12. September 2026, 14:34 Uhr | Lesezeit: 10 Minuten
Es sind die Dörfer im Harz, die der Gegend ihren eigenwilligen Charme verleihen und in denen man nicht selten auf ganz besondere Geschichten stößt. Seit Jahren ist die Region das liebste Wanderrevier unseres Autors, und so entdeckt er immer wieder solche mitunter versteckten kleinen Perlen. Hier verrät er, wo Sie den schönsten Biergarten im gesamten Harz finden, wo Sie auf den Spuren von Riesen wandeln und wo man seit 700 Jahren einer einzigartigen Tradition nachgeht. Eine persönliche Hitliste von A bis Z.
Wenn ich im Harz wandern gehe, dann zieht es mich in eine raue, ehrliche, mitunter himmelschreiend einsame Natur, die ich sonst noch nirgendwo auf der Welt in dieser Schönheit gefunden habe. Dann schnalle ich mir den Rucksack auf und laufe, wie bei meinem jüngsten Abenteuer im August 2026, in vier Tagen zum Beispiel hundert Kilometer durch die Landschaft. Doch besonders freue ich mich, wenn auf meiner Karte inmitten des vielen Grüns auch ein beiger Fleck verzeichnet ist, der auf eine Siedlung oder gar ein Dorf hindeutet. Dann schlägt mein Herz höher, denn ich weiß, die nächste einzigartige, teilweise auch skurrile Entdeckung ist nicht mehr weit entfernt. Und genau diesen Fundus möchte ich heute mit Ihnen teilen. Hier ist meine persönliche Hitliste der schönsten Dörfer im Harz.
Altenbrak
Altenbrak, malerisch an der Bode gelegen, ist ein Dorf wie aus einem Reiseprospekt. Ich komme auf fast jedem meiner Harz-Besuche auch gerne her. Von hier aus erreicht man in ein paar Stunden oder einer Tagesetappe tolle Wanderziele wie die Rappbodetalsperre, die Schauköhlerei Stemberghaus oder auch den spektakulären Aussichtspunkt „Roter Stein“. Als Angler mache ich dann mitunter eine Wanderpause, um mir in der Forellenzucht „Zordel“ einen leckeren Fisch für den weiteren Weg selbst zu fangen. Oder nehme den kurzen, aber schweißtreibenden Aufstieg zum „Café Fontane“ in Angriff, von wo aus man einen absolut sensationellen Ausblick auf das Dorf und das weite Land drumherum hat.
Genauso wie von der Kuckucksklippe, die man von Altenbrak aus in etwa einer halben Stunde erwandern kann. Wirklich jedes Mal mache ich dann aber einen Ausflug zum „Forsthaus Todtenrode“ oberhalb des Ortes, denn hier gibt es neben dem Hotel- und Restaurantbetrieb eine sehr gute Hausschlachterei mit exklusiven Spezialitäten. Meine Empfehlung sind ganz klar der Wurzelspeck und der Schinken. Da die Bode durch das Dorf besonders romantisch verläuft, kann man hier auch einfach nur die Füße im Wasser baumeln lassen, und mit sich und der Welt zufrieden sein. Mitunter wird es hier aber auch laut und richtig bunt, wenn in der Waldbühne Altenbrak mal wieder eine Show stattfindet. Oder so liebenswürdig skurrile Veranstaltungen wie der Harzer Jodler-Wettstreit.
Hainrode
Hier, gelegen in der schroffen Karst-Landschaft des Südharz, geht man seit 700 Jahren einer einzigartigen und liebenswerten Tradition nach. Denn in dem Dorf Hainrode, Einwohnerzahl gut 300, werden seitdem per Hand Reisigbesen gebunden. Ich hatte 2025 das Glück, im örtlichen Dorf- und Wandercafé live dabei zusehen zu dürfen. Die wenigen heute noch verbliebenen Hersteller verkaufen ihre Ware dann auf lokalen Märkten. Hainrode ist eine Station auf dem Karstwanderweg und als solche sehr gut an ein mögliches Streckennetz an Touren angebunden. Im Herbst sind diese besonders lohnenswert, denn dann stehen die unzähligen Obstbäume rund um den Ort in voller Pracht.
