Bei Airlines nachgefragt

Das passiert mit übrig gebliebenem Flugzeugessen

Nicht jeder Fluggast möchte an Bord etwas essen, und oft sieht man die Stewardessen mit noch verpackten Aluschalen im Servierwagen wieder in der Küche verschwinden. Was passiert eigentlich mit frischem Flugzeugessen, das übrig bleibt? TRAVELBOOK hat bei verschiedenen Airlines nachgefragt.

Auf das Servieren der Bordmenüs warten viele Passagiere sehnsüchtig. Zwar sind die Gerichte, zumindest in der Economy Class, in kulinarischer Hinsicht nicht unbedingt erwähnenswert, aber satt wird man davon allemal. Zudem vertreibt der gesamte Essensausgabeprozess zumindest ein wenig die Langeweile während des Flugs. Einigen mag dabei schon aufgefallen sein, dass am Ende nicht selten ein paar Bordmenüs im Servierwagen zurückbleiben. Was passiert damit eigentlich?

Die Antworten der Airlines, bei denen TRAVELBOOK nachgefragt hat, fallen ernüchternd aus: Essen, das nicht ausgegeben wird, landet nach dem Flug im Müll. „Alle Mahlzeiten, auch solche, die nicht verteilt oder angerührt wurden, müssen nach Beendigung des Fluges in geeigneten Anlagen entsorgt werden“, erklärt Benjamin Held, Sprecher der deutschen Fluggesellschaft Condor. „Auf der Kurz- und Mittelstrecke geschieht dies nach der Rückkehr des Flugzeugs am Ursprungsflughafen, auf der Langstrecke werden die überschüssigen Bordmenüs nach jedem Flug am Zielflughafen entsorgt.“

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Frisches Essen, also Fleisch oder Fisch, wird generell nach dem Flug entsorgt

Foto: Getty Images

Auch bei der Lufthansa werden „sämtliche zurückkehrenden Essensreste unschädlich beseitigt“, wie Sprecherin Kerstin Lau auf Anfrage mitteilt. Innerhalb der EU geschehe dies auf Basis einer Verordnung des Europäischen Parlaments, welche die Hygienevorschriften für nicht für den menschlichen Verzehr bestimmte tierische Nebenprodukte regelt. Aber auch bei internationalen Flügen würden übrig gebliebene Speisen vernichtet. Der Grund: „Die meisten unserer Catering-Betriebe unterscheiden aus logistischen Gründen nicht zwischen internationalen, europäischen und Inlandsflügen.“

Kühlkette darf nicht unterbrochen werden

Bei Emirates hält man sich an die Empfehlungen des HACCP-Konzepts (Hazard Analysis and Critical Control Points), welches der Vermeidung von Gefahren im Zusammenhang mit Lebensmitteln dient, die zu einer Erkrankung von Konsumenten führen können. „Sobald Mahlzeiten an die Airline übergeben wurden, können sie nicht zur erneuten Nutzung an den Catering-Betrieb zurückgegeben werden“, erklärt ein Sprecher der Emirates-Firmenzentrale in Dubai. Dadurch werde unter anderem garantiert, dass eine konstante Kühlkette der Lebensmittel gewährleistet sei.

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Wie viel Essen bleibt in der Regel übrig?

Wie viele Bordmenüs in der Regel übrig bleiben, könne man nie genau sagen, erklärt ein Sprecher der in Katars Hauptstadt Doha ansässigen Airline Qatar Airways. Das liege daran, dass das Verhalten der Passagiere von Flug zu Flug unterschiedlich sei. Bei Condor bleiben nach eigenen Angaben bei Tagesflügen fast keine Essen übrig, bei Nachtflügen in der Regel nicht mehr als 15 Prozent. „Unsere Fachabteilungen arbeiten immer daran, anhand von statistischen Daten und Erfahrungswerten, die Anzahl der mitgeführten Essen zu optimieren“, sagt Condor-Sprecher Benjamin Held.

Bei Qatar wurde eigens für diesen Zweck eine App entwickelt, mit der die Crew nach jedem Flug die Anzahl der übrig gebliebenen Essen angeben kann, um für künftige Flüge besser planen zu können. „Außerdem gibt es im Team einen Gewichts- und Müll-Spezialisten, der dafür zuständig ist, jegliche Verschwendung aufzuspüren und zu beseitigen“, sagt ein Qatar-Sprecher weiter. Erst 50 Minuten vor Abflug werde bei jedem Flug festgelegt, wie viele Essen mit an Bord kommen.

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Auch die anderen befragten Airlines gaben an, durch eine möglichst sorgfältige Planung so wenig überschüssige Bordmenüs wie möglich zu produzieren. Emirates erklärte, dass in der First und der Business Class immer einige Extra-Menüs mit an Bord genommen würden, „um den Gästen eine möglichst breite Auswahl zu bieten“. In der Economy Class stütze man sich auf die Informationen vorheriger Flüge, um zu bestimmen, wie viele Menüs von jeweils welcher Sorte voraussichtlich benötigt werden. Singapore Airlines gibt an, die Anzahl der Mahlzeiten sei generell genau auf die Passagierzahl abgestimmt.

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Warum wird überschüssiges Essen nicht gespendet?

Eine Spende von übriggebliebenen Flugzeugessen, etwa an die Tafel, sei nicht möglich, sagt Lufthansa-Sprecherin Kerstin Lau. Dies erlaubten die EU-Vorschriften nicht. „Die Essen aus grenzüberschreitendem Verkehr müssen vernichtet werden.“ Auch Condor-Sprecher Held bestätigt, dass die behördlichen Auflagen eine Ausgabe an Dritte nicht gestatten.

Auch bei Qatar Airways werden frische Lebensmittel den Vorgaben entsprechend generell entsorgt. Man versuche aber, so wenig wie möglich Essen zu verschwenden, teilte die Airline mit – unter anderem durch die teilweise Verwendung von eingeschweißten Produkten, die dann auch wiederverwendet würden. „Eingeschweißte Lebensmittel, die bald ablaufen, spenden wir, statt sie in den Müll zu werfen.“

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