Corona-Studie

Ansteckungs-Risiko im Flugzeug geringer als gedacht

Corona-Pandemie Fliegen
Wer im Flugzeug keine Maske trägt, läuft Gefahr, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Universitätsklinikums Frankfurt.
Foto: dpa Picture Alliance

Die Gefahr, sich im Flugzeug mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 anzustecken, ist geringer als bisher angenommen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Goethe-Universität Frankfurt. Die beteiligten Wissenschaftler halten es für sehr wahrscheinlich, dass die Übertragung von SARS-CoV-2 durch die Luftfilteranlagen im Flugzeug reduziert wird.

Eine Studie unter der Leitung des Universitätsklinikums Frankfurt hat untersucht, ob es im Flugzeug zu Übertragungen des Coronavirus SARS-CoV-2 kommen kann. Dafür wurden Passagiere eines Fluges von Tel Aviv nach Frankfurt getestet und befragt.

Ablauf der Studie

Der Flug mit einer Boeing 737-900 fand Anfang März dieses Jahres statt, also zu einem Zeitpunkt, als es in Flugzeugen noch keinerlei Schutzmaßnahmen wie beispielsweise eine Maskenpflicht gab. Einige der 102 Passagiere gehörten einer Reisegruppe an, die vor dem Flug Risikokontakt mit einem SARS-CoV-2-positiven Hotelmanager hatten. Die 24 Mitglieder der Reisegruppe wurden nach dem gut viereinhalbstündigen Flug bei ihrer Ankunft in Frankfurt getestet. Sieben von ihnen waren SARS-CoV-2-positiv, das heißt schon während des Flugs infiziert. Bei zwei weiteren Reisenden, die nicht zur Gruppe gehörten, wurde zu einem späteren Zeitpunkt eine Infektion mit SARS-CoV-2 festgestellt. Die mit der Studie befassten Wissenschaftler halten es für sehr wahrscheinlich, dass sich beide Personen im Flugzeug mit dem Virus angesteckt haben, zumal diese weder vor noch nach dem Flug nach eigenen Aussagen Risikokontakte gehabt hätten, schreibt das Universitätsklinikum Frankfurt in einer Pressemitteilung.

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Wie zuverlässig sind die Ergebnisse der Studie?

„Es lässt sich nicht 100-prozentig ausschließen, dass weitere Passagiere unbemerkt angesteckt wurden. Außerdem können wir nicht mit letzter Sicherheit sagen, dass die beiden Übertragungen während des untersuchten Fluges stattgefunden haben. Grundsätzlich wäre auch eine Ansteckung zum Beispiel auf dem Flughafen am Gate oder bei anderer Gelegenheit denkbar. Allerdings kommen wir aufgrund der uns vorliegenden Informationen zu der Einschätzung, dass eine Übertragung im Rahmen des Fluges sehr wahrscheinlich ist“, sagt Dr. Sebastian Hoehl, Erstautor der Studie und Arzt am Institut für Medizinische Virologie des Universitätsklinikums Frankfurt. Zumal die Infektionszahlen sowohl in Deutschland als auch in Israel zum Zeitpunkt des Fluges noch sehr niedrig gewesen seien und keine der beiden Personen von SARS-CoV-2-Fällen in ihrem Umfeld berichtet habe. Zudem hätten beide Passagiere im Flugzeug in der Nähe der bereits mit SARS-CoV-2 infizierten Teilnehmer der Reisegruppe gesessen.

 

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Ist Ansteckung im Flieger grundsätzlich möglich?

Die an der Studie beteiligten Wissenschaftler kommen daher zu dem Schluss, dass eine Ansteckung im Flugzeug grundsätzlich möglich sei, insbesondere wenn kein Mund-Nasen-Schutz getragen werde. Laut Prof. Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt, sei „die Anzahl der Übertragungen niedriger, als wir bei sieben Ausgangspatienten angenommen hätten. Das spricht dafür, dass die Luftfilteranlagen im Flugzeug Übertragungen des Virus reduzieren können – aber eben nicht vollständig verhindern. Mit Blick auf diese Ergebnisse erscheinen zusätzliche Schutzmaßnahmen im Flugzeug – wie das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes – sehr sinnvoll“.

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