Ab 2015 führt er durchs Braunschweiger Land

Jakobsweg – neues Teilstück in Deutschland

Nach Lebenskrisen, aber auch um sich herauszufordern, deswegen gehen Menschen auf Pilgertour. Mehr als 10.000 sind es jedes Jahr allein in Niedersachsen. Ab 2015 kommt eine neue Strecke in Deutschland hinzu: im Braunschweiger Land.

Bei Sonnenuntergang ist das Bild heute noch so, wie es schon die Zisterziensermönche im Mittelalter gesehen haben. Hinter weiten Feldern mit grasenden Kühen erhebt sich vor den Augen moderner Pilger hinter einer Mauer die romanische Klosterkirche von Riddagshausen. Die einstigen Fischgewässer der Mönche sind heute ein Paradies für Vögel und seltene Tierarten. Riddagshausen ist eine der Stationen auf einem Stück Jakobsweg, der von 2015 an mitten durch das Braunschweiger Land führt. Hunderte  Pilger soll er jährlich anziehen, denn Pilgern ist längst zu einer Massenbewegung geworden, nicht zuletzt wegen des Buches von Hape Kerkeling: „Ich bin dann mal weg“.

„Einfädeln in das historische Netz der Jakobswege“

„Mit dem Braunschweiger Pilgerweg wollen wir einen Lückenschluss erreichen“, sagte Dieter Rammler (56). Rammler ist Direktor der Evangelischen Akademie Abt Jerusalem, die gemeinsam mit der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz Projektträger des neuen Pilgerweges ist. „Wir wollen uns einfädeln in das historische Netz der Jakobswege“, sagte Rammler. Vom Frühjahr nächsten Jahres an soll er Teil eines über 2300 Kilometer langen Netzes aus Pilgerwegen in Niedersachsen sein. Was viele nicht wissen: Einer dieser Jakobswege führte vom norwegischen Trondheim quer durch Europa nach Santiago de Compostela.

Eine gelbe Jakobsmuschel zeigt es an: Hier in Ahlden befinden sich Pilger auf dem historischen Jakobsweg

Foto: dpa picture alliance

Spektakuläre Strecke voller Geschichten

Das Zwischenstück zwischen Magdeburg und Paderborn existiere nicht mehr, es sei aber erwiesen, dass es diesen historischen Jakobsweg gab. Die Strecke sei spektakulär und voller Geschichten. Besondere Orte fänden sich entlang der Route „wie an einer Perlenkette, sei es der Kaiserdom in Königslutter oder das Zisterzienserkloster in Riddagshausen“, sagte Rammler.

Der Kaiserdom in Königslutter

Foto: dpa picture alliance

Schon jetzt haben sich Privatpersonen und Kirchengemeinden gemeldet, die Pilgern Unterschlupf bieten wollen. In Veltheim am Elm ist sogar ein Verein gegründet worden, der ein ehemaliges Gemeindehaus zu einer festen Pilgerherberge umbauen will.

Pilgern erfreut sich überall in Niedersachsen großer Beliebtheit. „Wir reden nicht mehr über ein kleines Strohfeuer, sondern über eine breite Bewegung“, betont Klaus Stemmann (52), der bei der evangelischen Landeskirche für die Pilgerwege zuständig ist.

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Auf mehr als 10.000 Pilgerreisende beider Konfessionen schätzt er die jährliche Zahl von Menschen, „die sich alleine in Niedersachsen auf den Weg machen“. Auf Bundesebene müsse es ein Vielfaches sein. Es gebe keine genauen Zahlen, sondern nur Rückschlüsse aus gemeldeten Ankünften bei den Pilgerstationen und ausgegebenen Pilgerpässe. „Die benutzen aber viele Pilger über viele Jahre, um sie möglichst ganz vollzustempeln“, sagte Stemmann.

In Niedersachsen gibt es zurzeit elf Pilgerwege. Sie erstrecken sich auf über 2300 Kilometer Länge. Einen Pilgerweg zeichnet aus, „dass sich der einzelne Mensch ohne Vorkenntnisse und Vorbereitungen auf den Weg machen kann“. Wer auf ihm nach Ruhe und innerer Einkehr sucht, findet von der Ausschilderung bis zu Informationen auf der Strecke alles, was er braucht.

„Viele gehen als Wanderer los und kommen als Pilger an“, sagt Stemmann, der selber Pilger-Erfahrung gesammelt hat. Gepilgert werde häufig nach Brüchen im Leben oder bei Neuanfängen. Auch biografische Ziele seien ganz wichtig, wenn zum Beispiel Menschen in einem bestimmten Alter sagten, „ich will das einfach nochmal schaffen“. Es sei aber ein frommer Wunsch zu glauben, man komme als ein neuer Mensch wieder. „Je länger man unterwegs ist, desto mehr merkst du, dass du immer noch derselbe Schweinehund bist“, sagte Stemmann.

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