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Mexiko Peace Index

Wie gefährlich ist aktuell ein Urlaub in Mexiko?

Mexico Peace Index - Wie sicher ist Mexiko?
Der Mexiko Peace Index vom Institute for Economics and Peace zeigt, wie die Sicherheitslage in den einzelnen mexikanischen Regionen istFoto: Institute for Economics and Peace

Wie sicher oder gefährlich ist es eigentlich in Mexiko? Diese Frage stellen sich Reisende, die einen Urlaub in das Land planen, oft vor der Abreise. Nicht zu Unrecht – denn immer wieder gibt es erschreckende Nachrichten. So mahnt etwa aktuell das Auswärtige Amt nach mehreren Verhaftungen zu erhöhter Vorsicht. Worum es genau geht und wie die Sicherheitslage allgemein laut dem Mexiko Peace Index ist: TRAVELBOOK hat die Infos.

Mexiko-Reisende freuen sich auf beeindruckende Maya-Stätten, wunderschöne Strände, köstliches Essen und eine bunte Kultur. Leider hat das Nachbarland der USA aber auch eine Schattenseite: Kriminalität und Gewalt sind an der Tagesordnung. Im Jahr 2021 konnte das Land trotzdem zum ersten Mal seit vier Jahren auf der Rangliste der friedlichsten Länder der Welt etwas nach oben rücken. Aktuell liegt es auf Platz 126 von insgesamt 163. Der Friedensstatus in Mexiko gilt damit weiterhin als „niedrig“ und nicht alle Bundesstaaten werden für Touristen als „sicher“ eingestuft. So steht es im aktuellen Global Peace Index (GPI), der jährlich vom Institute for Economics and Peace (IEP) herausgegeben wird.

Das Land macht immer wieder Schlagzeilen durch brutale Überfälle, Morde und Entführungen, zuletzt erst im Oktober und November 2021, als es an der Riviera Maya auf der Halbinsel Yucatán zu Schießereien zwischen Drogenbanden kam. Dabei starben auch zwei Touristinnen. „Die allgemeine Sicherheitslage in Mexiko hat sich leider in jüngster Zeit verschlechtert“, bestätigt Reisesicherheits-Experte Sven Leidel, Autor des Handbuchs Reisesicherheit, im Interview mit TRAVELBOOK. „Zunehmend kam es auch in Touristengegenden zu Zwischen– bzw. Überfällen, auch mit toten Urlaubern.“ Doch nicht nur die Drogenbanden, auch die Behörden scheinen sich jüngsten Berichten zufolge zu einem Risiko zu entwickeln.

Touristen berichten über willkürliche Verhaftungen in Mexiko

Im Normalfall dürfen sich deutsche Staatsbürger bis zu 180 Tage als Touristen im Land aufhalten. Doch Medienberichten zufolge sehen sich mehrere deutsche Urlauber aktuell einer scheinbar willkürlichen mexikanischen Einwanderungspraxis ausgesetzt, bei der die Aufenthaltsdauer der Urlauber beliebig eingekürzt wird. Den Berichten zufolge, ohne, dass die Touristen über die verkürzte Aufenthaltsdauer angemessen informiert wurden. Urlauber in Mexiko können sich demnach nicht mehr sicher sein, wirklich die geplante Urlaubszeit in dem Land verbringen zu können.

So berichtet etwa die „Deutsche Welle“ von zwei Fällen, bei denen zwar auf den Einreisekarten der Urlauber die verkürzte Aufenthaltsgenehmigung vermerkt wurde. Die Abschnitte sind jedoch sehr schlecht lesbar und die Urlauber wurden eigenen Angaben zufolge nicht zusätzlich informiert.

Auswärtiges Amt mahnt zu Vorsicht

Die Folge: Verhaftungen. So sagte das Auswärtige Amt Mitte Februar BILD, die Botschaft habe 2022 bisher „eine niedrige zweistellige Zahl deutscher Staatsangehöriger unterstützt, die aufgrund einer überschrittenen Aufenthaltsdauer von der Migrationsbehörde festgehalten wurden.“ Zudem mahnt das Auswärtige Amt aktuell auch zu besonderer Vorsicht.

