regelmäßig die Radioaktivität in der Gegend gemessen. Daher würden Touristen auch selbst während ihres Besuches mehrmals einer Messprozedur unterzogen. Auch gebe es nach wie vor einige Orte, die immer noch so stark verstrahlt seien, dass man sie unter keinen Umständen betreten dürfe.
Ein Mitarbeiter überprüft die Strahlenbelastung Foto: Staatliche Agentur zur Verwaltung der Sperrzone
Dennoch: Für die Verpflegung gibt es in der verlassenen Stadt eine Kantine und ein Geschäft. Auch zwei Hotels gebe es schon. Touristen benötigen jedoch eine Erlaubnis für den Besuch der 30-Kilometer-Zone um das havarierte Atomkraftwerk. Dazu müssen sie sich an die Verwaltung der Sperrzone wenden. Noch heute arbeiten 1200 Menschen in dem Kraftwerk an der Beseitigung verstrahlter Abfälle und Brennelemente.
Das Ortseingangsschild mit der Aufschrift: Tschernobyl Foto: Staatliche Agentur zur Verwaltung der Sperrzone
Im April 1986 explodierte bei einem Experiment Kraftwerksblock Vier des sowjetischen Kernkraftwerks. Große Gebiete in der heutigen Ukraine, Weißrusslands und Russlands wurden radioaktiv verseucht. Rund 135.000 Menschen mussten damals ihre Heimat verlassen – am härtesten traf es die Stadt Prypjat, die damals 50.000 Einwohner hatte und die heute eine Geisterstadt ist.
Pflanzen bahnen sich ihren Weg durch den Asphalt Foto: dpa picture alliance
In Pripyat liegt alles so da, wie es verlassen und von der Witterung verändert wurde Foto: dpa picture alliance
Stahlhülle schirmt Reaktorüberreste ab
Seit vergangenem Herbst schirmt eine mit internationaler Hilfe in Milliardenhöhe errichtete Stahlhülle die Reaktorüberreste ab. Der darunter liegende Betonsarkophag war brüchig geworden und drohte einzustürzen. Kiew arbeitet an einer wirtschaftlichen Nutzung des Gebiets. Im Juni soll ein erstes Solarkraftwerk in Betrieb gehen.
Auch heute noch ist die Gefahr durch Strahlung rund um Tschernobyl hoch – im Sommer gebe es laut „Welt“ in der Region regelmäßig Waldbrände, wobei das kontaminierte Erdreich dann Radioaktivität in die Luft abgebe. Zudem lagerten in dem alten Reaktor unter der Schützhülle noch immer 190 Tonnen Kernbrennstoff.
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