Die Tricks und wie man sich schützt

Die Abzocke mit dem Geldabheben im Ausland

Wer in Nicht-Euro-Ländern am Bankautomaten Geld abhebt, sollte aufpassen, denn hier lauert nicht selten eine Art Wechselkurs-Mafia, um ordentlich abzukassieren. TRAVELBOOK erklärt das Abzock-Prinzip und wie man sich schützen kann.

Julia Bläsius Von Julia Bläsius

Wer kennt das nicht? Man befindet sich im Urlaub und die von zu Hause mitgebrachten Bargeld-Vorräte schmelzen nur so dahin. Aber da an jeder Ecke Geldautomaten stehen, denkt man, sollte es kein Problem sein, an Bares zu kommen. Und tatsächlich ist das Abheben von Bargeld im Ausland mittlerweile dank einer großen Kartenauswahl der Kreditinstitute relativ einfach zu bewerkstelligen, meist sogar, ohne dafür horrende Gebühren bezahlen zu müssen.

So weit, so gut – wäre da nicht das ausgefuchste System mancher Banken in Nicht-Euro-Ländern, das nur ein Ziel zu kennen scheint: den ausländischen Kunden möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen. TRAVELBOOK erklärt die Tricks – und wie man sich auf Reisen davor schützen kann.

Trick 1: Transparenz vorgaukeln

Während er im Euro-Ausland keine Rolle spielt, muss man in Nicht-Euro-Ländern sehr auf ihn achten – gemeint ist der Wechselkurs. Über ihn nämlich erbeuten einige ausländische Banken einen unverdienten Obolus auf Kosten der Urlauber – und dies, obwohl auf der Anzeige der Geldautomaten häufig „0% commission“ (d. h. ohne Gebühren beim Abheben) zu lesen ist.

Steckt der Kunde seine Geldkarte in den Bankautomaten, so erscheint, nachdem er die gewünschte Summe ausgewählt hat, häufig die Frage, ob die Abhebung mit oder ohne Währungsumrechnung geschehen soll. Hier ist Vorsicht geboten: Entscheidet man sich für die falsche Variante, zahlt man bis zu 10 Prozent mehr, wie aus einem Bericht von „Stiftung Warentest“ von Anfang Juni vergangenen Jahres hervorgeht.

Intuitiv wählt man die zuerst angezeigte Variante mit Währungsumrechnung. Warum? Weil diese vermeintlich transparent wirkt. Meist wird der gewünschte Betrag in ausländischer Währung zusätzlich auch in Euro angezeigt – samt zugrunde liegendem Wechselkurs und der Angabe, keine Gebühr fürs Abheben zahlen zu müssen. Manche Geldautomaten bezeichnen den angezeigten Wechselkurs zudem auch als „garantiert“, was den Anschein von Sicherheit erwecken soll.

Doch die angeblich transparente Anzeige täuscht: Der angezeigte Wechselkurs wird vom Geldautomaten-Betreiber festgelegt und ist stets zum Nachteil des Kunden. Denn die Abhebegebühr wird offiziell zwar nicht erhoben, doch inoffiziell findet sie sich in den schlechten Wechselkursen wieder.

Und so schützen Sie sich: Haben Sie die Wahl, ob die Abhebung mit oder ohne Währungsumtausch durchgeführt werden soll, stets die Variante ohne Währungsumtausch wählen – auch wenn das auf den ersten Blick nach dem „schlechteren“, da intransparenten Angebot aussieht. Nur so wird der abgehobene Betrag in der ausländischen Währung an die eigene Hausbank übermittelt, die dann in Deutschland die Umwandlung in Euro vornimmt. Hier werde dann auch in der Regel ein günstigerer Umrechnungskurs zugrunde gelegt, wie Andrea Sack vom „Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz e.V.“ gegenüber TRAVELBOOK bestätigte. So lassen sich die aufgetretenen Differenzen von bis zu einem Zehntel der abgehobenen Summe erklären.

Trick 2: keine Wahl lassen

Eine weitere Methode, dem Kunden Geld aus der Tasche zu ziehen, ist es, ihm vermeintlich keine Wahl zu lassen. Und das geht so: Hat man den gewünschten Betrag eingegeben, so erscheint anschließend auf dem Bildschirm des Bankautomaten die Frage, ob ein bestimmter Wechselkurs akzeptiert wird. Der Kunde gewinnt dadurch natürlich den Eindruck, als bliebe ihm nichts anderes übrig. Vermutlich, so könnte er denken, würde der Abhebevorgang abgebrochen, wenn er „Nein“ drückt. Auch hier möchte der Geldautomatenbetreiber dem Kunden seinen erheblich schlechteren Wechselkurs aufs Auge drücken, um dabei selbst Gewinn zu machen.

Aufpassen sollte man auch, wenn die Angabe „0% commission“ auf dem Bildschirm erscheint, bekräftigt Gregor Janecke vom Onlineportal „deutscheskonto.org“ auf Nachfrage von TRAVELBOOK. Die Masche der Geldautomatenbetreiber, zwar offiziell keine Provision zu verlangen, den Kunden aber über den Wechselkurs auszunehmen, bezeichnet der Finanzexperte als schlicht „pervers“.

Und so schützen Sie sich: Lassen Sie sich nicht in die Irre führen. Denn auch hier haben Sie eine Wahl. Was kaum einer weiß: Lehnt man das Angebot des Geldautomaten ab, so ist der Vorgang keineswegs beendet – sondern das altbekannte Rattern ertönt und Sekunden später hält man die gewünschten Scheine in der Hand, und zwar zu einem besseren Kurs, weil die Bank zu Hause die Umwandlung in Euro übernimmt.

So wie hier an einem Geldautomaten am Flughafen London-Heathrow sieht es aus, wenn der Kunde gefragt wird, ob er den Wechselkurs akzeptiert.

Foto: optimal-banking

Die Website „Optimal Banking“ beschreibt die Methode detailliert. Für mehr Informationen klicken Sie bitte auf das Foto.

Genug Bares mitnehmen

Eine Alternative ist tatsächlich – vor allem für Kurzurlauber – genügend Bargeld in jeweiliger Landeswährung von zu Hause mitzunehmen. „Um die Kosten gering zu halten, bietet sich ein Umtausch bereits im Heimatland an, insbesondere, wenn die Reise nur von kurzer Dauer ist“, empfiehlt Andrea Sack vom Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland. Sind Reiseschecks eine Alternative? Auch hier entstünden oft Gebühren, über die man sich im Vorfeld genau informieren sollte, so die Rechtsexpertin weiter.

Vorsicht in...

... Tschechien, Polen, Großbritannien, in der Türkei sowie der Schweiz. In diesen Ländern sollte man an manchen Geldautomaten ganz besonders aufmerksam sein, da hier laut „Stiftung Warentest“ beide Methoden zur Touri-Abzocke Anwendung finden. Etwas entspannter sei es in Dänemark, Schweden, Bulgarien und Mazedonien: Hier wird dem Kunden am Automaten nur das Abheben in Landeswährung angeboten. Das Umrechnen in Euro übernimmt also die Hausbank in Deutschland, meist auch zum besseren Wechselkurs.

Die Vorgehensweise der ausländischen Geldautomatenbetreiber am Beispiel eines tschechischen Automaten:

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