So heißt es, dass die Aufenthaltsdauer auf dem Einreiseformular sehr genau eingegrenzt werde, „oftmals, ohne dass Reisende sich dessen bewusst sind. (…) Reisenden wird empfohlen, bereits bei der Einreise konkrete Angaben zur Aufenthaltsdauer zu machen und entsprechende Nachweise vorzuweisen und in jedem Fall die gewährte Aufenthaltsdauer zu prüfen und zu respektieren.“

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Der Mexiko Peace Index

Eine detaillierte Auskunft darüber, wie sicher es generell in dem lateinamerikanischen Land ist, gibt der Mexiko Peace Index (MPI). Dabei handelt es sich um eine Teilstudie des Global Peace Index, die den Fokus ausschließlich auf dem Land hat und auch die einzelnen Bundesstaaten untersucht.

Der Frieden in Mexiko hat sich laut MPI im Vergleich zum Vorjahr um 3,5 Prozent verbessert. Etwa neun Prozent weniger Gewaltverbrechen und 1,3 Prozent weniger Tötungsdelikte fanden im untersuchten Zeitraum statt. Dennoch ist die Mordrate weiterhin sehr hoch. 2017 hatte Mexiko bereits 24 Todesfälle auf 100.000 Menschen und 29.000 Getötete insgesamt. 2020 waren es sogar mehr als 35.000 ermordete Menschen, 28 pro 100.000. Die Zahl von Feminiziden steigt ebenfalls: Seit 2015 wurde eine Zunahme von insgesamt 116 Prozent festgestellt.

Auch die Fälle von Waffengewalt, sexuellen Übergriffen und Drogenkriminalität haben sich im gleichen Zeitraum teilweise um das Doppelte vervielfacht.

Die Mordrate ist in Mexiko von 2015 bis 2020 um 86 Prozent gestiegen und erlebte letztes Jahr zum ersten Mal eine leichte Abnahme. Der Grund für die starke Zunahme in den Vorjahren sind Konflikte innerhalb und zwischen kriminellen Organisationen. Laut dem Index ist Mord nach wie vor die häufigste Todesursache von Menschen im Alter zwischen 15 und 54, bei Kindern zwischen fünf und 15 Jahren ist es der vierthäufigste Todesgrund.

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Wo ist es in Mexiko sicher?

Mexico Peace Index - Wie sicher ist Mexiko?
Der Mexiko Peace Index vom Institute for Economics and Peace zeigt, wie die sicher es in den einzelnen Regionen in Mexiko istFoto: Institute for Economics and Peace

Grundsätzlich wird in ganz Mexiko zur Vorsicht geraten, denn die Sicherheitslage ist fragil und kann sich jederzeit verschlechtern. Gleichzeitig variieren die Bedingungen aber auch innerhalb der 32 Bundesstaaten. Einzeln betrachtet hat sich die Lage in 22 von ihnen im letzten Jahr verbessert, in zehn ist die Lage heute schlechter.

Die fünf sichersten Staaten Mexikos sind Yucatán, Tlaxcala, Chiapas, Campeche und Nayarit. Zum vierten Mal in Folge bleibt Yucatán die sicherste Region des Landes. Für Urlauber hat die Halbinsel nicht nur zahlreiche schöne Strände, sondern auch einige der bedeutendsten Maya-Ruinenstätten wie Chichén Itzá und Uxmal zu bieten.

In den vergangenen sechs Jahren hat sich die Kriminalitätsrate in 25 der insgesamt 32 mexikanischen Staaten erhöht. Das zeigt nochmal, wie weitreichend die Verschlechterung der Situation im Land ist. Die friedlichsten Regionen, wie Yucatán oder Tlaxcala bleiben aber weiterhin für Touristen interessant. In Campeche lockt zum Beispiel die ehemalige Maya-Stadt Edzná.

