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Skurriles Verbot – bis zu 1000 Euro Strafe!

Warum man auf Sylt keine Sandburgen bauen darf

Sandburgen-Verbot Sylt
Wer Sandburgen auf Sylt baut, verstößt damit gegen ein Verbot auf der Insel: Zum Schutz der Küste (und der Strandkörbe) darf man hier nicht exzessiv buddeln.Foto: Getty Images

Auf Sylt werden Urlauber diesen Sommer – wie fast überall in Deutschland – wegen der Corona-Pandemie viele zusätzliche Regeln und Maßnahmen beachten müssen. Ein Verbot besteht auf der beliebten Urlaubsinsel allerdings schon seit Jahren: Wer auf Sylt eine Sandburg baut, verstößt streng genommen gegen das Gesetz. Warum das so ist und wann es eventuell doch mal eine Ausnahme gibt, hat TRAVELBOOK erfragt.

Sollten Sie demnächst einen Urlaub mit Ihrer Familie auf Sylt geplant haben, dann behalten Sie am Strand bitte Ihre Kinder gut im Auge – es könnte sein, dass die Kleinen sonst etwas Verbotenes tun. Wie in der Satzung der Gemeinde Sylt „über die Einschränkung des Gemeingebrauchs am Meeresstrand“ nachzulesen ist, ist es nämlich auf Sylt tatsächlich nicht erlaubt, am Meer Sandburgen zu bauen.

In Paragraf 5 der Satzung heißt es dazu im Wortlaut: „Ordnungswidrig […] handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig im Strandbereich Sandburgen baut oder Löcher gräbt.“

Sylt Sandburg
So etwas gehört der Vergangenheit an: Seinen Strandkorb einzugraben, um sich vor dem Wind zu schützen, ist auf Sylt heute verboten.Foto: Getty Images

Was reichlich skurril klingt, hat aber einen ernsten Hintergrund: „Offiziell ist das Bauen von Sandburgen aus mehreren Gründen verboten“, erklärt ein Pressesprecher der Insel Sylt Tourismus-Service GmbH auf TRAVELBOOK-Anfrage. Einer ist, dass Urlauber früher immer um ihre Strandkörbe herum tiefe Löcher gegraben hätten, um diese vor dem starken Küstenwind zu schützen. „Wenn dann höheres Wasser kam, wurden diese Löcher vom Meer überspült, und danach war es schwer, die Strandkörbe wieder freizugraben.“

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Bis zu 1000 Euro Bußgeld

Seitdem ist das Buddeln der Löcher an Sylts Stränden offiziell als Ordnungswidrigkeit untersagt, aber auch für Kindersandburgen gilt das Verbot – und zwar aus Küstenschutzgründen, wie der Tourismus-Sprecher erklärt. „Der starke Wind führt zu Abtragungen des Sandes. Wenn dieser nun zu einer Burg aufgetürmt wird, bietet das natürlich noch mehr Angriffsfläche.“ Bei einer normalen kindlichen Buddelei drücke man aber im Regelfall ein Auge zu.

„Wenn aber Kinder, zum Beispiel Schulklassen, am Strand zu tiefe Löcher graben, werden unsere Mitarbeiter aktiv“, so der Sprecher zu TRAVELBOOK. Die kleinen oder großen Sünder würden dann gebeten, ihre Löcher vor dem Verlassen des Strandes wieder zuzuschütten. Schlimmstenfalls wird sogar ein Bußgeld in Höhe von bis zu 1000 Euro verhängt, wie ebenfalls in der Gemeinde-Satzung nachzulesen ist.

Vielen ist das Sandburgen-Verbot auch gar nicht bekannt. Eine frühere TRAVELBOOK-Redakteurin erinnert sich: „Wir haben als Kinder selbst immer richtig tief gebuddelt – manchmal brauchte ich dann Hilfe, um wieder aus dem Loch herauszukommen. Es war auch immer ein Battle mit den anderen Strandbesuchern. Sogar mein Vater hat mitgemacht.“

Drachensteigen nur nach 17 Uhr

Die Satzung der Gemeinde Sylt fördert neben dem Sandburgen-Verbot noch weitere skurrile No-Gos zutage, so darf man zum Beispiel nur am Westerländer Strandabschnitt Dikjen-Deel einen Drachen steigen lassen, und das auch erst ab 17 Uhr. Das Bauen von Strandhütten „aus Strandgut oder anderen nicht strandüblichen Stoffen“ ist ebenfalls untersagt.