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Hohegeiss
Das Bergdorf Hohegeiss möchte ich Ihnen vor allem wegen seiner Lage ans Herz legen. Denn ganz in der Nähe, einen steilen Abstieg entfernt, befindet sich unter dem Ort das malerische Wolfsbachtal. Ein Urwald quasi, in den der Mensch bereits seit mehreren hundert Jahren nicht mehr eingegriffen hat. Und wo deshalb auch noch besonders starke und große Fichten wachsen, skurrilerweise an einem Rundwanderweg als „Dicke Tannen“ benannt. Ganz in der Nähe befindet sich dann das gute und absolut sensationell gelegene Hotel-Gasthaus „Wolfsbachmühle“, erbaut im Jahr 1700. Geleitet von einem sympathischen Paar, findet man hier gute Küche und sitzt besonders auf der Sonnenterrasse toll. In Hohegeiss selbst gibt es eine schöne Kirche und sogar noch einen eigenen Bäcker, mittlerweile leider eine Seltenheit in den Dörfern des Harz. Auch der „Supermarkt“ Bruns ist eine Sehenswürdigkeit für sich.
Rübeland
Ein Dorf mit nur gut 400 Einwohnern, aber gleich zwei Attraktionen in Form von begehbaren Höhlen. Sowohl die Hermannshöhle als auch die Baumannhöhle kann man bei Führungen besichtigen. Letztere gilt als älteste Schauhöhle Deutschlands. Der Ort, durchzogen von der Bode, ist eingekesselt von steilen Felswänden, von denen aus man eine tolle Aussicht hat. Besonders dramatisch lässt sie sich vom Schornsteinberg und dem sehr schönen Aussichtspavillon „Hoher Kleef“ genießen. Bei heißem Wetter lockt hier im Sommer eine Einkehr in das örtliche Freibad. Tolle Wanderwege führen vom Dorf aus zu den Harzer Talsperren, aber auch in wenigen Stunden bis in die Stadt Wernigerode.
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Sophienhof
Dieser Mini-Flecken in Thüringen ist ein festes Ziel auf jeder meiner Harz-Reisen, und zwar wegen der hervorragenden Leckereien auf der „Ziegenalm“. Käsevariationen, Wurst und das besonders zu empfehlende Ziegenmilch-Eis sorgen hier für ein Angebot, das die ganze Familie begeistert. Zumal sich die „Lieferanten“, also die stetig meckernden Vierbeiner, auch in ihren Außengehegen bewundern lassen. Bei einer Einkehr in die angeschlossene „Almstube“ kann man dann lecker schlemmen und sich für eine Tour stärken. Wunderschön gelegen auf einem Hochplateau auf knapp 500 Metern, präsentiert sich das 60-Einwohner-Dorf wie aus der Zeit gefallen und konserviert. Besonders toll: Man erreicht den Ort auch über einen nahen Halt der Harzer Schmalspurbahn, die teils noch mit dampfbetriebenen Lokomotiven fährt.
So bezeichnet das Dorf auch das Ende des Fernwanderweges „Dampfloksteig“, der von Nordhausen bis hierher immer entlang der Strecke durch urtümliche Natur führt. Einkehren kann man in Sophienhof auch in dem stets gut besuchten Brauerei-Gasthof „Brauner Hirsch“. Authentisches Ambiente, deftiges Essen, selbstgebrautes Bier auch zum Mitnehmen, was will man mehr. Direkt vom Ort aus führen zahlreiche Wanderwege in die Natur des Harz, zum Beispiel zum Carlshausturm. Von hier hat man bei klarer Sicht eine tolle Aussicht bis hin zum Sagenberg Brocken. Auch kleine Gewässer wie der Stierbergsteich sind zu erwandern. Wer unter der Woche kommt, entgeht dem ganz großen Besucherandrang.
Treseburg
Treseburg (siehe auch großes Foto oben) habe ich ob seiner Schönheit und meiner ganz besonderen Beziehung zu dem Dorf bereits vor Jahren einen ganzen eigenen Artikel gewidmet. Es gibt wohl keinen Ort im Harz, den ich mehr liebe als dieses 80-Seelen-Nest am Ausläufer des Bodetals nahe Thale. Bereits 2018, zu Beginn meiner Liebesbeziehung mit der Region, entdeckte ich das märchenhaft schöne Nest am Bode-Fluss, eingekesselt von steilen, dicht bewaldeten Hügeln. 2022 dann erreichte meine Verehrung noch einmal einen neuen, ungeahnten Höhepunkt, denn im Januar dieses Jahres eröffnete die „Pension Sternschnuppe“, die mittlerweile für mich zu einer zweiten Heimat geworden ist. Deren Biergarten würde ich, ohne zu zögern, als den schönsten im gesamten Harz bezeichnen, liegt er doch direkt am Fluss, eine Szenerie wie aus einem impressionistischen Gemälde.
