Poveglia soll versteigert werden

Warum die Venezianer um ihre Spuk-Insel kämpfen

„Insel des Wahnsinns“ wird Poveglia vor Venedig genannt, manchmal auch einfach nur „die Hölle“. Denn kein Ort in Italien, vielleicht sogar auf der Welt, soll derart von Geistern heimgesucht worden sein wie diese gerade einmal sieben Hektar große Insel. Dass Italien sie nun versteigern will, um auf diesen Weg dringend benötigtes Bares in die Staatskasse zu spülen, sollte also eigentlich niemanden stören, eher im Gegenteil. Doch die Venezianer wehren sich – und haben ihren ganz eigenen Plan.

Eigentlich ist Poveglia seit rund 50 Jahren unbewohnt. Eigentlich, denn glaubt man den vielen Geschichten, die man sich auf dem Festland erzählt, dann wimmelt es auf der Insel in der Lagune von Venedig nur so von Geistern derer, die dort verstarben. Und das waren in den vergangenen Jahrhunderten nicht wenige.

Zu Römer-Zeiten diente Poveglia noch als Ort des Schutzes vor den Barbaren, die vom Norden aus das Reich bedrohten. Im 16. Jahrhundert wurden hier die Pest-Opfer begraben. Und gut 200 Jahre später widerfuhr Poveglia das Schicksal von so vielen Inseln weltweit: Hierhin wurden alljene verbannt, mit denen die vermeintlich gesunde Gesellschaft nicht in Berührung kommen wollte – zunächst Menschen mit ansteckenden Krankheiten wie die Pest, ab den 1920ern diejenigen, die als geistig verwirrt galten.

Der Geist des unheimlichen Dottore

Der Tod, das Grauen, auch das Unerklärliche, gehören seitdem zur langen Geschichte Poveglias. Ein besonders düsteres Kapitel wird der Zeit zugeschrieben, als die Insel eine Heilanstalt für psychisch Kranke beherbergte. Ein Arzt soll an Patienten lobotomische Eingriffe – die Durchtrennung von Nervenbahnen im Gehirn zur Behandlung psychischer Störungen – sowie andere grausame Experimente durchgeführt haben.

Poveglia von oben. Mehrere Millionen soll die Insel in der Lagune von Venedig wert sein. Der Erwerb der Pachtrechte durch engagierte Venezianer scheint ein fast aussichtsloses Unterfangen.

Foto: Imago

Später soll besagter „Dottore“ dann selbst dem Wahnsinn verfallen sein und sich in den Tod gestürzt haben. Seitdem, so erzählt man sich, treibt er auf Poveglia sein Unwesen – gemeinsam mit den Seelen der anderen verstorbenen Insel-Bewohner. Und spätestens, seit eine US-Show den Ort 2009 als einen der düstersten der Welt bezeichnete, gar einer der Moderatoren vor laufender Kamera von einem Geist besessen wurde, hat Poveglia ihren unheilvollen Ruf weg – als Spuk-Insel.

„Poveglia für alle“

Warum aber wollen die Venezianer nun verhindern, dass das 99-jährige Nutzungsrecht für das als verflucht geltende Eiland verkauft wird und somit so dringend benötigtes Geld zur Sanierung der Staatsbilanzen Italiens einbringt?

Ganz einfach: Bei der Online-Versteigerung der Pacht-Rechte, die noch bis einschließlich 6. Mai läuft, könnte ein Investor den Zuschlag bekommen, der aus der Insel ein Luxus-Resort macht. Lage, Größe und die Tatsache, dass Poveglia unbewohnt ist – der Ort scheint wie gemacht für eine Hotelanlage, zumindest aus Sicht entsprechender Interessenten.

Die Venezianer jedoch wollen das Eiland, um das sich so viele Mythen ranken, für sich behalten und haben deswegen die Aktion „Poveglia per tutti“ – Poveglia für alle – ins Leben gerufen. Die gleichnamige Facebook-Seite verzeichnet bereits mehr als 8000 Fans.

Die Idee: eine Art Crowdfunding, um die Insel für jedermann zugänglich zu machen. „Unser Ziel ist eine 99-jährige Sondernutzung von Poveglia“, schreiben die Organisatoren auf Facebook. „Wir möchten, dass diese Insel für alle zugänglich bleibt und nicht in Privatbesitz fällt. Wenn euch dieser Plan gefällt, dann beteiligt euch an unserem Projekt mit einem Beitrag von 99 Euro.“

Die „Gründungskarte des Projekts“ beinhaltet unter anderem, dass die Grünfläche der Insel in „öffentliche Parks und Stadtgärten“ umgewandelt wird. Auch soll Poveglia „nachhaltig“ und „ohne Gewinnzweck“ verwaltet werden.

„Probieren wir es“, so die Aufforderung der „Poveglia per tutti“-Organisatoren, „bleiben wir nicht untätig, während die Lagune Stück für Stück zu einer Luxusimmobilie wird.“

Die Pläne klingen gut, doch erscheint es angesichts der Attraktivität der Insel in der Lagune von Venedig fraglich, ob die Venezianer damit Erfolg haben werden. Schließlich wird das Grundstück auf mehrere Millionen geschätzt.

Somit ist es viel wahrscheinlicher, dass die vielen Geister auf Poveglia demnächst durch die luxuriösen Suiten eines Fünf-Sterne-Hotels schweben und sich des Nachts in Himmelbetten legen, um, ganz beseelt vom Komfort, irgendwann das Spuken vielleicht dann doch ganz sein zu lassen.

Wo Sie sich am besten in Venedig betten, erfahren Sie hier!

Die schönsten Sehenswürdigkeiten der Lagunen-Stadt finden Sie hier.

Was soll aus der Spuk-Insel Poveglia werden?

  • Der Ort soll so bleiben, wie er ist: verlassen. 266
  • Die Pläne des Projekts „Poveglia per tutti“ sollen umgesetzt werden. 219
  • Ein Luxus-Resort. 98

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