Im Südosten, an der Grenze zu Quintana Roo, liegen die Ruinen der Río-Bec-Gruppe (die größte davon Xpuhil) mit den sogenannten „Scheinpyramiden“. Ebenfalls beliebt bei Urlaubern ist Chiapas. Sehenswert sind hier San Cristóbal de las Casas, früher auch Ciudad Real genannt, und die dem Weltkulturerbe zugehörige Ruinenstadt Palenque aus der klassischen Mayazeit. Spannend ist auch die Natur mit ihrer überaus üppigen Artenvielfalt.

Wo es in Mexiko nicht sicher ist

Das Auswärtige Amt weist darauf hin, dass Reisen „in einige Regionen Mexikos (…) vermehrt die Gefahr [bergen], in die Hände der organisierten Kriminalität zu geraten oder aber in teils schwere bewaffnete Auseinandersetzungen von Kartellen und Banden mit staatlichen Sicherheitskräften.“

Baja California gefährlichste Region des Landes

Laut MPI ist Baja California zum dritten Mal in Folge die gefährlichste Region des Landes, gefolgt von Colima, Zacatecas, Chihuahua und Guanajuato. Die Mordrate in diesen Staaten lag 2019 bei mehr als 49 Toten pro 100.000 Menschen, was als „extrem“ eingestuft wird. Laut dem Index stürzten alle fünf unsichersten Staaten weiter ab. Vor allem in Zacatecas und Guanajuato hat sich die Lage erheblich verschlechtert. Das lässt sich an den gestiegenen Zahlen von Tötungsdelikten, Verbrechen mit Schusswaffen und organisierter Kriminalität ablesen.

Im Vergleich zum vorherigen Bericht hat sich die Lage des bei US-Promis beliebten Hotspots Baja California Sur, wieder verschlechtert. Am stärksten betroffen ist die Stadt Tijuana, die mit einer Mordrate von 134 Toten pro 100.000 Menschen mehr als das zwanzigfache über dem globalen Durchschnitt liegt.

Zacatacas und Guerrero meiden

Zacatacas hat sich laut den MPI-Machern insgesamt am extremsten verschlechtert: Die Rate der Tötungsdelikte wuchs hier um 65,5 Prozent, die der Verbrechen mit Schusswaffen um 78 Prozent. Demzufolge ist die Tötungsrate in diesem Bundesstaat mexikoweit am höchsten. Das Auswärtige Amt rät dringend von Reisen in diese Region ab.

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Ähnliches gilt für Guerrero, das fast komplett gemieden werden sollte. Hier gelten als Ausnahmen Ixtapa-Zihuatanejo (solange die An- und Abreise mit dem Flugzeug erfolgt) und Taxco, wenn die Reisenden nur tagsüber an- und abreisen. Außerdem sollten Reisende im Bundesstaat Michoacán alle Gebiete westlich der Landeshauptstadt Morelia ignorieren und sich von der Grenzregion zu den USA fern halten.

Guerrero hat mit Acapulco außerdem die Stadt mit der siebthöchsten Mordrate weltweit. Unter den zehn Städten mit der höchsten Mordrate der Welt liegen noch fünf weitere mexikanische Metropolen: Tijuana in Baja California, Juárez in Chihuahua, Urupan in Michoacán, Urapuatio in Guanajuato und Obregón in Sonora. Sie belegen sogar die ersten fünf Plätze des Rankings.

Kriminalität in Mexiko generell hoch

Zudem sei in beliebten Urlaubsorte, wie Puerto Vallarta im Bundesstaat Jalisco die Kriminalitätsrate als hoch einzustufen, sagt Sicherheitsberater Sven Leidel. Das betrifft neben „Raub, Überfällen, Express Kidnapping“ und Diebstählen auch „Bereiche der Korruption“.

Auch wenn manche Regionen gefährlicher sind als andere, ist die Kriminalität in Mexiko generell sehr hoch. Vorsicht ist immer und überall geboten. Doch keine Panik! Wer sich an einige Verhaltensweisen hält und den Hinweisen des Auswärtigen Amts folgt, kann das Risiko selbst schon einmal minimieren.

