Verlassenes Schloss in Italien

Was sich hinter diesen alten Mauern verbirgt, bringt jeden zum Staunen

Der niederländische Fotograf Martino Zegwaard reist auf der Suche nach verlassenen Orten durch Europa. Inzwischen verfügt er über ein beeindruckendes Portfolio mit Hunderten Aufnahmen verlassener Schlösser, Burgen, Hotels und anderer interessanter Gebäude, die einen ganz eigenen Charme innehaben. Was der Urban Explorer aber vor ein paar Jahren im Norden Italiens hinter den Mauern eines alten Schlosses entdeckte, übertrifft alle Erwartungen.

Angelika Pickard Von Angelika Pickardt

Als Martino Zegwaard 2009 zum ersten Mal vor dem alten Gebäude in der Toskana steht, ist für ihn sofort klar: Hierbei handelt es sich um einen ganz besonderen Ort. Ein Freund von ihm hatte das verlassene Schloss zufällig entdeckt, als er ganz in der Nähe seinen Urlaub verbrachte. Schon das Äußere des zweiflügeligen Gebäudes mit seinem massiven Turm und den Verzierungen an der Fassade faszinieren Zegwaard derart, dass er einen immensen Drang verspürt, sich auch dessen Inneres anzusehen. „Unglücklicherweise gab es keine Möglichkeit, um hineinzukommen“, erzählt der Urban Explorer auf Nachfrage von TRAVELBOOK.

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Zegwaard und sein Freund versuchen zunächst, die offiziellen Eigentümer des Schlosses ausfindig zu machen. Dabei finden sie heraus, dass eine in England ansässige Firma das Gebäude erst vor Kurzem erworben hat. Da sie sowieso einen Trip nach England planen, entscheiden sie sich, direkt zu der Firma zu gehen und beim Chef um eine Erlaubnis zu bitten, in dem Schloss fotografieren zu dürfen. „Wir haben tatsächlich mit dem CEO gesprochen, und er hat uns versprochen, uns binnen ein oder zwei Wochen Bescheid zu geben, ob wir die Erlaubnis bekommen würden“, erzählt Zegwaard. „Wir haben allerdings nie wieder von ihm gehört, obwohl wir mehrfach versucht haben, eine Antwort zu bekommen.“

Geschichten von einem Alarmsystem und Wachhunden

Doch der Niederländer gibt nicht auf, er will unbedingt ins Schloss. Sein Freund und er beschließen, selbst einen Weg hineinzufinden. Ein nicht ganz ungefährliches Unterfangen – nicht nur, weil sie ein fremdes Grundstück betreten. „Es kursierten wilde Geschichten rund um das Schloss. Es war die Rede von einem Alarmsystem – was es auch tatsächlich auch gab –, von der Mafia, die angeblich ein Auge auf diesen Ort hatte, und von Hunden, die frei im Schloss herumliefen, um Jagd auf jene zu machen, die sich unbefugt Zutritt verschaffen.“ Überdies liegt das Schloss in einem öffentlichen Park, es könnten jederzeit Jogger oder Spaziergänger vorbeikommen und sie sehen.

Dennoch wagen sie das Abenteuer. Frühmorgens, noch vor Sonnenaufgang, sind sie am Schloss. „Wir haben an einer Seite des Gebäudes ein kleines Loch in der Wand gefunden, gerade groß genug, dass eine Person hindurchpasst.“ Sie helfen sich gegenseitig durch die enge Öffnung. Dann heißt es zunächst: Warten, bis die Sonne aufgeht. Bei Dunkelheit lassen sich schließlich keine Fotos schießen, zudem fehlt ihnen jegliche Orientierung auf dem noch unbekannten Terrain. „Wir mussten sehr vorsichtig sein, um den Alarm nicht auszulösen und uns, so gut es ging, zu verstecken. Das waren wirklich sehr stressige Stunden, wir haben die ganze Zeit gehofft, dass niemand kommt und uns rausjagt – oder noch Schlimmeres.“

„Ich war überwältigt“

Sie haben Glück, es kommt niemand. Und dann ist der Moment gekommen, als sie die Räume des Schlosses zum ersten Mal wirklich zu Gesicht bekommen. Zegwaard erinnert sich: „Von dem Loch aus hatten wir Zugang zu einem Treppenaufgang. Danach stand ich direkt im ‘Zimmer der Liebenden‘ – einem weißen Raum. Ich stand für einen Moment ganz still und hielt den Atem an, so sehr war ich überwältigt von dessen Schönheit.“

Wer immer dieses Schloss gebaut hat, hatte einen Hang zum Verschwenderischen

Foto: Martino Zegwaard

Martino Zegwaard und sein Freund wandern durch das Schloss, und jeder Raum scheint noch prächtiger als der vorherige. Der Urban Explorer macht so viele Bilder wie möglich, obwohl die Lichtverhältnisse relativ schlecht sind. Den Blitz verwenden kann er nicht – zu groß wäre die Gefahr, dass jemand von außen das helle Licht sieht und die Polizei ruft. Ganz zufrieden ist Zegwaard mit seinen Fotos deshalb nicht, auch, weil sie aus seinen Anfangszeiten als Fotograf stammen. Dennoch vermitteln sie einen bleibenden Eindruck von der einzigartigen Schönheit dieses Schlosses, dessen prachtvolle Ausstattung fast wie aus einem Märchen aus Tausendundeiner Nacht wirkt.

Als die Männer nach ein paar Stunden draußen vorm Schloss Stimmen hören und jemand an einer der Türen rüttelt, entscheiden sie sich zum Rückzug. „Wir sind so leise wie möglich auf demselben Weg wieder raus, den wir gekommen waren. Niemand hat uns rein- oder rausgehen sehen. Aber erlaubte Aufnahmen wären definitiv weniger stressig gewesen und hätten uns mehr Zeit verschafft.“

Blitzen konnte Martino Zegwaard im Gebäude nicht. Deshalb sind einige Aufnahmen etwas dunkel geraten

Foto: Martino Zegwaard

Wer erbaute das Schloss?

Laut einem Bericht des Toskana-Blogs Valdarna365.de stand das Castello Sammezzano, so der Name des Schlosses bei Florenz, bereits im 8. Jahrhundert. Schon Karl der Große soll hier einst übernachtet haben. Zu seinem farbenprächtigen Inneren kam das Castello allerdings erst im 19. Jahrhundert: Ferdinando Panciatichi, Sprössling einer der reichsten Florentiner Adelsfamilien, ließ das Schloss zwischen 1845 bis 1889 nach seinen märchenhaften Vorstellungen umbauen.

Lange wird das Schloss nicht mehr in seinem jetzigen Zustand bleiben, weiß Urban Explorer Martino Zegwaard: „Der Chef von der britischen Eigentümerfirma hat uns gesagt, was sie damit vorhaben. Es soll in ein luxuriöses Hotel mit Golfplatz und Wellnessbereich umgebaut werden.“

Weitere Fotos verlassener Orte finden Sie auf der Facebook-Seite von Martino Zegwaard.

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