In und um Treseburg kenne ich mittlerweile wirklich alle Wanderwege. Ich habe eimerweise Waldhimbeeren und Steinpilze geerntet und bin im herrlichen Wasser der eiskalten Bode geschwommen. Ich habe mehrere meiner Geburtstage hier gefeiert und über den Sternschnuppenregen gestaunt, der sich an diesem Tag jedes Mal in Form der Perseiden zeigt. Ich habe in der „Jägerstube“ und der „Luppbode“ ausgezeichnet gegessen, das gesamte Bodetal in beide Richtungen zu jeder Jahreszeit durchwandert. Ich habe mich zum Aussichtpunkt „Weißer Hirsch“ hochgeschnauft und von oben über die Aussicht auf das Dorf gestaunt, das wirkte wie eine Bemo-Modellbaulandschaft. Ich habe Menschen hier gefunden, die ich mittlerweile meine Freunde nenne. Was mehr kann man sich von einem Ort erhoffen?
Wildemann
Auch bezeichnet als das „Tirol des Harz“, zeigt sich dieses Dorf malerisch schön, eingerahmt von sehr steilen Hängen mit dichtem, gesundem Wald. Der Name Wildemann geht zurück auf die Legende um einen Riesen, der einst hier gelebt haben soll. Als man ihn gefangen nehmen wollte, wehrte er sich mit einer ausgerissenen Fichte, musste sich aber letztlich geschlagen geben und starb. Im Moment seines Todes soll man hier vor Ort das erste Erz entdeckt haben. Dieses wurde dann im heute noch als Schaubergwerk existierenden „19-Lachter-Stollen“ abgebaut. Als ich das Dorf Ende September 2025 entdeckte, war ich leider der Einzige, der sich für eine Führung hier anmeldete, die daher auch nie stattfand. Stattdessen zog mich der Regen entlang des durch den Ort rauschenden Innerste-Flusses zum „Café am Bohlweg“, wo der Besitzer mir hervorragende Sülze mit Bratkartoffeln servierte.
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Wildemann dürfte auch für Hundebesitzer ein attraktives Ziel sein, denn hier gibt es ein eigenes Waldstück nur für die Vierbeiner. Zudem mit dem „Glow Golf Harz“ eine besondere Attraktion, nämlich Schwarzlicht-Minigolf. Vom Dorf aus kann man auch tolle Wanderungen unternehmen, so zum Beispiel auf den Iberger Albertturm hoch über der Stadt Bad Grund. Dort befindet sich mit dem „Weltwald“ auch noch ein deutschlandweit einmaliges Arboretum, das Bäume aus der ganzen Welt versammelt. Das malerisch gelegene Freibad am Ort, das „Spiegelbad“, konnte 2026 aufgrund von Verzögerungen bei der Renovierung leider nicht öffnen. Bleibt zu hoffen, dass es nächstes Jahr dann wieder Gäste begrüßt.
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Questenberg
Ein wahrhaft magisches Dorf mit einer einmaligen Tradition, die vermutlich schon auf die Kelten zurückgeht. Jedes Jahr am Pfingstmontag feiert man hier das „Questenfest“. Bei diesem wird ein riesiger Kranz zu Blasmusik und Grillparty auf einem Hügel über dem Dorf weithin sichtbar angebracht. Das Spektakel, dem ich 2025 beiwohnen durfte, zieht jedes mal wieder hunderte Besucher an. Die Lage von Questenberg, eingerahmt von steilen Karst-Bergen, lässt den Ort bei einer Ansicht von oben fast wie ausgedacht erscheinen. Ganz in der Nähe befindet sich hier mit dem Bauernteich ein periodischer See, der je nach Jahreszeit auftaucht und dann wieder verschwindet. Stärken kann man sich vor Ort im Gasthaus „Zur Queste“, welches sich auf keltische Küche spezialisiert hat.
Zorge
Ein Dorf wie aus einem Märchenbuch, und mit einem märchenhaften Alter. Im Mai 2026 feierte Zorge seinen 777. Geburtstag. Eingerahmt von steilen grünen Hügeln, kann man entlang zahlreicher Gewässer tolle Wanderungen unternehmen. Zum Beispiel zum hoch über dem Ort gelegenen Aussichtspavillon „Pferdchen“. Von hier aus gelangt man dann auch zum Zorger Wasserfall. Und mit etwas Kondition weiter in das bereits erwähnte Wolfsbachtal im nahen Hohegeiss. Eine andere Tour führt von hier auf den tollen Aussichtspunkt „Roter Schuss“ bei Ellrich. Stärken kann man sich in Zorge in dem Hotel-Restaurant „Kleine Kommode“, zum Beispiel bei hausgemachter Sülze. Im Sommer lohnt auch ein Besuch im örtlichen Waldschwimmbad zur Abkühlung. Unbedingt auch bei der Hammerschmiede/Harcynian Distilling vorbeischauen, die Harzer Whisky produziert.