Verhaltenstipps für einen sicheren Urlaub in Mexiko

Reisesicherheitsexperte Sven Leidel nennt einige Verhaltensregeln, die das Risiko, Opfer eines kriminellen bzw. gewalttätigen Übergriffs zu werden, erheblich reduzieren:

  • Halten Sie sich primär im gesicherten Bereich der Hotelanlage auf.
  • Meiden Sie Gegenden um Nachtclubs, Rotlichtviertel, Bars, Discotheken u. ä.
  • Gehen Sie in den Abend- und Nachtstunden nicht außerhalb der Hotelanlage spazieren.
  • Überlandfahrten mit dem Mietwagen sollten, sofern notwendig/gewünscht, nur am Tag stattfinden.
  • Meiden Sie Drogen und übermäßigen Alkoholkonsum; seien Sie stets „Herr/Frau Ihrer Sinne“.
  • Seien Sie vorsichtig bei allzu freundlichen Einheimischen.
  • Bewahren Sie stets ein „Low-Profile“; meiden Sie das Zurschaustellen von Schmuck, Geld u. ä.
  • Wenn Sie sich außerhalb des Hotels bewegen, dann immer in „Gruppenstärke“. Es gilt die Faustregel: „Sicherheit kommt mit erhöhter Anzahl der Personen“.
  • Bei einem Überfall oder gewalttätigem Übergriff leisten Sie keinen Widerstand. Geld oder Schmuck kann man ersetzen.

Wer eine Reise nach Mexiko plant, sollte sich vorab generell immer über die aktuelle Sicherheitslage im angestrebten Urlaubsort informieren.

Mexikaner fürchten Unsicherheit

Dem Global Peace Index zufolge ist Unsicherheit zum sechsten Mal in Folge die größte Sorge der Bevölkerung. Mit 67 Prozent ist sie damit stärker ausgeprägt als die Furcht vor Arbeitslosigkeit, Inflation, Korruption oder Straffreiheit. Das Gefühl von Unsicherheit hat in den letzten Jahren stetig zugenommen, während weniger regierungsgesteuerte Aktionen gegen die unsichere Situation wahrgenommen werden.

Gleichzeitig ist Korruption wohl der Faktor, der dem Frieden im Land mit am meisten im Weg steht und auch von den Bewohnern als sehr präsent und steigend empfunden wird. An der Spitze der korrupten öffentlichen Ämter stehen nach nationaler Wahrnehmung die Richter und Gemeindepolizisten. Dass die Regierung etwas gegen die Korruption unternimmt, bekommen nur zwölf Prozent der Bevölkerung mit. Und auch Aktionen der Regierung gegen den Drogenhandel werden in den letzten sechs Jahren immer weniger registriert.

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Schlimme Wirtschaftsfolgen und Hoffnungsschimmer

Laut dem Index hat die Gewalt große Auswirkungen auf die Wirtschaft Mexikos: 4,71 Billionen Pesos (umgerechnet etwa 202 Milliarden Euro) Verlust. Im Vergleich zum Vorjahr ist das zumindest zwei Prozent besser. Dennoch kostet die Gewalt Mexiko achtmal so viel, wie das Land in das Gesundheitssystem investiert und sechsmal so viel wie die Bildungsausgaben. Pro Kopf gerechnet verschlingt die Kriminalität fünfmal so viel Geld, wie ein durchschnittlicher mexikanischer Arbeiter verdient. Nach Meinung der MPI-Macher könnte Mexiko mit einer Verringerung der Mordrate um zehn Prozent 219 Milliarden Pesos sparen.

Bei aller Gewalt gibt es aber auch Grund zur Hoffnung. Im Positive Peace Index, einem Teil des Global Peace Index, rankt Mexiko auf Platz 71 von 163 weltweit und Platz sechs in Zentralamerika und der Karibik. Damit zeigt das Land klar, dass Potenzial für Verbesserung da ist. Indizien dafür sind unter anderem die Verbesserung des freien Informationsflusses und des soliden Geschäftsumfelds.

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